Chronik | Wien
01.06.2017

Wiener Polizei droht ein Sex-Skandal

Vor der Besetzung des Chefpostens bei der Verkehrspolizei werden Vorwürfe von sexueller Belästigung und deren Vertuschung erhoben.

In wenigen Monaten wird Oberst Karl Wammerl als Chef der Verkehrspolizei in den Ruhestand wechseln. Dass um seine Nachfolge intern erbittert gekämpft wird, wird polizeiintern seit Monaten befürchtet. Schon seine Besetzung vor rund zehn Jahren war von unschönen Szenen begleitet. Doch diesmal wird das Match offenbar noch ärger. Denn nun ist ein anonymes Schreiben in mehreren Zeitungsredaktionen aufgetaucht, das einen der Favoriten mit einer Sex-Affäre in Zusammenhang bringt. Der Absender hat brisantes Material hinzugefügt, darunter interne Mails und Protokolle. Er vermutet Vertuschung und einen Polizei-Skandal.

Ausgangspunkt ist ein Polizeifest der Verkehrsabteilung im September 2016 im Hof der Rossauer Kaserne. Rund 300 Beamte vergnügten sich (in ihrer Freizeit) bei Show, Tombola und alkoholischen Getränken. Gegen 1.30 Uhr stand eine Runde Beamten bei einem Stehtisch, darunter eine Mitarbeiterin der Parkraumüberwachung.

"Griff mir auf das Gesäß"

Diese soll der hochrangige Beamte der Verkehrspolizei, den sie bis dahin nicht persönlich kannte, sexuell belästigt haben. "Plötzlich und unerwartet griff mir jemand von hinten auf die linke Gesäßhälfte", wird die Frau später zu Protokoll geben. "Nachdem ich ihn gefragt habe, ob es noch geht, schlug er mit der flachen Hand wieder auf meine linke Gesäßhälfte." Für die alleinerziehende Beamtin war das "scheiß peinlich", vor allem weil ihre 12-jährige Tochter eine angeblich folgende Obszönität mitbekam. "Ich habe zu ihm gesagt, dass er mich in Ruhe lassen soll. Er erwiderte, dass wir ein Taxi rufen und die Kleine, gemeint war meine Tochter, nach Hause schicken sollten." Die Frau ergriff grußlos die Flucht von der Feier und ist seither im Krankenstand, wie sich aus internen Mails der Polizei ergibt. Laut diesen hat sie offenbar Angst, wieder in den Dienst zu gehen und auf ihren Vorgesetzten zu treffen.

Rund einen Monat nach der Anzeige wurde der Beamte versetzt, nach sechs Wochen aber wieder rehabilitiert. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Verfahren der Staatsanwaltschaft eingestellt. Der anonyme Briefeschreiber (und selbst so manche Polizei-Insider) behaupten, dass der Vorfall "geregelt" wurde. Betont wird in dem Schreiben, dass der betreffende Beamte von Kollegen als "Krake" bezeichnet wird. Bisher liegt aber keine weitere Anzeige vor, es erhebt niemand ähnliche Vorwürfe.

"Absoluter Schwachsinn"

Daniela Tunst, Chef-Pressesprecherin der Wiener Polizei, bezeichnet Behauptungen, wonach die Causa vertuscht wurde als "absoluten Schwachsinn. Die Vorwürfe konnten nicht objektiviert werden." Das bedeutet, es fanden sich nicht ausreichend Zeugen, um diese schweren Vorwürfe zu untermauern. Die Polizei habe allerdings "organisatorische Maßnahmen ergriffen, um ein Aufeinandertreffen zu unterbinden. Zwischen den beiden wird es keine dienstlichen Berührungspunkte mehr geben."

Der betroffene Offizier gab keine Stellungnahme ab.