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MEIN GELD
12/04/2021

7 Psychofallen der privaten Geldanlage

 Kapitalmärkte und Geldanlage haben nicht nur mit Zahlen, Daten  und Fakten zu tun, sondern sind auch sehr viel Psychologie.  Wer einige Psychotricks berücksichtigt, kann Stolperfallen vermeiden und auch den Anlageerfolg steigern.  

Wir studieren Kurse und Charts, machen uns Gedanken über den weiteren Verlauf an den Weltbörsen 2022 und treffen auf Basis der zahlreichen Informationen eine gute Entscheidung. Blöd nur, dass das nur in der Theorie so funktioniert. Der Mensch folgt meist seinen Instinkten, Ängsten und Trieben und die sind in den seltensten Fällen rational. Manchmal kann das gut gehen, aber in vielen Fällen kosten uns diese Fehlentscheidungen, aber auch Vermeidungsverhalten, viel Geld. Hier sieben Tipps, wie sich Psychofallen bei der Geldanlage vermeiden lassen.

1. Die Angst, neue Wege zu gehen, lässt sich überwinden

Die Österreicher gelten aufgrund ihrer niedrigen Aktienquote als Wertpapiermuffel. Birgit Bruckner, Börsenpsychologin und ehemalige Börsenhändlerin: „Gerade bei ungewissen, unabsehbaren Entscheidungen für die Zukunft meiden wir unbekannte Optionen. Wir bleiben bei dem, was wir kennen. Wachsen wir mit Sparbuch und Münzsammlung auf, ist der Wechsel zu Wertpapieren ein Schritt in die Ungewissheit.“ Natürlich ist der Anlagemarkt insgesamt sehr komplex, aber ein Buch mit sieben Siegeln ist er auch nicht. Bruckner empfiehlt hier folgende Vorgangsweise: „Neulinge an den Kapitalmärkten sollten mit kleinen machbaren Schritten starten. So lernt man das Börsengeschehen und die eigenen Emotionen bei Anlageentscheidungen kennen. Mit diesem Wissen können Sie den nächsten Schritt machen und verändern Ihre Anlagegewohnheiten.“ Bei der Geldanlage geht es nicht um ein großes entweder Sparbuch oder Börse, sondern um den richtigen Mix aus verschiedenen Anlageklassen.

2. Nicht nach dem richtigen Wertpapier suchen, sondern handeln

Ein Wertpapierdepot ist heute schnell eröffnet, aber oft werden dann in einem nächsten Schritt lange keine Wertpapiere gekauft. Bruckner: „Viele der Einsteiger verlieren sich dann in der Suche nach dem besten oder richtigen Wertpapier.“ Angesichts der Fülle von möglichen Optionen ist das aber die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Zudem erfolgt die Suche auf Basis von Zahlen, die in der Vergangenheit liegen und das nichts über die Zukunft aussagt. Bruckner: „Auch hier bewährt sich die Strategie der kleinen Schritte. Am besten starten Einsteiger mit einem breiten Produkt von einem bekannten Anbieter mit hoher Reputation. Damit werden Anleger nicht die größten Gewinne erzielen, aber immer noch mehr, als auf einem Sparbuch.“ Hat man mehr Erfahrung gesammelt, kann man auch mehr wagen. Zudem: den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht, selbst Profis kennen diesen nicht und daher macht es Sinn, mit einem Sparplan zu starten, denn damit muss man sich um den Zeitpunkt keine Sorgen machen.

3. Bei der Geldanlage gilt es, Ziele zu definieren, sonst landet man im Nirgendwo

Kaufen wir ein Auto, wissen wir meist sehr genau, welche Marke es sein soll oder auch welche Farbe es haben soll. Bei Thema Geldanlage sind unsere Vorstellungen sehr undifferenziert. Bruckner: „Ein Klassiker ist das Anlageziel „Altersvorsorge“. Dieses Ziel ist vergleichbar mit dem Entschluss im kommenden Sommer in Europa Urlaub zu machen. Definieren wir unser Ziel ungenau, planen und buchen wir zu spät, dann finden wir uns auf „Balkonien“ wieder.“ Auch beim Thema Anlage müssen Ziele konkret definiert werden. Bis wann will man welchen Betrag erreichen. Welche Kosten sollen davon gedeckt werden. Wichtig: Bei einem Anlageziel mit einem langen Zeithorizont, muss man die Ziele in regelmäßigen Abständen überprüfen.

4. An Verlustbringern im Depot nicht festhalten, sondern verkaufen

Viele Anleger, reden gerne über sagenhafte Gewinne, aber niemals über die Verluste. Bruckner: „Niederlagen, egal in welchem Lebensbereich, schmerzen. Wenn wir diese erzählen, erleben wir den Schmerz erneut.“ Das Problem dabei ist, dass mit jeder Geschichte, die wir erzählen, sich auch unsere Erinnerungen verändern. Schmerzliche Verluste werden dadurch verdrängt und die Erfolge dominieren in der Erinnerung. Das hat aber Konsequenzen. Bruckner: „Damit beginnen wir unsere Kompetenz in der Geldanlage zu überschätzen und neigen zu risikoreichen Investments, oft mit negativem Ausgang für unsere Finanzen.“ Zudem werden Verlustbringer in der Korrekturphase meist zu spät verkauft, weil sie ausgeblendet werden. Wichtig gerade zum Jahresende: Verluste können mit Gewinnen, die in einem Kalenderjahr durch Wertpapiergeschäfte erzielt werden, steuerlich gegenverrechnet werden. Damit lässt sich auch bei der 27,5-prozentigen Kapitalertragssteuer sparen.

„Niederlagen, egal in welchem Lebensbereich, schmerzen. Wenn wir diese erzählen, erleben wir den Schmerz erneut.“
 

Birgit Bruckner, Börsenpsychologin

5. Auch in der Geldanlage sind die Sirenen gefährlich

Wenn Börsengurus oder auch soziale Netzwerke Unternehmen oder auch bestimmte Kryptowährungen aus nicht immer nachvollziehbaren Gründen abfeiern, dann entsteht eine nicht zu unterschätzende Sogwirkung. Wie der Gesang der Sirenen werden Anleger angelockt und dazu verführt, zu investieren.

Das Phänomen der sogenannten Meme-Aktien ist besonders während der COVID-19-Pandemie der letzte Schrei gewesen und viele Anleger haben mit Papieren wie Game-Stopp, AMC oder Palantier viel Geld verloren. Grund: Hinter diesem Gemunkel in den Sozialen Netzwerken stecken meist Initiatoren, die sich bereits zu einem sehr niedrigen Kurs mit Aktien des jeweiligen Unternehmens eingedeckt haben. Lohnt sich der Ausstieg für die Initiatoren, sind sie weg. Wer bei den Meme-Aktien dann nicht schnell genug abspringt, zahlt die Zeche.

6. Es gibt bei der Geldanlage Unterschiede zwischen Männern und Frauen

In vielen Studien wurde bereits belegt, dass Frauen in der Geldanlage zu einer besseren Risikobewertung neigen und langfristig eine höhere Rendite erzielen. „Ein Teil der Erklärung ist, dass Männer allgemein zu einem risiko-freudigeren Verhalten neigen“, so Bruckner: Als Ursache dafür wird immer wieder ins Treffen geführt, dass das Steinzeithirn des Mannes auf Jagd und Risiko programmiert ist und jenes der Frau auf Aufzucht und Sammeln. Das bedeutet: Männer sind risikofreudiger, Frauen dagegen bedächtiger.

Stephan Scoppetta

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