Chronik | Wien
19.08.2018

„Wir fahren zu den ärgsten Einsätzen“

16 Sanitäter sind bei der Berufsrettung als Field Supervisor tätig. Sie rücken 3000-mal im Jahr aus.

Bei Michael Maredas Einsätzen geht es fast immer um Leben und Tod. Der Wiener ist als sogenannter Field Supervisor – kurz FiSu – für die Berufsrettung Wien unterwegs. Wird er alarmiert, geht die Leitstelle davon aus, dass der Notfall lebensbedrohlich ist.

Das System des FiSu wird seit 2011 zur Qualitätssicherung eingesetzt und ist im deutschsprachigen Raum einzigartig. Durchschnittlich rücken Michael Mareda und seine 15 Kollegen 3000-mal pro Jahr aus. „Im Sinne des Qualitätsmanagements halte ich mich bei den Einsätzen im Hintergrund. Wenn ich aber sehe, dass etwas nicht optimal läuft oder ich die Kollegen unterstützen kann, packe ich natürlich mit an“, sagt Mareda. Ist er der Erste am Einsatzort, dann ist es selbstverständlich er, der die notfallmedizinische Versorgung startet.

Als der KURIER mit dem FiSu unterwegs ist, kommt es gleich zu Beginn zu so einem Einsatz. In der Zentrale neben der Urania wird ein Notfall im Einkaufszentrum in der Landstraße gemeldet. Ein älterer Mann ist über Treppen gestürzt. Mit Blaulicht und Sirene geht es zum Patienten. Der hat eine mehrere Zentimeter lange Rissquetschwunde am Hinterkopf und blutet stark. Mareda kann mit dem Mann sprechen und erste Entwarnung geben. Nach wenigen Sekunden treffen die Kollegen des Rettungsteams ein und kümmern sich um den Verletzten.

„In so einem Fall werden wir verständigt, weil nicht klar ist, ob der Patient bei Bewusstsein ist“, sagt Mareda. Er ist seit 2006 im Rettungswesen tätig, seine Leidenschaft dazu hat der gelernte Automechaniker im Zivildienst entdeckt.

Gleichzeitig Lehrer

Seitdem hat er sich nach oben gearbeitet und lehrt mittlerweile an der Rettungsakademie. Das machen alle, die als FiSu arbeiten. „Als Lehrer kennen wir unsere Kollegen auf einer anderen Ebene. Wir wissen, was sie gelernt haben und können besser Feedback geben. Positives, aber auch Defizite können wir so in den Unterricht einfließen lassen. Außerdem haben wir mehrere Forschungskooperationen mit der MedUni Wien im AKH“, sagt Mareda.

Während des Gesprächs geht wieder der Alarm los. Diesmal ist der Zustand einer Frau am Opernring ungewiss. In der Wohnung angekommen, stellt sich schnell heraus, dass die Patientin wohl eine Panikattacke hatte. Sie wird von den Notfallsanitätern untersucht, will aber nicht ins Krankenhaus. Auf dem Weg in die Zentrale folgt gleich die nächste Alarmierung. „Bei dem heißen Wetter, haben wir immer mehr zu tun“, sagt Mareda. In einem Altersheim in Brigittenau ist eine ältere Frau zusammengebrochen. Jetzt muss alles schnell gehen. Beim Eintreffen des FiSu wird die Patientin bereits von Pflegern reanimiert. Auch der Notarzt und ein Rettungsteam kommen dazu. Bei Reanimationen geht es um jede Sekunde. Mit all den notfallmedizinischen Notwendigkeiten – Intubation, Medikamentengabe usw. – dauert sie manchmal sogar länger als 40 Minuten. An diesem Tag, kann die Patientin nicht mehr gerettet werden. Gleich nach der Reanimation gibt der FiSu dem Team ein Feedback zum Einsatz.

Prägende Erlebnisse

Für Michael Mareda sind solche Einsätze Tagesgeschäft. „Wir fahren hauptsächlich zu den ärgsten und schwierigsten Einsätzen, haben dementsprechend psychisch sicher die größte Belastung. Wenn uns ein Einsatz stark belastet, können wir den mit speziell ausgebildeten Peer-Kollegen aufarbeiten.“