© Naturhistorisches Museum

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11/14/2019

Lebensspender Luna

Neue Schau. Wie der Mond das Leben auf der Erde beeinflusst, erfährt man im Naturhistorischen Museum.

Luna alit ostrea et implet echinos.“ So beschrieb es Lucilius etwa 150 v. Chr und liefert damit den Beweis, dass schon die alten Römer wussten, wie groß der Einfluss des Mondes auf das Leben in gut 380.000 Kilometern Entfernung ist. Übersetzt ins Deutsche heißt es: „Der Mond lässt die Muscheln wachsen und vergrößert die Seeigel.“ Wissenschaftliche Arbeiten der vergangenen 150 Jahre zeigen, dass die Römer recht hatten: Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Reifung der Keimdrüsen, also der Eierstöcke und Hoden verschiedener mariner Organismen, und den Mondphasen.

„Viele Leute denken nur an seltsame Dinge wie, dass man Holz bei Vollmond fällen sollte. Das ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen, sondern kulturelle Interpretation“, sagt Christian Köberl. Der Generaldirektor des Naturhistorischen Museum Wien (NHM) ist Geologe und hat schon als Kind Bücher über den Mond verschlungen. 

Wir wollten schon lange eine Mondausstellung machen. Und wir wollten unseren Trabanten in der Vielfalt seiner Facetten beleuchten. Es sollte nicht nur um die Raumfahrt oder die Kunst gehen, sondern um beides und vieles mehr. Etwa die biologischen Einflüsse des Mondes auf Lebewesen. Es gibt so viele Dinge, an die man zuerst gar nicht denkt.

Christian Köberl, Generaldirektor des Naturhistorischen Museum Wien (NHM)

Nachtaktive Tiere etwa haben sich perfekt angepasst: Zugvögel können sich in hellen Vollmondnächten besser orientieren und nützen diese für ihre Reisen,während der Jagderfolg von Löwen in dunklen Neumondnächten größer ist.

Afrikanische Pillendreher der Gattung Scarabaeus verwenden Mondlicht als Kompass. Testreihen haben gezeigt, dass die Käfer ihr Ziel stets dann in gerader Linie ansteuern, wenn sie von polarisiertem Mondlicht beschienen werden.

Aristoteles beobachtete erstmals im 4. Jh. v. Chr., dass Eier von Seeigeln bei Vollmond reif werden. Seit damals erkannte man, dass bei Hunderten Tierarten der Mond dafür sorgt, dass Partner zusammenkommen. Dass alle Korallen eines Riffs innerhalb weniger Nächte Myriaden von Eiern und Spermien ausstoßen, liegt an den Mondphasen.

Berühmt ist die „Hochzeit“ des südpazifischen Palolowurmes: Einmal im Jahr, in ein bis drei aufeinanderfolgenden Nächten, bewirkt der Mond, dass die reifen, mit Geschlechtszellen gefüllten Hinter-Enden der Palolos sich ablösen und im Wasser schwärmen. Für die Bevölkerung auf Samoa ist dann „Tatelega“, Palolozeit. Bei einem rauschenden Fest werden die nahrhaften Köstlichkeiten roh oder gedünstet verzehrt. Im Fokus der Wissenschaft steht auch der kleiner Verwandte des Palolos: An den molekularbiologischen Grundlagen der „Monduhr“ von Platynereis dumerilii wird intensiv geforscht, denn der Meeres-Ringelwurm wird von zwei inneren Uhren gesteuert: von Mond und Tag-Nacht-Rhythmus.

Auswirkungen der Mondphasen auf Schlaf, Menstruation, Geburt und andere biologische Vorgänge konnten bisher durch seriöse wissenschaftliche Studien aber nicht bestätigt werden. Mond-Tee, Haarschnitt bei Vollmond und Zahnbehandlung nach dem Mondkalender fallen also in die Rubrik wissenschaftlich unbewiesenes „Geschäft mit dem Mond“.

„Der Mond. Sehnsucht, Kunst und Wissenschaft" läuft noch bis 1. 6. 2020 im NHM. Am 11. 12. 2020 erklärt die Biologin Kristin Teßmar-Raible, warum die eingangs erwähnte Reifung der Keimdrüsen bei vielen Meeresorganismen vom Mond abhängt. Und inwieweit der Mond auf andere Organismen Einfluss nimmt. („Der Mond als natürlicher Zeitgeber“, NHM Wien, 18.30 Uhr)

Wie uns unser Nachbar prägte: Ohne Mond hätte es nie stabile Lebensbedingungen gegeben

Christian Köberl ist Generaldirektor des NHM und hat die Ausstellung „Der Mond. Sehnsucht, Kunst und Wissenschaft“ (derzeit im NHM) konzipiert.

KURIER: In Ihrem Museum erfährt man neuerdings, wie der Mond riecht?

Köberl: Ja, das wissen wir, weil die Astronauten mit den staubigen Raumanzügen in die Kapsel zurückgekommen sind, und da bemerkten sie, dass die wie nasses Schießpulver rochen. Den Geruch haben wir in der Ausstellung nachvollzogen.

Wie geht man das an?

Es gibt Firmen, denen beschreibt man, was man möchte und sie mixen bestimmte Cocktails von organisch-chemischen Substanzen.

In Ihrer Schau erfährt man auch, wie sich der Mond anfühlt. Besucher dürfen Mondgestein anfassen?

Ja, da kann man viele Fragestellungen daran knüpfen: Wie kam das zur Erde? Wie alt ist es? Wenn ich das Gestein berühre, kann der Gedanke durch meinen Kopf gehen, dass der Mond so alt ist, wie praktisch kein Gestein auf der Erde. Das ist so, weil die Erde geologisch sehr aktiv ist und sich dauernd verändert. Der Mond ist dagegen seit gut drei Milliarden Jahren geologisch nicht mehr aktiv.

Der Mond greift - abseits der Gezeiten – stark ins Leben auf der Erde ein. Wie?

Durch sein reines Dasein stabilisiert er die Rotationsachse der Erde. Ohne dieses Faktum würde die Achse von Zeit zu Zeit kippen. Daher wäre das Klima auf der Erde völlig anders abgelaufen. Vermutlich hätte es nie stabile Lebensbedingungen gegeben. Das Vorhandensein des Mondes hat also einen direkten Einfluss auf das Vorhandensein von Leben auf der Erde.

  • 50 Jahre Mondlandung - Johannes Kepler und Jules Verne

Johannes Kepler  kleidete seine Mond-Visionen in eine der frühesten Science-Fiction-Erzählungen. Das Manuskript wurde Zündstoff im Hexenprozess gegen seine Mutter. Vor 150 Jahren sagte dann Jules Verne in seinen beiden Mondflugromanen etliches voraus, das im Apollo-Zeitalter Realität wurde! Wie konnte ihm das gelingen?
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Weitere spannende Vorträge zu unserem Trabanten finden Sie unter:
https://www.nhm-wien.ac.at/mond

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