„Viele Erben sind auf ihr Vermögen nicht vorbereitet“
Seit Anfang 2026 führt Stefan Neubauer die Kathrein Privatbank. Das Institut verzeichnet eine Rekordzahl an Neukunden und setzt auf eine Vermögensbegleitung, die weit über die klassische Veranlagung hinausgeht. Im KURIER-Interview spricht Neubauer über die nächste Erbengeneration, den Wandel im Private Banking, die Rolle von künstlicher Intelligenz und die Herausforderungen an den Kapitalmärkten.
KURIER: Herr Neubauer, die Kathrein Privatbank verzeichnet 2026 eine Rekordzahl an Neukunden. Warum boomt Private Banking gerade jetzt?
Stefan Neubauer: Die geopolitische Unsicherheit ist hoch, die Kapitalmärkte sind komplexer geworden und viele Menschen stehen vor wichtigen Vermögensentscheidungen. Gleichzeitig haben wir unser Angebot konsequent weiterentwickelt. Unser Anspruch ist es, nicht nur Vermögen zu verwalten, sondern Menschen bei finanziellen Fragestellungen zu begleiten. Gerade in unsicheren Zeiten wird dieser persönliche Zugang besonders geschätzt. Vertrauen bleibt unsere wichtigste Währung.
„In Österreich werden in den kommenden Jahren rund 700 Milliarden Euro weitergegeben.“
CEO Kathrein Privatbank
Sie sprechen von einer ganzheitlichen Vermögensbegleitung. Was bedeutet das konkret? Früher begann ein Gespräch meist mit der Frage nach der Veranlagung. Heute stellen wir zuerst andere Fragen: Welche Ziele verfolgt die Familie? Wie soll das Vermögen strukturiert werden? Welche Rolle spielen Unternehmen, Immobilien oder Stiftungen? Deshalb arbeiten Private Banker, Asset Manager und Spezialisten für Nachfolge- und Strukturierungsfragen eng zusammen. Die Veranlagung ist oft erst der zweite Schritt.
Österreich steht vor einer Vermögensübertragung von hunderten Milliarden Euro. Worauf sind viele Erbinnen und Erben aus Ihrer Sicht noch nicht vorbereitet? In Österreich werden in den kommenden Jahren rund 700 Milliarden Euro weitergegeben. Viele Menschen übernehmen erstmals Verantwortung für größere Vermögen. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern oft auch um Unternehmen, Immobilien oder komplexe Familienstrukturen. Viele Nachfolgegenerationen sind hervorragend ausgebildet, mussten sich bisher aber wenig mit Vermögensfragen beschäftigen. Genau hier sehen wir großen Beratungsbedarf. Wer mit 40 oder 45 Jahren Vermögen übernimmt, trifft Entscheidungen mit Auswirkungen für Jahrzehnte.
Sie bieten diese umfassende Beratung bereits ab einem Vermögen von 500.000 Euro an. Verschiebt sich damit die klassische Definition von Private Banking? Ja. Dienstleistungen, die früher vor allem Family Offices vorbehalten waren, sind heute bereits ab rund 500.000 Euro Vermögen zugänglich. Das ist eine positive Entwicklung. Themen wie Nachfolge, Immobilien, Unternehmensbeteiligungen oder Vermögensstrukturierung betreffen nicht nur sehr große Vermögen. Wer sich frühzeitig damit auseinandersetzt, schafft oft die Grundlage für langfristigen Erfolg.
„In globalen Aktienindizes entfallen inzwischen mehr als 60 Prozent auf den US-Markt.“
CEO Kathrein Privatbank
Welche Fehler werden dabei am häufigsten gemacht? Österreich ist traditionell ein Land der Sparer. Sicherheit ist wichtig, darf aber nicht dazu führen, dass Chancen ungenutzt bleiben. Viele Menschen halten einen zu großen Teil ihres Vermögens in konservativen Anlagen. Gerade bei langen Anlagehorizonten können regelmäßige Investitionen in Wertpapiere einen erheblichen Unterschied machen. Finanzbildung bleibt daher ein entscheidender Faktor für den langfristigen Vermögensaufbau.
Unterscheiden sich die Erwartungen jüngerer vermögender Kunden bereits von jenen ihrer Eltern? Ja. Die jüngere Generation interessiert sich stärker für Private Equity, Technologie, Megatrends oder digitale Assets. Gleichzeitig möchte sie Entscheidungen besser verstehen. Es geht weniger darum, fertige Lösungen präsentiert zu bekommen, sondern stärker um Austausch und Transparenz. Vermögen wird heute deutlich offener diskutiert als früher.
