Wolfganggasse in Meidling

© Stadt Wien/OLN

Chronik Wien WOHNKURIER
11/03/2019

Förderung: Frauen im Zentrum der Wohnpolitik

Geringes Einkommen, alleinerziehend – das ist eine besonders schwierige Situation.

Als die Wiener Stadträtin Kathrin Gaál (SPÖ) 2018 angelobt wurde und die Ressorts Wohnen und Frauen übernahm, fragte sich mancher: Wie passen diese Themenblöcke zusammen? Studien und laufende Projekte zeigen: gut. Sehr gut sogar, wie die Stadträtin zeigt.

„Die Stadt Wien steht für leistbares Wohnen und davon profitieren vor allem Frauen“, sagte Gaál vor Kurzem bei der Eröffnung der Enquete „Frauen Wohnen Wien“. Einer Veranstaltung, bei der sich Experten zu diesem Thema austauschen konnten. Einigkeit herrschte über die große Bedeutung der Wohnbauförderung für Frauen.

Geringeres Einkommen

Am Wohnungsmarkt spiegeln sich gesellschaftliche Strukturen wider, Rollenbilder sind sehr eng damit verknüpft. Frauen haben daher eine spezielle Ausgangssituation.

Dass Frauen nach wie vor ein geringeres Einkommen als Männer haben, macht die bestehende Ungleichheit deutlich. 2017 war das Bruttojahreseinkommen von Frauen 37 Prozent geringer als jenes von Männern, erhob die Statistik Austria.

Michael Wagner-Pinter, Synthesis Forschung

„Frauen sind kein Spezialthema der Wohnpolitik, sondern ein Kernthema.“ 

Kathrin Gaal, Wohnbaustadträtin Wien

„Es braucht mehr Interesse und mehr Vorbilder, um noch mehr Rollenbilder aufzubrechen."

Sarah Zeller, Gründerin des Vereins "Juno"

„Mit sinkendem Einkommen nimmt auch die Zufriedenheit mit der Wohnsituation ab.“

Der „Equal Pay Day“ (Tag für die Entgeltgleichheit) markiert den Tag, an dem Männer bereits so viel verdient haben wie Frauen bis Jahresende verdienen werden. Heuer war es in Österreich am 21. Oktober soweit. Die Architektin Gabu Heindl unterstreicht diese strukturelle Ungleichheit: „Ab dem 21. Oktober arbeiten Frauen nicht nur umsonst, sie wohnen dann auch nicht mehr.“ Soll heißen: Es fehlt ihnen das Geld für die Miete.

"Frauen sind kein Spezialthema"

Eine weitere Herausforderung für Frauen ist oftmals die Familiensituation. Denn Haushalte mit Alleinerziehenden sind überwiegend weiblich. Erhebungen der Statistik Austria zeigen: 2018 gab es 242.000 Mütter in Ein-Eltern-Haushalten, aber nur 46.000 Väter in Ein-Eltern-Haushalten. Und: Frauen wohnen häufiger alleine: 2018 lebten 792.000 Frauen in Einpersonenhaushalten, jedoch nur 664.000 Männer. Michael Wagner-Pinter vom Institut „Synthesis Forschung“ fasst zusammen: „Frauen sind kein Spezialthema der Wohnpolitik, sondern ein Kernthema.“

Das Einkommen ist zwar ein Faktor, der vom Wohnbau nicht bestimmt werden kann – aber für das Wohnen ausschlaggebend ist. Eine aktuelle Studie bestätigt: mit sinkendem Einkommen nimmt auch die Zufriedenheit mit der Wohnung ab. Sarah Zeller, eine der Studienautorinnen, bestätigt: „Es gibt einen ganz klaren Zusammenhang zwischen dem Einkommen und der Zufriedenheit mit der Wohnsituation.“

Die Studie „Wohnsituation und Bedürfnisse von Alleinerziehenden in Wien“ wiederum zeigt auch: Alleinerziehende geben tendenziell einen viel größeren Anteil ihres Einkommens für das Wohnen aus, als Experten empfehlen.

Förderung ist notwendig

Frauen verdienen also weniger und befinden sich häufiger in sozial herausfordernden Situationen. Leistbares Wohnen ist für viele demnach eine Existenzfrage.

„Wohnbau ist etwas, das politische Willensbildung braucht und sich nicht einfach ergibt“, betont Michael Wagner-Pinter. Der Fortschritt im Prozess der gesellschaftlichen Gleichberechtigung ist also in entscheidendem Maß abhängig davon, dass Frauen beim Wohnen unterstützt werden. Die Zahlen machen deutlich: Um eine Gleichstellung zu erreichen, ist finanzielle Unterstützung eine Voraussetzung.

Projekt Wolfganggasse

Die Politik ist also gefragt – und sie greife auch durch. In Wien noch deutlicher als in anderen europäischen Städten. In Meidling rund um die ehemalige Remise in der Wolfganggasse entsteht aktuell ein Quartier mit insgesamt 850 geförderten Wohnungen. Das Bauprojekt vereint geförderte Wohnungen, die speziell auf die Alltagsbedürfnisse Alleinerziehender abgestimmt sind, geförderte Mietwohnungen und Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderung.

Wohnen bedeutet in diesem Kontext aber auch die Bereitstellung von Infrastruktur, um Alleinerziehenden mehr Eigenständigkeit im Alltag bieten zu können. Ein Kindergarten, Lehrlingswerkstätten, ein Lehrlingswohnheim, Bildungseinrichtungen, Supermärkte, Gastronomieangebote und ein Pflegewohnhaus mit stationärem und mobilem Angebot kommen daher ebenfalls unter.

Leben in Gemeinschaft

Nicht nur die Stadt hilft in diesem Bereich. Auch Vereine wie die „Frauenwohnprojekte ro*sa“ bieten günstigen Wohnraum – und vor allem eine Gemeinschaft für Frauen. Der Grundsatz von ro*sa: die Frauen selbst sollen im Mietvertrag stehen. Häuser hat der Verein in Meidling, in der Donaustadt und in Simmering. Ein weiterer Ansprechpartner für Menschen, die Unterstützung suchen, ist Juno, ein Zentrum für Getrennt- und Alleinerziehende in Favoriten. Der Verein bietet Beratung und gemeinschaftlichen Wohnraum für Alleinerziehende.

Wenige Frauen im Bau

Ein Problem für Frauen ist nicht nur, eine leistbare Wohnung zu finden. Sondern auch, dass sie eine finden, die zu ihrer Lebenssituation passt. Denn: Wohnraum war bisher stark auf männliche Bedürfnisse ausgerichtet, weil die Wohnwirtschaft männlich dominiert ist. Das Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen hat erhoben, dass der Frauenanteil in der österreichischen Architekturbranche bei 20 Prozent liegt. Auf der Führungsebene österreichischer Bauunternehmen liegt der Frauenanteil bei unter sechs Prozent.

Leistbar: 850 geförderte Wohnungen und Wohnungen für Menschen in Not entstehen bis 2022. 

Betreuung: Ein Kindergarten im Haus vereinfacht den Alltag für Alleinerziehende. 

Einkaufen: Geschäfte und Lokale im Komplex bieten kurze Versorgungswege. 

Gesellschaft: Eine Dachterrasse zum Garteln und Gemeinschaftsräume schaffen Platz zum Austausch.

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