Chronik | Wien 09.02.2018

Zwei Tote: Tochter lehnte Behandlung ab

Die Leichen wurden in diesem Haus in der Rußbergstraße gefunden. © Bild: Daniel Melcher

Mutter und Tochter tot aufgefunden, der Hintergrund ist noch unklar. 15-Jährige war psychisch krank.

Dieser Fall stellt die Ermittler vor ein Rätsel: Am Mittwoch wandte sich Sahabettin G. an die Polizei, weil er schon seit längerer Zeit nichts mehr von seiner 45-jährigen Ex-Frau und seiner Stieftochter gehört hatte. In Gegenwart von Polizisten wurde die Wohnung in der Rußbergstraße in Floridsdorf geöffnet, dort fand man die Leichen von Fatma G. (45) und ihrer Tochter Tuba Ö. (15). Das Landeskriminalamt Wien nahm die Ermittlungen auf.

"Es wurden keine äußerlichen Verletzungen festgestellt. Nach derzeitigem Stand gehen wir von keinem Fremdverschulden aus", sagt Polizeisprecherin Irina Steirer.

Zwei Leichen
Zwei Leichen © Bild: Daniel Melcher

Auch die Obduktion der Toten brachte keine anderen Erkenntnisse. Klar ist, dass die Leichen bereits stark verwest waren und mehrere Wochen in der Wohnung lagen. Die 45- und die 15-Jährige wurden in verschiedenen Räumen aufgefunden. Ein gemeinsamer Selbstmord wird ebenso wenig ausgeschlossen wie eine Krankheit, etwa eine Gehirnhautentzündung.

Zweiter Polizeieinsatz

Die Nachbarn in dem Gemeindebau können sich auf die Familientragödie keinen Reim machen. Keiner der Bewohner hatte in den vergangenen Wochen einen auffälligen Geruch wahrgenommen.

Es war nicht der erste Einsatz der Exekutive an dieser Wohnadresse: Im September suchten die Beamten bereits nach Fatma und Tuba. "Fatmas Schwester hatte sich große Sorgen gemacht, weil sie sie nicht erreichen konnte, und hatte die Polizei verständigt", sagt Nachbarin Gertrude R. (80) zum KURIER. Laut Polizei öffneten die beiden erst nach mehrmaligen Anläuten die Tür.

"Man hörte immer wieder Schreie, es hat sich wie Kämpfe angehört", erzählt R. Das letzte Lebenszeichen habe sie vor Silvester wahrgenommen. Tuba sei einmal zu ihr gekommen und hätte gefragt: "Haben sie gestern den Kampf zwischen meinem Stiefvater und meiner Mutter gehört? Es gab so viel Blut."

Eine ähnliche Geschichte tischte die nicht mehr schulpflichtige 15-Jährige dem Jugendamt auf, das die Familie betreute – und das, obwohl Stiefvater Sahabettin G. gar nicht mehr bei ihnen wohnte.Das Mädchen dürfte psychisch krank gewesen sein, es habe immer wieder Probleme gegeben. Der Stiefvater zog bereits vor Monaten aus und ließ sich scheiden.

Weil es immer wieder zu Problemen kam, wurde vor mehr als einem Jahr die Obsorge für das gemeinsame Kind (Tubas dreijährige Halbschwester) Sahabettin zugesprochen. Von der MA11 heißt es, dass der Stiefvater am Mittwoch die Polizei verständigte, weil sich das Jugendamt an ihn gewandt hatte.

"Weil wir schon länger nichts mehr von der Familie gehört hatten", sagt Behördensprecherin Herta Staffa. Die 15-Jährige soll ein äußerst schwieriger Fall gewesen sein. "Sie verweigerte die Kooperation mit uns; hat alles abgelehnt, auch eine psychiatrische Behandlung." Außerdem soll Tuba Ö. – vor allem gegenüber ihrer Mutter– immer wieder den Ton angegeben haben.

( kurier.at ) Erstellt am 09.02.2018