© ÖSTERREICHISCHE NATIONALBIBLIOTHEK

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05/28/2021

Die Lebensader eines Kontinents

Die neue Sonderausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek heißt „Die Donau. Eine Reise in die Vergangenheit“ und zeichnet nach, wie wichtig der Fluss für Europa und darüber hinaus ist

Bevor der Strom gezähmt werden konnte, musste man ihn auf Karten bannen. So entstand ab 1857 die „Schifffahrts-Karte der Donau im Bereiche des Österreichischen Kaiserstaates“, die in den folgenden Jahren immer wieder erweitert wurde. Am Ende brauchte es 54 Karten mit insgesamt 36 Metern Länge, um den Flusslauf im Habsburgerreich abzubilden. Bekannt ist dieses Großwerk der Kartografie als Pasetti-Karte, benannt nach dem Hydrotechniker und mächtigen Ministerialbeamten Florian von Pasetti, der das Projekt damals leitete.

Im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) kann man das beeindruckende Zeitdokument jetzt bewundern – und die Donau zwischen Passau und Eisernem Tor im Maßstab 1:28.800 gemütlich abschreiten. Die Reproduktion der Pasetti-Karte ist ein Höhepunkt der neuen Sonderausstellung „Die Donau. Eine Reise in die Vergangenheit“.

Strom voller Bedeutung

Die Schau widmet sich der Donau aus unterschiedlichen Perspektiven und zeigt sie als die europäische Lebensader. Immerhin durchfließt sie auf über 2.800 Kilometern zehn Länder – so viele wie kein anderer Fluss. Anhand historischer Objekte und Kunstwerke zeichnet die Ausstellung die Bedeutung nach, die der Fluss seit jeher hat.

„Die vielfältigen historischen Dokumente der Österreichischen Nationalbibliothek ermöglichen einen faszinierenden Blick auf den Natur- und Kulturraum, der über Jahrhunderte die Menschen dieser Region geprägt hat“, sagt ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger. Die Exponate, von denen viele erstmals öffentlich zu sehen sind, zeigen die Donau als Grenze, als verbindendes Element, als einmalige Naturlandschaft und als Transportweg.

Lange war der Wasserweg die beste Transportmöglichkeit. Salz, Holz, Erz, Wein, Getreide und Vieh, aber auch Soldaten und Auswanderer wurden über Flüsse an ihr Ziel gebracht. Johann Nepomuk Hoechles Bild „Schiffzug“ aus 1825 zeigt in der Ausstellung eindrücklich, wie aufwendig solche Schifffahrten bis ins 19. Jahrhundert waren.

Geopolitik und Kunst

1829 erfolgte schließlich die Gründung der Ersten k. k. privilegierten Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (DDSG). Ein Dampfer legte die Strecke Wien–Budapest damals in etwas mehr als 14 Stunden (retour über 48 Stunden) zurück. 1880 war die DDSG die größte Binnenreederei der Welt mit über 200 Dampfschiffen und etwa 1.000 Lastkähnen. Historische Reiseführer und Reiseberichte stehen in der Ausstellung für die touristische Bedeutung des Flusses, die mit dieser Revolution der Fortbewegung einherging.

Die Donau hatte aber auch als Grenze große Bedeutung. Auseinandersetzungen um Territorien und Vormachtstellungen, der wechselnde Einfluss von Großmächten wie dem Osmanischen Reich, der Habsburgermonarchie oder Russland bestimmten jahrhundertelang die Geschichte des Donauraumes.

Gleichzeitig war der Fluss zu allen Zeiten viel mehr als Verkehrsader und Gegenstand geopolitischer Interessen: Er war immer auch ein Sehnsuchtsort. Als solcher ist die Donau etwa in literarischen Texten präsent, mit denen sich die Ausstellung ebenfalls befasst. So etwa mit Ingeborg Bachmanns Roman „Malina“, oder dem „Donauweibchen“ von H.C. Artmann und Gerhard Rühm.

Auf farbenprächtigen Aquarellen haben Jakob und Rudolf Alt die Donau verewigt. Der „Kulturraum Donau“ wird im Prunksaal durch bemerkenswerte Bilder Jakob Alts illustriert: seine insgesamt 55 Ansichten der Donau von Engelhartszell bis Wien. Jeweils zwei dieser Kunstwerke sind im Original ausgestellt – aus konservatorischen Gründen werden sie regelmäßig ausgetauscht.

Und dann gibt es natürlich noch die heimliche Landeshymne Wiens. Der 1867 uraufgeführte Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss (Sohn) ist im Erstdruck zu sehen, dieser liegt neben dem Manuskript der unvollendet gebliebenen symphonischen Dichtung „Donau“ von Richard Strauss aus dem Jahr 1941.

