Tatort in Zagreb

© APA/AFP/DENIS LOVROVIC

Chronik Wien
09/25/2021

Wiener soll in Kroatien seine drei Kinder getötet haben

Ein 56-jähriger Österreicher, der in Zagreb lebt, soll die Tat in den sozialen Netzwerken angekündigt haben.

von Antonio Šećerović, Wolfgang Atzenhofer

In der Nacht auf Samstag soll ein 56-jähriger Österreicher in Zagreb seine drei Kinder erstickt haben und anschließend versucht haben, sich selbst umzubringen.

Nach Angaben der Polizei wurden die Beamten um 2 Uhr nachts alarmiert. Ein Freund hatte die Polizei nach einem Facebook-Beitrag verständigt. Die Polizei fand den Mann in seiner Wohnung im Stadtteil Mlinovi bewusstlos, er soll versucht haben, sich mit Gift oder Tabletten umzubringen. Die Leiche eines vierjährigen Kindes befand sich im Schlafzimmer, die Leichen beiden anderen Kinder waren im Wohnzimmer. Bei den Kindern handelt es sich um Zwillinge im Alter von sieben Jahren und eine vierjährige Tochter. 

Der Mann sei stabil und auch bei Bewusstsein, sagte der Leiter des Zagreber Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern, Davor Vagic, am Samstagnachmittag bei einer Pressekonferenz. Zu dem Zeitpunkt, als der Verdächtige mit dem Krankenwagen in Begleitung der Polizei eingeliefert wurde, befand sich der Österreicher laut Vagic in einem Zustand „eingeschränkten Bewusstseins“. Wegen des Verdachts, dass der Mann unter Einfluss von Psychopharmaka stand, wurden laut dem Chefarzt derzeit alle dahin gehenden Untersuchungen durchgeführt, ehe man dazu definitiv eine Aussage machen könne, fügte Vagic hinzu. Im Krankenhaus wird der Mann von der Polizei bewacht..

Die Mutter der Kinder befand sich zum Tatzeitpunkt in der Hafenstadt Dubrovnik. Nach Angaben der kroatischen Medien befindet sie sich in einem "ernsthaften psychischen Zustand". Die Kinder sollten mit ihrem Vater das Wochenende verbringen, da die Eltern geschieden sind.Die Polizei in Zagreb spricht von einem beispiellosen Verbrechen. Vor Ort befinden sich neben den Ermittlern auch der Zagreber Bürgermeister Tomislav Tomašević.

Das Licht im Haus wurde in der Nacht ständig an- und ausgemacht, so ein Nachbar.

Ein Bericht über häusliche Gewalt

Laut kroatischen Medien handelt es sich beim Tatverdächtigen um den 56-jährigen Harald K. aus Wien, der in Kroatien lebt. 

Der 56-Jährige ist ein erfahrener Berater im Finanzdienstleistungssektor, Risikomanagement und Bankwesen. In der Region arbeitete er für mehrere Unternehmen. Der Mann war von der Mutter der Kinder geschieden, die Geschwister hatten bei ihm das Wochenende verbracht. Die Mutter, die zum Zeitpunkt der Tat nicht in Zagreb war, soll Samstagmorgen im Krankenhaus in Dubrovnik die Nothilfe aufgesucht haben. Laut Polizeiangaben habe es eine zurückliegende Intervention wegen Gewalt in der Familie gegeben. Das zuständige Kinderamt hatte mit der Familie lediglich im Jahr 2018 während der Scheidung zu tun. Damals seien die Eltern gemeinsam zu einer Beratung erschienen, wo sie eine Vereinbarung über gemeinsames Sorgerecht abgegeben hatten. Danach waren den Behörden keine Vorfälle mehr bekannt geworden, sagte die Staatssekretärin im Familienministerium, Margareta Madjeric, laut Medienberichten.

Abschiedsbrief

In dem Facebook-Beitrag soll er sich zuvor von Freunden und Verwandten verabschiedet und für deren Hilfe bedankt haben. Außerdem soll er auf ein Beziehungsdrama und eine Scheidung, sowie Geldprobleme hingewiesen haben. Auch Personen, die ihm nicht geholfen hätten, soll der Verdächtige genannt haben. Jetzt sei er am Ende. Kroatische Medien veröffentlichten am Samstag den Brief in vollem Wortlaut.

Das Außenministerium bestätigte am Samstagnachmittag den "Tod dreier minderjähriger Kinder". Die österreichische Botschaft in Zagreb versucht Kontakt mit Angehörigen der Familie aufzunehmen.

Eine Sprecherin der Polizei bestätigte die umfassenden Medienberichte. Die Polizeibeamten werden professionell unterstützt, weil dies auch für sie ein sehr traumatisches Ereignis ist.

Wer Suizid-Gedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen über die Gedanken dabei, sie zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken. Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Depressionen betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge in Österreich kostenlos unter der Rufnummer 142.

Das neue österreichische Suizidpräventionsportal 
www.suizid-praevention.gv.at bietet Informationen zu Hilfsangeboten für drei Zielgruppen: Personen mit Suizidgedanken, Personen, die sich diesbezüglich Sorgen um andere machen, und Personen, die nahestehende Menschen durch Suizid verloren haben. Das Portal ist Teil des österreichischen Suizidpräventionsprogramms SUPRA des Gesundheitsministeriums.

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