Zwei Tote in wenigen Stunden: Was ist da am Sonntag in der Alten Donau passiert?
12.500 Menschen besuchten am Sonntag Wiens größtes Freibad. Viele davon dürften von der Tragödie, die sich in den Nachmittagsstunden am Oststrand des Gänsehäufel abspielte, nichts mitbekommen haben. Und dennoch markiert der Sonntag einen der schwärzesten Tage in der Geschichte des legendären Freibades.
Innerhalb von nur drei Stunden ertranken dort, nur wenige Meter voneinander entfernt, zwei Männer.
Um kurz nach 16 Uhr musste erstmals Alarm ausgelöst werden. Ein 39-jähriger Mann war vor den Augen seiner beiden Kinder untergegangen. „Die Kollegen waren sofort vor Ort“, sagt Martin Kotinsky, Sprecher der Wiener Bäder, zum KURIER. Zu zwölft suchten die Bademeister den verunglückten Familienvater. Vergebens. Erst Taucher der Feuerwehr konnten den 39-Jährigen schließlich bergen. „Da war er aber schon 20 Minuten unter Wasser.“ Zu lange für Reanimationsversuche. Als erschwerend bei der Suche habe sich dabei das trübe Wasser der Alten Donau herausgestellt, sagt Kotinsky. „Das geht dann fast nur mit Tauchern.“
Von Boot gestürzt
Drei Stunden später dann ein ähnliches Bild. Wenige Meter vom Schwimmbereich des Gänsehäufels entfernt, stürzte ein 23-Jähriger von einem Leihboot in die Alte Donau. Auch hier waren die Bademeister des angrenzenden Gänsehäufels zur Stelle, versuchten gemeinsam mit Augenzeugen, den Mann zurück ins Boot zu hieven. Dieser habe sich im Wasser jedoch stark verkrampft und sei den Helfern entglitten, schildert Kotinsky die dramatische Szene. Auch das zweite Opfer an diesem Sonntag konnte letztlich nur durch einen Tauchereinsatz geborgen werden.
27 Menschen starben im vergangenen Jahr in Österreichs Seen und Bädern, heißt es auf KURIER-Nachfrage beim Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), das jedes Jahr eine eigene „Schwimmstudie“ veröffentlicht. Drei davon waren Kinder unter 14 Jahren. Ein glimpfliches Jahr. Im Zehnjahresschnitt ertrinken in Österreich 42 Menschen. Schon rein statistisch komme es alle drei bis fünf Jahre auch zu einem Todesfall in den Wiener Bädern, sagt Sprecher Kotinsky. So einen Tag wie den Sonntag „kann man also nie ganz verhindern“.
Dass die hohe Besucherzahl von 12.500 Gästen eine Rolle gespielt hat, glaubt Kotinsky nicht. Er macht vielmehr auf ein anderes Phänomen aufmerksam: „Die Erfahrung ist leider, dass bei den ersten Hitzewellen meist deutlich mehr passiert als später im Sommer.“ Viele Badegäste seien noch nicht an die hohen Temperaturen gewöhnt. Außerdem sei der Unterschied zwischen hohen Außentemperaturen und noch vergleichsweise kühlen Wassertemperaturen noch besonders hoch. „Meist ist es dann eine Herz-Kreislaufschwäche, die den Schwimmern zum Verhängnis wird.“
Warum kommt es immer wieder zu Badeunfällen bei vermeintlich gesunden Menschen? „Bei großer Hitze sind die Blutgefäße weit gestellt, das Blut verteilt sich im ganzen Körper, der Blutdruck ist niedrig“, sagt Herzspezialist Lukas Fiedler. „Beim Sprung ins kalte Wasser ziehen sich die Blutgefäße dann schlagartig zusammen.“ Die Folge: Das Herz bekommt plötzlich viel mehr Blut zurück und muss dieses größere Volumen gegen die nun engen Gefäße pumpen. „Eine doppelte Belastung in Sekundenbruchteilen.“
Kränkere, ältere Patienten sind besonders gefährdet, aber auch junge Erwachsene, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: Alkohol oder Rauchen sind Risikofaktoren.
Fiedler rät, auf Warnsignale zu achten, bevor man ins Wasser geht. „Hat man Kopfschmerzen oder fühlt sich nicht gut, sollte man nicht ins Wasser gehen.“ Bevor man ins Wasser geht, sollte man die Beine kalt abduschen, den Körper an die Wassertemperatur anpassen. Wenn man im Wasser in Not gerät, ist schnelles, aber besonnenes Handeln wichtig.
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