„Ab ins Gemüse“ – Robert Palfrader nascht bunte Cherry-Paradeiser aus Wien
Mini San Marzano und bunte Cherry-Paradeiser aus Wien Essling
Man kann im Osten Österreichs sehr schnell Empörung hervorrufen, indem man Tomate statt Paradeiser sagt. Was die Sprachpolizei dabei vergisst: Nicht überall bei uns daheim sagt man Paradeiser! Und ich habe schon öfter eine nahezu deckungsgleiche Diskussion geführt, wenn es um Pfifferlinge geht. So heißen die Eierschwammerl nämlich in Südtirol.
Ja, ich weiß, dieses Thema wird sehr emotional geführt, kann mitunter zu sehr lautstarken Auseinandersetzungen führen und ich kann sogar nachvollziehen, warum dieses Thema so polarisiert. Ich würde mir aber das gleiche Interesse an unserer Sprache wünschen, wenn es um die Verwendung des richtigen Falles und anderen Regeln der Rechtschreibung geht. Ich verwende – je nach Lust und Laune – Tomate UND Paradeiser.
Genauso sieht es auch Stefan Bauer, ein leidenschaftlicher Gemüsegärtner aus Wien Essling. Und der hat immerhin hauptberuflich mit Paradeisern zu tun. Er baut seit 17 Jahren die köstliche Sorte Mini San Marzano an. Aber bei ihm gibt es nicht nur Paradeiser in der Farbe Rot, sondern auch in Gelb und Grün. Verpackt wird gleich an Ort und Stelle und bereits tags drauf stehen seine Paradeiser im Supermarkt Ihres Vertrauens. Da glaubt man, man weiß, was in so einer Gemüsegärtnerei vor sich geht und dann hört man, dass hier auch noch Welse gezüchtet werden.
Stefan Bauer bietet unter anderem eine Speise an, von der ich noch nie vorher gehört habe: Wels-Leberkäs! Bei der Zucht der Welse ergibt sich ein Synergie-Effekt: Jeden Tag wird rund zehn Prozent Frischwasser in die Becken gepumpt und genauso viel Wasser wieder abgelassen. Dieses wird dann zum Bewässern und Düngen des Gemüses verwendet. Den Wels-Leberkäs werde ich jedenfalls demnächst kosten – die Mini San Marzano nasche ich eh schon fast jeden Tag!
Ab ins Gemüse: Mini San Marzano und bunte Cherry-Paradeiser aus Wien Essling
Stefan Bauer: ein Pionier in Sachen Paradeiservielfalt
Die Leidenschaft zum Gemüse und der Pflanze wurde Stefan Bauer bereits in die Wiege gelegt. Aus einer Gärtnerfamilie stammend, gründete er 1999 seinen eigenen Betrieb im Wien Essling, nahe dem Marchfeld. Die Paradeiser haben es ihm besonders angetan, vor allem den kleineren Sorten schenkte er seine Aufmerksamkeit. Die bereits Bestehenden konnten ihn nicht ganz überzeugen, weshalb er eigene Sortenversuche anstellte.
Dabei kristallisierten sich einige neue Sorten heraus, sodass wir ihm heute die kräftig roten Mini San Marzanos, gelbe, rote und braune Cherry-Paradeiser sowie die Mini Ovalis verdanken. Neben dem perfekten Paradeiser und einer großen Sortenvielfalt ist dem Gärtnermeister Eines ebenso wichtig: die Kreislaufwirtschaft. So befindet sich auf seinem Betrieb ein Regenwasserteich, welcher größtenteils die Bewässerung des Gemüses übernimmt. Das verbrauchte Wasser läuft anschließend über Kulturrinnen ab und dient erneut der Bewässerung.
Zusätzlich verfügt Stefan Bauer auf seinem Gartenbaubetrieb über eine Aquaponik-Anlage, welche einen geschlossenen Kreislauf zwischen der Fischzucht (Wiener Waller) und dem Gemüseanbau schafft. Dabei wird der Fischdung in einem Biofilter gereinigt, aufbereitet und als natürlicher Dünger für die Gemüsepflanze eingesetzt. Auch bei der Wärme- und Energieerzeugung ist das Stichwort Kreislaufwirtschaft: Für konstante Temperaturbedingungen setzt Stefan Bauer auf ein Blockheizkraftwerk. Dabei wird Wärme und Elektrizität über einen mit Gas betriebenen Motor erzeugt. Das CO2, welches bei diesem Prozess entsteht, kann er direkt als hervorragender Dünger für seine Paradeiser verwendet.
Wir bauen in Wien Essling eine große Vielfalt an unterschiedlichen Paradeisern an. Dabei ist mir wichtig, dass die benötigten Ressourcen schonend eingesetzt werden. So geht beispielsweise bei unserer Bewässerung kein Tropfen Wasser verloren und jedes einzelne abgefallene Blatt wird zu nützlichem Kompost verarbeitet. Es ist schön, wenn man so Lebensmitteln mehr Leben geben kann.“
Behind The Scenes
Klicken Sie sich durch die Bilder des „Making Of“ von Folge 6.
Seine Paraderolle als Seine Majestät Robert Heinrich I. machte Robert Palfrader in „Wir sind Kaiser“ endgültig weltberühmt in ganz Österreich, wofür er gleich 2x mit der goldenen Romy ausgezeichnet wurde. Als Kabarettist steht er regelmäßig auf den Bühnen im deutschsprachigen Raum – aktuell mit seinem Programm „Testament“. Film- und Fernsehproduktionen: „Echt fett“, „Braunschlag“, „Der Metzger“, „Walking on Sunshine“, „Landkrimi“, „Totenfrau“ uvam.