Chronik | Wien
24.10.2017

Wien: Wohnung unter der Brücke geräumt

Anrainer beschwerten sich. Stadt musste die Unterkunft des Obdachlosen auflösen.

Robert hatte sich unter einer Autobahnbrücke – am Rande einer Kleingartensiedlung – eine kleine Wohnung mit Dingen, die er auf der Straße gefunden hatte, aufgebaut. Gelb und rosa hat er den Brückensteher angemalt, Bilder und Uhren daran aufgehängt. Zwei Sofas und ein Tisch waren das Zentrum seines kleinen Reichs. Mit Marienstatuen, Figürchen, Plastikblumen und einem Spiegel sorgte er für Gemütlichkeit. Neben seiner Wohnfläche pflanzte er Buchsbäume und hegte sie ebenso akribisch wie seine Nachbarn, die Kleingärtner.

Robert hatte hier viele Freunde, die ihm in kalten Nächten heißen Tee vorbeibrachten und wo er sich ab und zu auch mal duschen durfte. Der 59-jährige Obdachlose hatte aber nicht nur Freunde, wie sich jetzt herausstellte. Manche Anrainer sollen sich über ihn beschwert haben, weshalb die Stadt Wien eingreifen musste.

Als Robert am vergangenen Freitag wieder von seinem Taglöhner-Dienst als Straßenkehrer zurückkam, war all sein Hab und Gut verschwunden, sogar die Buchsbäume waren ausgerissen worden. "Als ich hinkam, saß er wie ein Häufchen Elend auf einem Stein und war verzweifelt, dass alles weg war", erzählt eine Pensionistin, die ihm öfter Kaffee und Kuchen vorbeigebracht hat.

Habseligkeiten in Depot

"Als die ersten Beschwerden kamen, haben wir das Gespräch mit ihm gesucht und ihn aufgefordert, seine Sachen selbst zu räumen", sagt Horst Lassnig, Sprecher der Stadt Wien. Der Hauptbeschwerdepunkt sei die mangelnde Hygiene gewesen. Andere Anrainer hatten gerade die Sauberkeit von Robert gelobt. "Er schaut immer, dass auch das Gebiet rund um ihn sauber ist", sagte ein Anrainer bei einem Lokalaugenschein im September. "Wir haben ihm auch eine Unterkunft angeboten, aber das hat ihn nicht interessiert", sagt Lassnig weiter. Robert mag die öffentlichen Unterkünfte nicht und hat auch im vergangenen Winter nur so wenig Zeit wie möglich dort verbracht, "weil es dort immer stinkt und gefladert wird."

Schließlich soll ihm der 15. Oktober als Frist gesetzt worden sein. Bis dahin sollte er alles geräumt haben. Robert meint aber, dass ihn niemand verständigt hat. "Als die Räumung stattgefunden hat, haben wir den Obdachlosen nicht angetroffen. Seine Habseligkeiten sind nun in einem Depot in Simmering, wo er sie abholen kann", sagt Lassnig.