Der Fluss einst und jetzt

So lieblich die Klänge in Strauss' Werk sind – so gefährlich war die Donau lange als Gewässer. Felsen und Stromschnellen waren Hindernisse für die Schifffahrt, Überschwemmungen und Eisstöße prägten das Leben am Strom. 1870 erfolgte schließlich der Spatenstich für die Regulierung der Donau im Raum Wien.

Dafür war die Pasetti-Karte, wie erwähnt, besonders wichtig. Sie diente aber auch dazu, Bewusstsein für die Bedeutung des Wasserweges für die Donaumonarchie zu schaffen. Heute, nach den großen Regulierungen und der Errichtung zahlreicher Kraftwerke, ist die Karte eine Erinnerung an eine Donau, die es so über weite Strecken nicht mehr gibt.

Zu sehen bis 7. November 2021: www.onb.ac.at

Die vielfältigen historischen Dokumente der Österreichischen Nationalbibliothek ermöglichen einen faszinierenden Blick auf den Natur- und Kulturraum, der über Jahrhunderte die Menschen dieser Region geprägt hat

Dr. Johanna Rachinger | Generaldirektorin

In der großen Sonderausstellung „Die Donau“ laden viele außergewöhnliche Werke aus der Österreichischen Nationalbibliothek auf eine „Reise in die Vergangenheit“ ein. 

Zu entdecken gibt es prachtvolle Aquarelle, selten gezeigte Fotos und Objekte zur wichtigsten Wasserstraße der Habsburgermonarchie – und zum viel besungenen Sehnsuchtsraum zahlreicher Künstlerinnen und Künstler.

Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek
Josefsplatz 1, 1010 Wien

www.onb.ac.at

Stefan Zweig. Weltautor 

Das Literaturmuseum fragt, wie der Wiener zu Weltruhm gelangte

Die kommende Ausstellung im Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek heißt „Stefan Zweig. Weltautor“ – und ihr Titel wirft gleich eine spannende Frage auf. Was macht Autoren zu Weltautoren? Stefan Zweigs Leben und Werk eignen sich natürlich besonders gut, um darauf Antworten zu finden. 

Der Wiener zählt bis heute zu den meistgelesenen deutschsprachigen Schriftstellern. Thomas Mann notierte über seinen weltberühmten Kollegen einmal: „Sein literarischer Ruhm reichte bis in den letzten Winkel der Erde.“

Die Ausstellung im Literaturmuseum widmet sich diesem Phänomen: Sie zeigt Zweig als nicht unumstrittenen Bestsellerautor und als Weltbürger, der ausgedehnte Reisen quer durch Europa bis nach Amerika, Russland und Indien unternahm und der nach seiner Vertreibung durch die Nationalsozialisten im Exil in Brasilien lebte. 

Anhand von Originalmanuskripten, Briefen, Fotografien, Filmausschnitten und Tonaufnahmen führt die Schau einmal rund um den Globus („Magellan. Der Mann und seine Tat“), nach Indonesien („Der Amokläufer“) und Brasilien („Brasilien. Land der Zukunft“), aber auch in die „Welt von Gestern“ des untergegangenen Habsburgerreichs, das Zweig als globales Modell für das Zusammenleben der Völker verstand. Als Vordenker Europas strebte er eine Literatur an, die über die Grenzen der einzelnen Nationen hinausgeht. Ein Weltautor eben. 

Zu sehen ist die Ausstellung ab 11. Juni.

 

Das besondere Objekt

Alle zwei Monate ein anderes, beeindruckendes Stück zu sehen

Im Prunksaal zeigt die ÖNB – zusätzlich zur aktuellen Sonderausstellung – immer für jeweils zwei Monate ein „besonderes Objekt“. Die ausgestellten Stücke stammen aus den Beständen der Bibliothek und werden vom Publikum online ausgewählt. 

Derzeit ist unter dem Titel „Die Klage der Artemisia“ einer der ältesten griechischen Papyrustexte zu sehen. Artemisia, eine in Memphis lebende Griechin, ruft darin das Gottesgericht an, um die gerechte Strafe für einen erlittenen Frevel zu erwirken: Der Vater habe ihrer verstorbenen Tochter kein Grab ermöglicht und bringe so deren jenseitiges Leben in Gefahr. Der außergewöhnliche Text enthält Elemente eines Fluches, verzichtet aber auf jede Magie, sondern ähnelt vielmehr einer gerichtlichen Klage. 
Zu jedem Objekt findet auch ein Expertenvortrag statt – zur „Klage der Artemisia“ am 1. Juni um 18:00 Uhr im Oratorium der Österreichischen Nationalbibliothek. Ab 2. Juni ist dazu ein Blog-Beitrag samt kurzem Video auf der Website der Bibliothek verfügbar.

