Wissenslücken kosten Haushalte bis zu 2.690 Euro jährlich

Wissenslücken kosten Haushalte  bis zu 2.690 Euro jährlich
Der Allianz Vorsorgebarometer zeigt: 86 Prozent der Österreicher sorgen vor. Dabei sichern Geringverdienende und Alleinerziehende eher ihre Kinder als sich selbst ab. Es gibt große Wissenslücken und das Vertrauen in die staatliche Vorsorge ist gering.

Das Bewusstsein für die Absicherung der eigenen Zukunft gewinnt zunehmend an Bedeutung. Laut einer repräsentativen Befragung von marketmind im Auftrag der Allianz Österreich unter 2.000 Personen sorgen 86 Prozent der Österreicher für sich selbst und/oder andere vor – hauptsächlich durch Sparen, Geldanlagen, Gesundheitsvorsorge, private Krankenversicherungen und Pensions- sowie eine private Altersvorsorge. Die Österreicher geben dabei im Durchschnitt rund 6,5 Prozent ihres monatlichen Haushaltsnettoeinkommens für Vorsorge aus. Männer investieren dabei etwas mehr Geld als Frauen.

„Vorsorge bedeutet Fürsorge – das ist eine wesentliche Erkenntnis unserer Studie. Die Österreicherinnen und Österreicher schauen aufeinander“, sagt Allianz Österreich CEO Rémi Vrignaud und ergänzt: „Was wir aber auch sehen, ist die Tatsache, dass der Wunsch nach Vorsorge in vielen Bereichen zwar vorhanden ist, sich viele Menschen aber noch nicht ausreichend abgesichert fühlen. Es kann jedoch nicht nur in der Selbstverantwortung der Menschen liegen, für ihre Zukunft zu sorgen. Zum einen sind hier Unternehmen in der Pflicht, Maßnahmen wie die betriebliche Altersvorsorge für ihre Mitarbeitenden zu etablieren. Zum anderen ist natürlich die Politik gefordert, das Pensions- sowie Gesundheitssystem endlich nachhaltig zu reformieren.“

Wissenslücken kosten Haushalte  bis zu 2.690 Euro jährlich

Allianz Österreich CEO Rémi Vrignaud und Verena Priemer von marketmind geben Einblicke in das Vorsorgeverhalten der Österreicher.

Familie im Fokus

Die Fürsorge der Österreicher zeigt sich besonders darin, wer für wen Vorsorge trifft. Weit über die Hälfte der Befragten engagiert sich für das Wohl anderer, wobei die Absicherung des eigenen Nachwuchses im Vordergrund steht. Eltern investieren nicht nur viel Zeit, sondern auch erhebliche finanzielle Mittel: 61 Prozent der Eltern treffen Vorsorgemaßnahmen für ihre Kinder. Was bemerkenswert ist: Nur 50 Prozent der Geringverdienenden sorgen für sich selbst vor, aber 63 Prozent tun dies für ihre Kinder. Alleinerziehende sichern überdurchschnittlich oft (72 Prozent) ihre Kinder ab, aber nur 53 Prozent kümmern sich um ihre eigene Vorsorge.

Mehr als jede zweite Person in einer Partnerschaft sorgt für den Partner vor – 64 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen. „Die meisten Menschen tun ihr Möglichstes, um ihre Liebsten gut versorgt zu wissen, auch in Zeiten von Teuerung und Inflation“, sagt Verena Priemer, Managing Director bei marketmind. „Nach wie vor überwiegen männliche Vorsorge für die Partnerin und konservative Anlageformen.“

Vertrauen gering

Fragt man die Österreicher, wie sie ihre Absicherung für die Zukunft einschätzen, so fühlt sich über die Hälfte sehr gut bis gut versorgt. Dabei zeigt sich ein markanter Geschlechterunterschied: 64 Prozent der Männer fühlen sich sehr gut bis gut abgesichert, aber nur 53 Prozent der Frauen. Bei den Generationen empfinden 65 Prozent der über 60-Jährigen ihre Zukunftsvorsorge als sehr gut, gefolgt von 58 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, die oft noch von den für sie getroffenen Vorsorgemaßnahmen profitieren. Das Vertrauen in die eigenen Vorsorgemaßnahmen ist dabei deutlich höher als in die staatliche Vorsorge, mit 50 Prozent gegenüber 33 Prozent.