Neo-Broker und digitale Plattformen wachsen rasant. Warum braucht es überhaupt noch Privatbanken? Weil Digitalisierung und persönliche Beratung keine Gegensätze sind. Für kleinere Beträge oder einzelne Investmentideen werden digitale Lösungen immer wichtiger. Sobald Vermögen komplexer werden, spielen Vertrauen, Struktur und persönliche Betreuung eine entscheidende Rolle. Unternehmer, Stiftungen oder Familien mit mehreren Vermögenswerten haben andere Anforderungen als Anleger, die einzelne Aktien kaufen. Viele Kunden nutzen beide Welten. Digitale Plattformen dienen für einzelne Investments, das Kernvermögen bleibt oft in professioneller Betreuung. Gerade bei größeren Vermögen geht es nicht nur um Wertpapierauswahl, sondern um Risikomanagement, Vermögensstrukturierung und langfristige Entscheidungen.
Welche Rolle spielt dabei künstliche Intelligenz? Eine sehr große. KI wird die Produktivität und die Qualität von Dienstleistungen erheblich verbessern. Sie hilft dabei, Informationen schneller aufzubereiten, Prozesse effizienter zu gestalten und Berater besser auf Kundengespräche vorzubereiten. Der entscheidende Punkt ist aber: KI ersetzt nicht die Beziehung zum Kunden. Im Gegenteil. Wenn Technologie Routineaufgaben übernimmt, bleibt mehr Zeit für Beratung. Deshalb bin ich überzeugt, dass gute persönliche Betreuung durch KI nicht weniger, sondern wertvoller wird. Wer KI verantwortungsvoll einsetzt, kann die Servicequalität erhöhen und gleichzeitig effizienter arbeiten.
KI treibt derzeit auch die Börsen. Wie positionieren Sie Anlegerportfolios zwischen Technologieboom, geopolitischen Krisen und möglichen Börsengängen wie SpaceX? Die Begeisterung für Technologie und künstliche Intelligenz ist nachvollziehbar. Wir erleben hier eine Entwicklung, die mit den großen technologischen Revolutionen der Vergangenheit vergleichbar ist. Gleichzeitig warnen wir vor überzogenen Erwartungen. Viele Anleger konzentrieren sich derzeit auf wenige große Technologiekonzerne – genau darin liegt ein Risiko. In globalen Aktienindizes entfallen inzwischen mehr als 60 Prozent auf den US-Markt, wobei die großen Technologiewerte dominieren. Dadurch sind viele Portfolios stärker konzentriert, als Anlegern bewusst ist. Deshalb zählt das Thema Klumpenrisiken für uns zu den wichtigsten Fragen im Portfoliomanagement. Unsere Strategie bleibt ein breit diversifiziertes Portfolio mit globaler Ausrichtung. Die USA bleiben zwar der wichtigste Kapitalmarkt der Welt, gleichzeitig gewinnen Risikomanagement, Währungsabsicherung und eine bewusste Streuung über Regionen, Branchen und Anlageklassen weiter an Bedeutung.
Viele Anleger hoffen auf den nächsten großen Technologiestar. Wie bewerten Sie Hypes rund um Unternehmen wie SpaceX? Solche Unternehmen faszinieren Investoren weltweit und werden auf großes Interesse stoßen. Dennoch gilt: Hohe Erwartungen sind keine Garantie für hohe Renditen. Am Ende müssen die Unternehmen ihre Versprechen erfüllen. Man darf sich von Trends begeistern lassen, sollte aber die Grundregeln der Vermögensanlage nicht vergessen.
Woran sollen Kunden in einigen Jahren erkennen, dass Stefan Neubauer die Kathrein Privatbank geprägt hat? Wenn sie sagen, dass die Zusammenarbeit einfacher, schneller und persönlicher geworden ist. Mein Ziel ist, dass wir die meistempfohlene Bank Österreichs werden. Empfehlungen entstehen nicht durch Marketing, sondern durch Vertrauen, Servicequalität und langfristige Beziehungen. Wenn unsere Kunden uns weiterempfehlen, dann haben wir vieles richtig gemacht. Am Ende geht es darum, Menschen bei wichtigen finanziellen Entscheidungen so zu begleiten, dass sie sich gut aufgehoben fühlen und mit Zuversicht in die Zukunft blicken können.
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