© Pichler Traupmann Architekten

Chronik Wien WohnKURIER
09/01/2019

Ein (Daten-) Gebäude auf vier Säulen

Vielfalt als Standard. Die Sozialbau AG setzt im Wiener Großprojekt Berresgasse neue Maßstäbe im seriellen Bau.

Warum Vielfalt im Wohnbau mit serieller Bauweise in keinem Widerspruch steht? Das zeigt ein neues Wohnbauprojekt im 22. Wiener Gemeindebezirk. Im Stadterweiterungsgebiet Berresgasse sollen bis zum Jahr 2022 rund 3000 geförderte Wohnungen realisiert werden. 730 davon werden von den Bauträgern Sozialbau AG, EGW Heimstätte und Heimat Österreich auf dem Bearbeitungsgebiet 6 errichtet. Die neue Idee dahinter: Innovative Standardisierungsprozesse, von der Planung über die Herstellung bis hin zur Bewirtschaftung, schildert Hannes Stangl, Technik-Direktor der Sozialbau AG: „Wir sind davon überzeugt, dass der richtige Weg, in Zukunft leistbar zu bauen, eine Kombination aus vorgefertigten und flexiblen Bauelementen ist. Die Kunst dabei ist es, diese Anforderungen mit gestalterischer Vielfalt zu kombinieren.“

Wie das umgesetzt wurde, erklärt Architekt Johann Traupmann: „Die Grundrisse haben wir im Stil einer Mittelmauer-Bauweise geplant. Der Bautypus ermöglicht ein Tragsystem mit einem Achsmaß von 5,10 Meter – von der Tiefgarage über alle Geschoße hinauf. Elementdecken aus Fertigteilen überspannen sämtliche Räume. Die tragenden Außenwände werden mit vorgefertigten Sandwich-Elementen bestückt.“ Trotzdem sind die verschiedenen Stile der beteiligten Architektenbüros an den Fassaden deutlich erkennbar, etwa die markante Wabenstruktur. Arkaden entlang der Blockränder verbinden drei Architekturen zu einer städtebaulichen Einheit.

Die neue BIM-Strategie

„Für die Einführung von Building Information Modelling (BIM) in unserem Unternehmen haben wir uns klare Ziele gesetzt,“ erläutert Hannes Stangl: „Wir wollen nicht alles was BIM kann, sondern selbst die Anforderungen definieren und das aus Sicht eines Bauträgers, der Gebäude auf Dauer in seinem Bestand hält.“ Die speziell für den Wohnbau entwickelten „Auftraggeber-Informations-Anforderungen“ (AIA) wurden in Workshops mit Sozialbau-Mitarbeitern aus Planung, Technik, Hausverwaltung, IT und Sanierung entwickelt. Die daraus entstandene BIM-Strategie beruht auf vier Säulen: Frühzeitige Kalkulationssicherheit, die Betrachtung der Lebenszykluskosten, Datenverwaltung für Baustellenlogistik und Optimierung der Bewirtschaftung. Die Sicherheit im Kostengefüge ist dabei ein zentraler Vorteil, schildert Hannes Stangl: „Wir wollten von Beginn an durch Kennwerte und bauteilbezogene Kalkulationsansätze die Herstellungskosten prüfen können. Nach den stetig steigenden Baupreisen sind wir aufgefordert, neue Wege zu finden, um weiterhin leistbaren Wohnbau realisieren zu können. Innovative Standardisierungsprozesse sind dafür die richtige Wahl.“

www.sozialbau.at