„Auf den Trend zur kleineren Wohnung wird Rücksicht genommen“, schildert Peter Neundlinger, Geschäftsführer von Wohnservice Wien.

© Kurier/Gilbert Novy

Interview
10/06/2019

„Die Konflikte sind zurückgegangen“

Wohnservice Wien-Geschäftsführer Neundlinger über Projekte zum Thema generationenübergreifendes Wohnen.

Zahlreiche Projekte sollen in Wien das Zusammenleben von jüngeren und älteren Menschen besser machen.

KURIER: Welche Maßnahmen werden aktuell in Wien gesetzt, um generationenübergreifendes Wohnen zu ermöglichen?

Peter Neundlinger: Es geht darum, dass die Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Lebensumgebung bleiben können. Dafür gibt es verschiedene Ansätze: Projekte etwa, die ein Zusammenleben der älteren Menschen mit ihren jungen Familienmitgliedern ermöglichen, damit sie sich gegenseitig unterstützen können. Oder Wohngemeinschaften für ältere Menschen, aber auch betreutes Wohnen. Aktuell haben wir rund 20 solcher Planungsprojekte, Details bekommen Interessierte bei der Wohnberatung.

Wird wegen der wachsenden Zahl von älteren alleinstehenden Menschen künftig der Bedarf an kleineren Wohnungen steigen?

Das ist der Fall, betrifft aber auch die jüngere Generation. Auf den Trend zur kleineren Wohnung wird Rücksicht genommen. Etwa mit dem Programm für ältere Gemeindebau-Bewohner, die auf Wunsch in eine neuere, kleinere Wohnung wechseln können. Um die Mehrkosten auszugleichen, gibt es Förderprogramme.

Wenn Generationen zusammenleben, kann es auch zu Konflikten kommen. Was sind die häufigsten Probleme, die im Gemeindebau auftreten? Meistens geht es um Lärmbelästigung und unterschiedliche Kulturen, die aufeinandertreffen. Hier setzen unsere Wohnpartner an. Einerseits geht es um Konfliktarbeit: Gibt es etwa ein Lärmproblem, wird gemeinsam mit den Parteien versucht, Regeln festzulegen, mit der alle Seiten leben können. Dann gibt es noch die sogenannte Gemeinwesenarbeit, etwa mit dem Projekt Willkommen Nachbar: Ehrenamtliche gehen zu neuen Mietern, heißen sie willkommen und erklären ihnen das Umfeld und die Hausordnung. Die Gemeinwesenarbeit trägt Früchte: Die Konflikte sind in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.

Zu den Aufgaben von Wohnservice Wien gehört auch die Mieterhilfe. Was sind die häufigsten Probleme, die dort vorgetragen werden?

Mitte des Jahres sind die Betriebskosten-Abrechnungen, die jeweils bis Ende Juni erstellt sein müssen, das Hauptthema. Im Winter der Schimmel. Außerdem landen bei der Mieterhilfe viele Themen, die vor allem rechtliche Fragen betreffen, etwa die Prüfung von Mietverträgen. Wir unterstützen aber auch Mieter, die in Spekulationsobjekten wohnen, die von Vermietern hinausgedrängt werden sollen. Zum Glück sind das nur mehr Einzelfälle. Die Mieterhilfe berät auch in Fällen, in denen eine zu hohe Miete verrechnet wird. Wie sieht hier die Bilanz aus?

Vier von fünf Mieten im Altbau sind deutlich zu hoch, ergab eine Schwerpunkt-Aktion Anfang des Jahres. Durch die Beratung der Mieterhilfe ersparen sich Mieter im Altbau im Schnitt monatlich rund 210 Euro bzw. 3,50 Euro/m². Bei Verfahren, die an die Schlichtungsstelle weitergegeben werden, liegt der Wert bei vier Euro/m².

Seit einigen Jahren gilt im Gemeindebau und im geförderten Segment der sogenannte Wien-Bonus. Angestammte Wiener werden bei der Vergabe bevorzugt. Wie hat sich das bewährt?

