Chronik | Wien 26.03.2012

Wiener SPÖ-Basis fordert Strich-Verbot

Per Gesetz ist Straßenprostitution nur mehr in Gewerbegebieten erlaubt. Die SPÖ Leopoldstadt will sie auch dort verbieten.

Gerhard Kubik kennt den Prater wie seine Westentasche. Wer hier aufgewachsen ist, so wie der Bezirksvorsteher, der weiß schon von Kindesbeinen an, warum im Grätzel leicht bekleidete Frauen winkend am Straßenrand stehen.

Jetzt ist es dem Roten aber zu viel. Die SPÖ-Fraktion wird am Dienstag im Leopoldstädter Bezirksparlament ein Verbot der Sex­meilen fordern. Dem roten Bezirkschef graut es vor der warmen Jahreszeit. Er befürchtet, dass dann die Straßenprostitution überhandnimmt. "Es ist jetzt schon mehr", sagt Kubik.

Hintergrund: Die rot-grüne Stadtregierung hat ihm mit dem Prostitutionsgesetz keinen Gefallen getan. Die am 1. November 2011 in Kraft getretene Novelle brachte neue Regeln: Im Wohngebiet wurden Sexmeilen verboten, im Gewerbegebiet erlaubt. Das Geschäft wanderte aus dem 14. und 15. Bezirk ab. Wohin?

Erlaubniszonen

Es war ab­sehbar, dass der Prater eine bevorzugte Adresse sein wird. Am Messegelände gab es bereits bisher Sexarbeit, und aufgrund der Widmung für Gewerbezwecke ist das Straßengeschäft dort erlaubt. Proteste Kubiks blieben nur aus einem Grund aus: Die Stadtregierung hatte angekündigt, Erlaubniszonen in Wohngebieten zu schaffen – mit den übrigen Bezirken. Doch die Bezirkskaiser schalten auf stur. "Da ist noch nichts rausgekommen", sagt Stefanie Grubich, Sprecherin von Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ).

Kubik sagt nun: "Wir bleiben über, wenn wir uns nicht wehren." Im SPÖ-Antrag, über den die Bezirksvertreter am Dienstag abstimmen, wird Frauenberger aufgefordert, ein Verbot des Strichs zu prüfen. Das ist in der Leopoldstadt notwendig, denn hier ist er erlaubt. Außerdem auf dem Wunschzettel der Bezirksroten: Laufhäuser, die von Sexarbeiterinnen verwaltet werden.

Ob es Erlaubniszonen geben und damit das Prater-Grätzel vielleicht entlastet wird, lässt Grubich offen. Die Zonen seien als ein zusätz­liches Instrument gedacht gewesen, es gebe viele Gewerbegebiete.

Dorthin zieht es aber kaum Sexarbeiterinnen. Vielleicht, weil die Infrastruktur fehlt.

( Kurier ) Erstellt am 26.03.2012