Am 19. Juli folgt das Bild „Der Hafen von Portici mit dem Vesuv im Hintergrund“ des österreichischen Malers Joseph Rebell als nächstes Objekt. Der Vortrag dazu findet  am 20. Juli um 18:00 Uhr statt. 

Bis 30. Mai läuft  das Online-Voting zu jenem „besonderen Objekt“, das ab Ende September im Prunksaal zu bewundern sein wird. Mehr auf: www.onb.ac.at


 

Historische Ansichten der Donau bewahren

Donau-Patenschaften der ÖNB

Jetzt unterstützen: In der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek lagert ein beeindruckender Bestand an historischen Donau-Ansichten. Die „264 Donau-Ansichten nach dem Laufe des Donaustromes von seinem Ursprunge bis zu seinem Ausflusse in das Schwarze Meer“ des Verlegers und Lithografen Adolph Kunike etwa. Diese enthalten 48 Lithografien aus Bayern, 77 aus Ober- und Niederösterreich, 32 aus der Slowakei und Ungarn und 107 aus Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und der Ukraine. Viele Vorlagen dazu stammen vom berühmten Biedermeier-Maler Jakob Alt, der den Fluss im Auftrag Kunikes bereiste. 

Anlässlich der neuen Sonderausstellung „Die Donau“  lädt die ÖNB Kulturinteressierte ein, Patenschaften für die außergewöhnlichen Donau-Ansichten zu übernehmen. Die pittoresken Drucke zeigen Orte und Regionen der damaligen Donau-Länder. Viele Namen sind heute fast vergessen – Syrmien, Bannat, Wallachai oder Bessarabien etwa. Andere sind heute so bekannt wie damals: Linz, Melk, Dürnstein oder Wien. 

Mit einer Patenschaft wird die  Konservierung dieser wertvollen Objekte unterstützt. Paten sind außerdem für immer mit der gewählten Donau-Ansicht verbunden. Eine Urkunde und ein Exlibris am Werk dokumentieren diese persönliche Beziehung. Und: Bei 264 Objekten könnte auch die eigene Heimatgemeinde oder der Ort eines Urlaubs dabei sein. Patenschaften kann man übrigens auch verschenken.

Alle Infos und Ansichten: www.onb.ac.at/mieten-foerdern/buchpatenschaft

 

Großes Museum in neuem Glanz

Das Papyrusmuseum der ÖNB wurde umfassend neu gestaltet

Wiedereröffnung: Im  Papyrusmuseum der Nationalbibliothek ist vieles ganz neu, aber etwas bleibt wie gehabt: die spannenden Einblicke, die es dort zu erleben gibt. Nach einem umfassenden Relaunch zeigt die Ausstellung ihre rund 400 Originalobjekte nun in zeitgemäßem Ambiente mit neuem Begrüßungsraum, großflächigen Wandillustrationen und neuem Lichtkonzept.  Im Museum in der Neuen Burg am Heldenplatz befindet sich die weltweit größte Ausstellung antiker Schriftstücke. Die Exponate stammen aus dem Zeitraum vom 15. Jh. v. Chr. bis zum 16. Jh. n. Chr. Entsprechend  vielfältig ist die Themenbandbreite, die sie abdecken.

So sind Abschriften von Werken ägyptischer, griechischer und lateinischer Literatur ebenso zu sehen, wie welche ägyptischer Totenbücher, der Bibel, des Korans und anderer religiöser Schriften. Zudem zeigt die Dauerausstellung die bunte Fülle von Alltagstexten der griechisch-römischen Antike und des byzantinischen und arabischen Frühmittelalters. Als sogenannte semi-literarische Schriftstücke sind  etwa magische und rituelle Texte, Schriften zur Astrologie, zu den Naturwissenschaften und der Medizin zu sehen.
Bei der Neugestaltung des Museums wurde die Dauerausstellung auch um mehrere Medienstationen ergänzt. Es gibt nun außerdem einen Audioguide in Deutsch, Englisch und für Gehörlose, einen Erlebnisraum zum antiken Totenkult und einen erweiterten Kinderbereich für das Kulturvermittlungsprogramm. Damit wird das Museumserlebnis noch abwechslungsreicher – und den vielen Interessen seiner Besucher gerecht.

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