Wunsch vs Wirklichkeit

Vorsorgemaßnahmen betreffen verschiedene Lebensbereiche unterschiedlich stark. Zwischen dem Wunsch nach Absicherung und der tatsächlichen Realität der Österreicher zeigen sich in der Befragung große Lücken. Mehr als drei Viertel halten ein finanzielles Polster für wichtig, aber nur die Hälfte fühlt sich in Geldfragen gut abgesichert. 71 Prozent möchten gut für die Pension vorsorgen, doch nur 47 Prozent empfinden ihre Vorsorge als ausreichend. Auch die Absicherung von Wohnraum ist für 69 Prozent der Österreicher essenziell, jedoch fühlen sich nur 52 Prozent ausreichend abgesichert.

Frauen legen in den meisten Bereichen mehr Wert auf Vorsorge als Männer. Umgekehrt fühlen sich Männer in allen Bereichen besser abgesichert als Frauen. Die größte Diskrepanz zeigt sich bei der finanziellen Absicherung: 79 Prozent der Frauen und 76 Prozent der Männer halten sie für wichtig, jedoch empfinden nur 47 Prozent der Frauen und 56 Prozent der Männer ihre Absicherung als tatsächlich gut.

Junge Generation

Bei den 18- bis 29-Jährigen zeigt sich die größte Kluft im Bereich der Pensionsvorsorge: Diese halten 69 Prozent für wichtig, jedoch fühlen sich nur 40 Prozent aktuell gut darauf vorbereitet. Auch in der Finanzierung und Anschaffung von Wohnraum gibt es erhebliche Unterschiede: 69 Prozent empfinden die Vorsorge in diesem Bereich als wichtig, aber nur 41 Prozent fühlen sich ausreichend abgesichert.

„Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, aber auch die Lücken zwischen Wunsch und Wirklichkeit sind deutlich ausgeprägt. Vor allem für Frauen müssen bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit sie finanziell unabhängiger werden und für das Alter ausreichend abgesichert sind“, so Vrignaud. Er ergänzt: „Die junge Generation verfügt über ein hohes Bewusstsein für die Wichtigkeit der Altersvorsorge, hat aber wenig Vertrauen in die bestehenden Systeme und Maßnahmen. Auch bei der Finanzierung und Leistbarkeit von Wohnraum sind gerade die Jungen stark von den verschärften Regelungen der Kreditvergabe und der Verknappung von Wohnraum betroffen.“

Wissenslücken kosten Haushalte  bis zu 2.690 Euro jährlich

Bei der Absicherung der Österreicher steht vor allem der eigene Nachwuchs im Vordergrund. 

Informationsdefizit

Laut dem Allianz Vorsorgebarometer 2024 fühlen sich nur 43 Prozent der Österreicher sehr gut bis gut über das Thema Vorsorge informiert. Überdurchschnittlich viele Männer (49 Prozent) schätzen ihren Wissensstand als sehr gut bis gut ein, bei den Frauen sind es lediglich 37 Prozent. Mit steigendem Alter nimmt der Informationsgrad zu: Nur 33 Prozent der 18- bis 29-Jährigen fühlen sich sehr gut bis gut informiert, während es bei den über 60-Jährigen 50 Prozent sind.

Die wichtigsten Informationsquellen zum Thema Vorsorge sind für mehr als die Hälfte der Befragten der Partner oder die Familie, dicht gefolgt von Versicherungen beziehungsweise Versicherungsberatern. Vrignaud fordert: „Wissenslücken in Finanzfragen können einen durchschnittlichen Haushalt jährlich um bis zu 2.690 Euro ärmer machen. Nur wer die Möglichkeiten kennt, die es im Bereich der Vorsorge gibt, ist auch in der Lage, unabhängige und selbstbewusste Entscheidungen für sich selbst und die eigene Familie zu treffen. Dieses Wissen verständlich zu vermitteln, muss daher stärker vorangetrieben werden.“