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10/22/2020

BaseCamp Lyngby eint Generationen

Studentenheime sind in der Regel schlicht und Studiosi vorbehalten. Im dänischen BaseCamp Lyngby geht man einen anderen Weg: Die neue, zentrumsnahe Anlage im Grünen beherbergt auch Senioren. Sie ist ein schönes Beispiel für nachhaltige, lebenswerte und zukunftsorientierte Wohngemeinschaften.

Die ersten Studenten sind schon eingezogen. Und demnächst wird man im BaseCamp Lyngby wieder Möbelpacker sehen. Denn jetzt sind auch die Seniorenwohnungen im westlichen Teil des Neubaus bezugsfertig. Damit geht ein Projekt in Vollbetrieb, das seinesgleichen sucht. Nicht nur, weil die Anlage architektonisch spannend und nachhaltig ist. Sondern auch, weil sie Generationen unter einem Dach zusammenführt. Was das Kopenhagener Büro Lars Gitz Architects hier designt hat, ist eine zukunftsorientierte Wohngemeinschaft, die all ihren Bewohnern viel zu bieten hat.

Natur & Stadt gleich nebenan

Das BaseCamp Lyngbyliegt auf einem 34.300 Quadratmeter großen, relativ flachen Areal unweit des Lygnby Sees. Auch zum UNESCO-Weltkulturerbe-Naturpark Jægersborg Dyrehaven ist es nicht weit. Das Stadtzentrum von Lyngby und die Dänische Technische Universität (DTU) sind mit dem Fahrrad in wenigen Minuten erreichbar. 1000 Radstellplätze fördern die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel. Und vom nahen Bahnhof aus dauert die Fahrt in die Hauptstadt Kopenhagen nur 20 Minuten.

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Die eigenwillige Form des Neubaus entstand unter anderem aus finanziellen Gründen. Es galt, die Kosten niedrig zu halten. Deshalb entwickelte das Team von Lars Gitz Architects ein trapezförmiges Modul. Dieseswurde wiederholt, um 180 Grad gedreht und in verschiedenen Höhen gestapelt, um die runde, organisch geformte Struktur zu schaffen. Mit Hilfe dieser Idee konnte das Gebäude errichtet werden, ohne die üblichen Baukosten zu überschreiten.

Grüner Spazierweg auf dem Dach

Obendrein prägt das ungewöhnliche Modul-Konzept den Charakter der Anlage: In Serpentinen um vorhandene Vegetation geführt, wirkt das Gebäude fast wie eine natürlich gewachsene Einheit.

Der höchste Punkt erreicht 22 Meter. Von seinen sechs Etagen im Süden ausgehend, nimmt die Höhe des Komplexes ab. Wo er auf Bodenebene ankommt, schließt ein Weg an. Und dieser ist spektakulär: Er verläuft in Serpentinen über die gesamte Dachlänge des BaseCamp, das sich ohne Unterbrechung übers Gelände schlängelt. Bewohner und Besucher können also beim Spaziergang auf dem Gebäude die Natur ringsum, die Innenhöfe und Gartenanlagen genießen.

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Der gesamte Baukörper des BaseCamp Lyngby wurde spielerisch um ein rundes Gebäude „gewickelt“.In diesem 1.300 Quadratmeter großen Teil findet sich der Gemeinschaftsraum.

Ein „Herz“, das verbindet

Das zentrale Bauwerk ist auch das Herzstück der Anlage. Es verstärkt die Struktur visuell und vernetzt das gesamte Gebiet. Café, Sporthalle, Werkstätten, Kino, Bibliothek und mehr: Hier werden alle gemeinsamen Einrichtungen zusammengeführt. Damit haben die Architekten eine Drehscheibe für alle Funktionen konzipiert, die die Bedürfnisse der Bewohner auch in Zukunft erfüllen sollen. Egal, ob Student, Senior oder Mitarbeiter.

Einladend für Bewohner und Besucher

Das Projekt ist durch einen Eingang von Norden her gegliedert, der grandiosen Blick auf das skulpturale Volumen freigibt. Die Struktur scheint Besucher geradezu ins BaseCamp Lyngby einzuladen. Die begrünte Dachlandschaft ist öffentlich zugänglich. Mit vielen kleineren Höfen und intimen Zonen schafft die Anlage beste Möglichkeiten für kommunikative Treffen und Entspannung.

