WIGEV-Jahresbilanz: Jeder 10. Patient aus Niederösterreich
Rund jeder zehnte stationäre Patient in den Spitälern des Wiener Gesundsheitsverbundes (WIGEV) stammte im Vorjahr aus Niederösterreich. Diese Zahl sorgte in den vergangenen Monaten für Diskussionen zwischen den Bundesländern. Im Streit um die Gastpatienten geht es um die Frage, welche Rolle die Herkunft der Patienten bei der Behandlung spielt.
Im Jahr 2025 waren insgesamt über 24.000 Patientinnen und Patienten, die in den Kliniken Landstraße, Favoriten, Hietzing, Ottakring, Floridsdorf, Donaustadt oder dem AKH untergebracht waren, aus dem Nachbarbundesland. 86,1 Prozent der stationären Aufnahmen entfielen auf Wienerinnen und Wiener, wie bei der Jahresbilanz-Pressekonferenz am Mittwoch bekannt gegeben wurde.
Insgesamt gab es bei stationären Patienten einen leichten Anstieg von 243.607 auf 244.548 Aufnahmen.
Über 5 Millionen Ambulanzpatienten
Auch bei der ambulanten Versorgung zeichnet sich inmitten des Gastpatienten-Streits ein ähnliches Bild ab: Von insgesamt 5,2 Millionen ambulanten Kontakten stammten 82,6 Prozent der Patienten aus Wien und 13,2 Prozent aus Niederösterreich. Die Zahl der ambulanten Kontakte blieb insgesamt jedoch im Vergleich zum Vorjahr 2024 – ebenfalls 5,2 Millionen – stabil.
Finanzierung überholen
Die Stadt Wien zahle derzeit einen Zuschuss zur Deckung der Behandlungskosten: „Allein im Jahr 2025 belief sich das auf 1,5 Milliarden Euro“, so Generaldirektorin-Stellvertreter Herwig Wetzlinger am Mittwoch.
Zur Diskussion über die Finanzierung der Spitäler sprach sich Wetzlinger deshalb für eine vollständige Finanzierung der Leistungen aus. Im ewigen Streitthema Spitalsfinanzierung fordert der WIGEV deshalb eine einheitliche Abgeltung der Leistungen, das derzeitige Punkte-System aus den 1990ern sei längst überholt, so Wetzlinger. Jede Behandlungsleistung, unabhängig des Bundeslandes, müsse aber gleich viel wert sein – was derzeit nicht der Fall ist.
Als Voraussetzung dafür müssten die Behandlungskosten für jeden Patienten individuell erfasst werden. Der WIGEV setzte diesbezüglich bereits auf ein neues computergestütztes System. Ein solches Programm müsse dann bundesweit ausgerollt werden.
Alle zweieinhalb Minuten
Unabhängig von der Herkunft der Patienten ist der Andrang auf die Spitäler im Jahr 2025 groß gewesen: Mittlerweile erfolgen drei von vier Spitalsbehandlungen in der Stadt in einer WIGEV-Klinik, so Generaldirektorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb. Alle zweieinhalb Minuten war ein Rettungsfahrzeug im Vorjahr unterwegs in ein Krankenhaus des Gesundheitsverbunds. Für 2025 bedeutet das insgesamt 210.938 Rettungsfahrten. Im Vorjahr waren es noch 208.478.
Ein leichtes Plus war 2025 auch bei den Operationen zu verzeichnen. 131.056 Operationen sind in den Spitälern durchgeführt worden – ein Plus von 2.263 Eingriffen zu 2024. „30 Prozent aller Operationen werden bei uns akut, also innerhalb einer 48-Stunden-Grenze durchgeführt“, so Michael Binder, Medizinischer Direktor des WIGEV. Dies verdeutliche, dass man nach der Covid-Pandemie wieder in einer stabileren Phase gelandet sei, so Binder.
Personalsituation stabil
Stabilisiert habe sich auch die Personalsituation: Die Fluktuation im Personalbereich ist gesunken. 2.656 Austritte, davon 670 Pensionierungen, standen im Vorjahr 3.150 Eintritten gegenüber. Insgesamt seien 28.343 Stellen (Vollzeitäquivalent) in 75 verschiedenen Berufsgruppen im Vorjahr besetzt gewesen, berichtete Kölldorfer-Leitgeb.
Der WIGEV sei Österreichs größter Gesundheitsdienstleister und größter Ausbildner für Gesundheitsberufe. Die größten drei Mitarbeitergruppen im Vorjahr waren Pflegepersonal, gefolgt vom Betriebspersonal sowie Ärztinnen und Ärzten. Die generelle „enorme“ Kostensteigerung der vergangenen Jahre sei natürlich auch im Personalbereich spürbar: So stiegen etwa die Personalkosten von 2024 auf 2025 um sieben Prozent.
Modernisierung läuft
Trotz Sparprogramms werde weiter in Gesundheitsinnovation investiert. Das bis 2040 geplante Klinik-Modernisierungsprogramm wird deshalb nicht dem Rotstift zum Opfer fallen. Bis 2030 betrage die Investitionssumme für die klinische Infrastruktur rund 3,3 Milliarden Euro.
Bereits 2025 wurden weitere Teile der Modernisierungsprojekte umgesetzt: So eröffnete etwa ein neuer Zubau des Instituts für Physikalische Medizin und Rehabilitation an der Klinik Favoriten. Rohbauten wurden in der Klinik Ottakring, der Klinik Hietzing sowie im zum WIGEV gehörenden Therapiezentrum Ybbs in Niederösterreich fertiggestellt.
Neben Bauprojekten wird auch weiter in den Ausbau der High-End-Medizintechnik investiert: roboterassisstierte Chirurgie wird auch heuer ausgebaut. Diese ermöglichen medizinische Durchbrüche, wie etwa in der Klinik Floridsdorf: Im Vorjahr führten Herzchirurginnen und -chirurgen zum ersten Mal eine minimal-invasive Herz-Bypass-Operation mit einem Da-Vinci-Roboter in Österreich durch.
Parallel zum medizinischen Fortschritt soll auch die Organisation effizienter werden: Im Herbst 2026 soll gemeinsam mit den Vinzenz-Kliniken eine Terminplattform für Hüft- und Kniegelenk-OPs starten, man erhofft sich kürzere Wartezeiten.
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