Digitales Sparen: ETF-Sparen löst das klassische Sparbuch ab
Zinssätze spielen bei der Entscheidung für ein Online-Sparkonto oft eine wesentliche Rolle.
Die Digitalisierung hat in den vergangenen Jahrzehnten nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens verändert. Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel im Finanzsektor. Das betrifft natürlich auch Sparprodukte. Während früher der Besuch einer Bankfiliale die Beratung zu Sparprodukten oder die Eröffnung eines Sparbuchs selbstverständlich war, verlagern sich diese Prozesse heute zunehmend in die digitale Welt. Direktbanken spielen dabei eine zentrale Rolle und haben das Sparverhalten vieler Menschen nachhaltig beeinflusst.
Ernst Huber, DADAT Bank
Im Wandel
Der digitale Wandel hat das Sparen deutlich einfacher und flexibler gemacht. Dazu kommt die gestiegene Affinität zu digitalen Produkten, wie auch Ernst Huber, Vorstand der DADAT Bank, bestätigt: „Das Spar- und Anlageverhalten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Getrieben durch Inflation, die Zinswende und die rasante Entwicklung digitaler Banking-Apps steuern Kunden ihre Finanzen heute wesentlich aktiver und flexibler als noch vor wenigen Jahren.“ Kunden setzen sich deutlich aktiver mit ihren Finanzen auseinander als noch vor einigen Jahren. Entscheidungen werden schneller getroffen, da Informationen jederzeit verfügbar sind.
Für Berthold Troiß, Vorstandsvorsitzenden der Austrian Anadi Bank, wird Online-Sparen künftig noch stärker in den finanziellen Alltag der Kunden eingebunden sein.
Berthold Troiß, Austrian Anadi Bank
„Automatisierte Lösungen werden an Bedeutung gewinnen – etwa Sparfunktionen, die regelmäßig und nahezu nebenbei greifen. Gleichzeitig steigt der Wunsch nach mehr Individualisierung: Sparprodukte sollen zur jeweiligen Lebenssituation passen und einfach steuerbar sein.“
Darüber hinaus führte die Rückkehr der Zinsen zu einer deutlich höheren Nachfrage nach klassischen Sparprodukten. Insbesondere das Online-Sparkonto verzeichnete in den vergangenen Jahren starke Mittelzuflüsse, da viele Kunden freie
Liquidität wieder gezielt verzinst parken möchten. Hier winken bei Tagesgeldkonten bis zu 2,4 Prozent Zinsen für Neukunden. Beim Festgeld können sich Sparer über bis zu 2,75 Prozent Zinsen freuen.
Flexibel bleiben
Bei den Kunden sind also Flexibilität und Eigeninitiative gefragt: „Wir sehen eine höhere Zinssensibilität und Wechselbereitschaft. Unsere Kunden vergleichen aktiv über Plattformen und Vergleichsportale und parken Geld nicht mehr passiv am Girokonto. Gleichzeitig ist die Hemmschwelle für reine Online-Eröffnungen stark gesunken. Auffällig ist auch, dass Kunden ihr Erspartes stärker splitten: ein Teil täglich fällig, ein Teil gebunden“, so Levent Korkmaz, Head of Customer Care Denizbank AG. Denn bei den Kunden hat beides seinen Platz und die Kombination ist der eigentliche Trend. Das täglich fällige Tagesgeld dient als flexible Reserve, während das Festgeld mit frei wählbarer Laufzeit Planbarkeit und Zinssicherheit bietet.
Levent Korkmaz, Denizbank
„Online-Sparen überzeugt vor allem durch Einfachheit, Geschwindigkeit und Flexibilität. Kunden können ihre Sparprodukte jederzeit online verwalten und Anpassungen mit wenigen Klicks vornehmen. Gleichzeitig bleibt persönliche Beratung besonders bei größeren Anlagebeträgen oder grundsätzlichen finanziellen Entscheidungen ein wesentlicher Faktor. Der größte Mehrwert liegt daher in der Verbindung beider Welten: digitale Lösungen für den Alltag und persönliche Erreichbarkeit, wenn individuelle Unterstützung gefragt ist“, erklärt Berthold Troiß.
Mobile Apps und digitale Benutzerfreundlichkeit sind dabei das Um und Auf, ist Levent Korkmaz überzeugt: „Der beste Zinssatz nützt wenig, wenn das Onboarding hakt – jede Hürde kostet messbar Abschlüsse. Wir investieren daher laufend in die digitale Strecke.“ Gerade im Sparbereich wird eine intuitive, schnelle und selbsterklärende Bedienung erwartet.
Manfred Nosek, Bank Direkt
Aber auch das Vertrauen in eine verlässliche Bank und die damit verbundene Sicherheit spielen eine große Rolle, sagt Manfred Nosek, Geschäftsbereichsleiter Bank Direkt: „Das Thema der Sicherheit und welches Institut hinter welcher Marke steht, wird von den Kunden ebenso stark hinterfragt, und hier wird die Tatsache, dass hinter Bank Direkt die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich als heimische Bank steht, sehr positiv wahrgenommen. Auch das Thema der Einlagensicherung ist in diesem Zusammenhang immer wieder ein Thema.“
Ausblick
Levent Korkmaz erwartet in Zukunft eine weitere Verlagerung ins Digitale: vollautomatisiertes Onboarding in Minuten, stärkere Personalisierung von Sparangeboten und Plattformen bzw. Vergleichsportale als zentraler Vertriebskanal. „Dazu kommen hybride Servicemodelle (Chat, Video-Beratung), wachsende Bedeutung von Sicherheit und Vertrauen als Differenzierungsmerkmal sowie der fließende Übergang vom reinen Sparen zu einfachen Anlage- und Vorsorgelösungen aus einer Hand.“
Digitale Spar-Angebote werden immer beliebter.
Ernst Huber geht davon aus, dass sich Anleger mittel- bis langfristig noch stärker dem Kapitalmarkt zuwenden werden, was auch in Deutschland bereits klar erkennbar ist. „Für mich ist das ETF-Sparen das Bausparen der jungen Generation“, sagt er, „eine einfache, transparente und langfristig orientierte Form des Vermögensaufbaus. Angesichts steigender Lebenserwartung und der wachsenden Bedeutung der privaten Altersvorsorge werden kapitalmarktbasierte Lösungen zunehmend unverzichtbar. Mit klassischen Sparprodukten allein wird es langfristig nur schwer möglich sein, Vermögen real zu erhalten und die Kaufkraft nachhaltig zu sichern. Daher werden ETFs und regelmäßige Sparpläne künftig eine noch wichtigere Rolle im Vermögensaufbau vieler Menschen spielen“, ist Huber überzeugt.
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