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Inspiration für den Entwurf fand das Studio Lars Gitz in der Grünlandschaft, die das Wohnheim umgibt. Es war den Architekten ein Anliegen, deren Pracht hervorzuheben und Menschen zur Interaktion zu motivieren – mit der Natur und miteinander. So betont auch die Projektbeschreibung: „Es handelt sich um einen sozialen Organismus, der dafür gedacht ist, Menschen aller Altersgruppen für soziale Interaktion und ruhiges Eintauchen zusammenzubringen“.

Architektur mit Poesie

Beim architektonischen Konzept des BaseCamp Lyngby ging es dem Team darum, Räume zu schaffen, die fließend ineinander übergehen. Die gesamte Komposition mit Innenhöfen und Außenlandschaft soll für besondere Erfahrungen sorgen. So wurden unerwartete, überraschende Elemente und Ansichten hinzugefügt, „um Poesie und Spiritualität in die Architektur bringen“. Und der Blick von der langsam ansteigenden Höhe nach Südosten eignet sich tatsächlich als Poesiealbum-Cover: Viel malerischer lassen sich die Stadt Lyngby, der Lyngby Lake und der sich sanft entfaltende Campus kaum ins Bild rücken.

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Auch in Sachen Nachhaltigkeit ist das BaseCamp Lyngby bemerkenswert: Der Neubau verfügt über Sonnenkollektoren und Gärten für Lebensmittelanbau. Er ist nach dem DGNB-System Dänemark „Stufe Gold“ zertifiziert. Neben der Förderung der Artenvielfalt leistet das bepflanzte Dach der Umwelt weitere gute Dienste. Es fungiert als Regenwasserpuffer und CO2-„Fresser“. Zudem reduziert es die Umgebungs- und reguliert die Innentemperatur und spart Energie.

BaseCamp Lyngby setzt auf Nachhaltigkeit

Als Material für die Fassade der Wohnanlage wurde Rock Panel Durable gewählt – BRE Klasse A+ zertifiziert. Auch die Lüftungs- und Heizungssysteme basieren auf nachhaltigen Technologien. 90 Prozent der Abluft-Energie wird für die Erwärmung der Frischluft wiederverwendet, die das Gebäude belüftet. Fußbodenkonstruktionen sammeln und speichern tagsüber Wärme und senken den Heizbedarf in der Nacht. Und in voller Höhe verglaste Fassaden sorgen für viel Tageslicht in den Räumen.

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Das Basecamp Lyngby ist ein Service-Campus, der vom „Basebuddies“-Team betrieben wird. Alle Zimmer sind möbliert und haben private Badezimmer. Fast alle verfügen über eine eigene Kochnische. Für die Qualität des Interieurs zeichnet das Studio Aisslinger verantwortlich. Und Kragh & Berglund sorgte für die kreative Landschaftsarchitektur.

Neu und mehrfach ausgezeichnet

Dass die neue, Generationen verbindende „Wohngemeinschaft“ mit vielen Besonderheiten aufwartet, hat ihr bereits mehrere Auszeichnungen beschert. Nach nur etwas mehr als zwei Jahren Bauzeit fertiggestellt, erhielt das BaseCamp Lyngby bereits einen Iconic World, einen World Architecture und A‘ Design Gold Award.

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Außerdem durften sich die Entwickler über Platz eins im Rennen um den Estate Media Project Award für das beste Projekt in Dänemark freuen. Letzteres unter anderem, weil es sich eben nicht nur um einen Jugendwohnungsbau handelt. Sondern um ein Gebäude mit Wohnraum sowohl für Projektmitarbeiter als auch für Senioren. Ein essenzieller Aspekt, der Lyngbys Novum klar von anderen Campus-Neubauten abhebt.

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Edle neue Campus-Anlagen wie etwa jene von „Second Home“ in Los Angeles sind ausschließlich für Co-Working gedacht. Und visionäre Wohnprojekte wie Architekt Gianluca Santosuossos „The Hive“ zielen zwar ebenfalls auf sinnvolles Zusammenleben aller Generationen ab. Spezielle studentische Bedürfnisse bleiben dabei jedoch ausgeklammert. Kurzum: Das dänische BaseCamp Lyngby beschreitet wirklich neue Wege. Als gut durchdachtes, nachhaltiges Pionier-Projekt, das Schule machen könnte.

Text: Elisabeth Schneyder Bilder: Lars Gitz Architects

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