Pro jeweils fünf Jahre, die man in Wien hauptgemeldet ist, wird man auf der Warteliste mit dem Wiener Wohn-Ticket um drei Monate (maximal neun Monate) vorgereiht. Dieses System hat sich bewährt: Rund 70 Prozent der Wohnungssuchenden profitieren davon.

Welche Maßnahmen in der Wohnbau-Politik wünschen Sie sich von der kommenden Bundesregierung?

Am allermeisten wünsche ich mir, dass nicht ständig auf Wien hingehaut wird, nur weil wir so ein gutes System haben. Beim Thema leistbares Wohnen wünsche ich mir eine einheitliche Regelung für ganz Österreich. Also ein Universalmietrecht auf Bundesebene, damit es die unterschiedlichsten Mietbemessungen nicht mehr gibt. Einfach, damit Wohnungssuchende eine Vergleichsmöglichkeit haben. Ein weiterer Punkt: Anders als andere Bundesländer hat Wien die Wohnbauförderung immer zweckgebunden eingesetzt, obwohl die Verpflichtung dazu abgeschafft wurde. Diese sollte bundesweit wieder eingeführt werden.

  • Struktur

Die Wohnservice Wien GmbH ist zu 45 Prozent im Eigentum der Stadt Wien und zu 55 Prozent in jenem des Wohnfonds Wien. 2015 wurden unter diesem Dach die verschiedenen städtischen Serviceleistungen rund um den kommunalen Wohnbau zusammengefasst.

  • Aufgaben

Wohnberatung Wien (Informationen über das städtische Wohnangebot und Förderungen), Mieterhilfe (Unterstützung bei Wohnproblemen, zum Beispiel zu hohe Mieten), Wohnpartner (sorgen für ein gutes Zusammenleben in städtischen Wohnhausanlagen).

 

Die Wohnberatung und die MieterHilfe touren durch Wien

Das Wohnservice Wien bietet mit der MieterHilfe und der Wohnberatung Wien ein neues, kostenloses vor Ort Serviceangebot. Alle Fragen zum Thema Wohnen werden von einem mobilen Beratungsteam beantwortet. Die Beratungstour startete am 20. September und fährt  durch sieben Bezirke in ganz Wien.

  • Soziales Wohnen

Über die Wohnberatung Wien erhalten Wohnungssuchende alle Informationen zum geförderten und sozialen Wohnbau der Stadt Wien. Von der Gemeindewohnung bis zur geförderten Wohnungen, inklusive Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten. Die MieterHilfe ist eine kostenlose Serviceeinrichtung, die allen Wienerinnen und Wienern bei Fragen zu Wohn- und Mietrecht unterstützt. Etwa bei überhöhten Mieten, Betriebskostenabrechnungen oder Problemen mit dem Mietvertrag.
Wohnberatung Wien und MieterHilfe haben ihren Sitz im Wohnkompetenzzentrum in der Guglgasse beim Gasometer. Dort werden die Mieter umfassend und kompetent beraten.

  • Beratungsbus

Jetzt neu ist das zusätzliche Angebot von Beratung vor Ort. In insgesamt sieben Bezirken werden die Experten von Wohnberatung Wien und MieterHilfe allen Interessierten zur Verfügung stehen.  Mit einem eigenen Beratungsbus, der an zentralen Plätzen in sieben Bezirken Halt macht, ist das Expertenteam unterwegs.

Beratungszeit ist jeweils von 13 bis 19 Uhr. Fragen wie: „Wie komme ich zu einem Wiener Wohn-Ticket? Wo entstehen in meinem Bezirk neue Wohnprojekte? Was muss ich bei einem Umzug beachten? Ist meine Miete zu hoch?“, werden vor Ort beantwortet.

Die Aktion machte seit 20. September bereits in Favoriten, Floridsdorf, Simmering und Liesing Station. Im Laufe der aktuellen Tour gibt es noch drei Termine:

  1. Mittwoch, 9. 10.:  Donaustadt, Donau Zentrum.
  2. Mittwoch, 16. 10.: Mariahilf, Kurt-Pint-Platz.
  3. Mittwoch 23. 10.: Landstraße, Fasanplatz.
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