Neben öffentlicher Anbindung mit zwei U-Bahn-Stationen,  Buslinien aus allen Himmelsrichtungen und künftig auch einer Straßenbahn gibt es zahlreiche Mobilitätsangebote in der Seestadt Aspern.
 

© Wohnservice Wien/Schedl Ludwig

Chronik Wien WohnKURIER
05/05/2019

Ganze Grätzel verzichten aufs Auto

Mobilitätskonzept 2.0.: Die Art der Fortbewegung ändert sich. Dem wird auch im Wohnbau Rechnung getragen.

Der geförderte Wohnbau hat in Wien den Anspruch, neben qualitativ hochwertigem und kostengünstigem Wohnen auch ökologisch wertvollen Wohnraum für die Bewohner zu schaffen. Dabei spielen Konzepte zur besseren Mobilität eine tragende Rolle, um neue Stadtgebiete mit dem bereits bestehenden Verkehrsnetz zu verknüpfen und Mobilitätsangebote für die Wiener bereitzustellen. Ein breites Angebot an Fortbewegungsmöglichkeiten ist im Mobilitätskonzept essenziell, damit tägliche Wege wie das Einkaufen oder Abholen der Kinder stressfrei und bequem erledigt werden können.

Ort der Begegnung

Da die Einwohnerzahl in Wien steigt, nimmt auch der Autoverkehr stetig zu und belastet in weiterer Folge das Stadtklima. Trotzdem geht der Trend zum eigenen Auto in Wien zurück. Um den Umstieg vom eigenen Kfz auf alternative Fortbewegungsmitteln zu erleichtern bzw. zu fördern, werden wienweit Mobilitätsangebote ausgebaut und neu implementiert. Immer mehr geförderte Wohnanlagen passen ihr Mobilitätskonzept der Umwelt und auch den autofreien Wohngebieten an. Das Stadtentwicklungsgebiet „Neu Leopold“ ist eine dieser Wohnanlagen, wo der Pkw zur Ausnahme werden soll. Auf dem 13,5 Hektar großen Areal des ehemaligen Gaswerks in Floridsdorf entstehen derzeit zirka 1.400 Wohnungen – Parkplätze wird es aber nur wenige geben und die werden sich am Rande der Siedlung befinden. Grund dafür ist, dass „Neu Leopold“ ein Ort der Begegnung sein soll, der viel Raum zum Spielen und Zusammenkommen bietet. Aus diesem Grund und zum Schutz der Kinder wird auf Autos so weit wie möglich verzichtet.

Damit die Bewohner trotzdem mobil sein können, soll eine mobile App namens „LeoMobil“ Abhilfe schaffen. Diese soll eine digitale Plattform zum gegenseitigen Austausch sein, aber auch zum gemeinschaftlichen Mobilitätsangebot beitragen. Bewohner werden so beispielsweise über Parkplätze informiert. Zudem ermöglicht die App das Reservieren und Buchen von Car-Sharing oder Gemeinschaftsanhängern. Einige Neubauprojekte gehen außerdem gezielt auf die Bedürfnisse von Radfahrern ein. So entstehen im Zuge des Projekts Carrée Atzgersdorf in Liesing schon bald 422 Fahrradabstellplätze inklusive einer Fahrradwerkstätte. In dieser Werkstatt können Bewohner ihren Drahtesel servicieren und reparieren.

Wer nicht weiß, wie man am besten sein Fahrrad serviciert, kann das nötige Know-how in angeleiteten Workshops erlernen. Dadurch wird nicht nur das Fahrrad auf Vordermann gebracht. Auch das Miteinander in der Gemeinschaft profitiert von dem gemeinsamen Schrauben am Rad.

Straße fair teilen

Auch in der Seestadt Aspern hat umweltfreundlicher Straßenverkehr einen hohen Stellenwert. So ist die Seestadt eines der größten Stadtentwicklungsgebiete Europas und soll bis 2028 mehr als 20.000 Menschen beherbergen – mit fast ebenso vielen Arbeitsplätzen. Auf dem Fundament von innovativen Konzepten wächst so in mehreren Etappen ein nachhaltiger Stadtteil, der hohe Lebensqualität mit dynamischer Wirtschaftskraft verbindet.

Als „Stadt der kurzen Wege“ positioniert sich die Seestadt als Vorreiterin in Sachen Mobilität. Unter dem Motto „Straße fair teilen“ wurde ein innovatives Mobilitätskonzept entworfen, sodass jeder Verkehrsteilnehmer – egal, ob Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger – sicher und schnell an sein Ziel gelangen kann. Insgesamt sollen so 40 Prozent der Wege mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden, 40 Prozent mit dem öffentlichen Verkehr und rund 20 Prozent mit dem Autoverkehr – so lautet der Mobilitätsplan der Seestadt (Modal Split). Umgesetzt wird dies mit einer Verringerung der Autostellplätze und mit Sammelgaragen. Dadurch kann Platz für Radwege und Radabstellsysteme im öffentlichen Raum geschaffen werden. Zudem sorgen die erweiterte U-Bahnlinie U2, Straßenbahn- und Busverbindungen sowie Schnellbahn und künftig auch die modernisierte ÖBB-Verbindung nach Bratislava für eine optimale Vernetzung. Insgesamt sieben Buslinien halten dabei in der Seestadt Aspern und können so die Bewohner an Destinationen in der Donaustadt sowie im regionalen Umland bringen. Dadurch wird es den Seestädtern leicht gemacht, kurze Strecken umweltschonend zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen.

Zur Abrundung des Mobilitätsangebots gibt es in der Seestadt außerdem einen Verleih, der E-Bikes und auch Lastenfahrräder für größere Besorgungen oder Ausflüge rund um das Gebiet anbietet.