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Wiener Neos holen sich Förderungen ab, die sie abschaffen wollten

Die Neos möchten den Parteiakademien der anderen Wiener Parteien das Geld streichen. Nun haben sie selbst im Stillen eine Akademie gegründet – und wollen die öffentlichen Mittel dafür beanspruchen.
Die Politikerin Selma Arapovic spricht lächelnd an einem Rednerpult vor einem unscharfen Hintergrund.

Die politische Position der Wiener Neos ist klar: Sie wollen nicht nur die Parteienförderung insgesamt kürzen, sondern vor allem die öffentlichen Gelder für die sogenannten Parteiakademien, die die Wiener Landesparteien betreiben dürfen, komplett streichen.

Ganz durchgesetzt haben sie sich beim großen Koalitionspartner, der Wiener SPÖ, noch nicht. Zumindest eine Kürzung der Mittel für die Parteiakademien konnten die Neos für das laufende Jahr aber erwirken – gestrichen wurden den Akademien die Gelder für internationale Projekte. Ein erster Schritt zur gänzlichen Abschaffung, wie man bei den Neos betont.

Interessant ist ein Blick auf die Parteiakademien: Alle Landesparteien betreiben (unter verschiedensten Namen) derartige Einrichtungen – mit Ausnahme der Wiener Neos. Oder aber doch?

Wie KURIER-Recherchen ergaben, haben die Wiener Neos offenbar ebenfalls eine Parteiakademie gegründet – allerdings, ohne dies zu kommunizieren. Laut Vereinsregisterauszug wurde die „Neos Wien Akademie“ mit Sitz am Heumarkt rechtzeitig vor dem Jahreswechsel am 22. Dezember 2025 ins Leben gerufen.

Präsidentin ist eine der Führungsfrauen der pinken Landespartei: Klubobfrau Selma Arapović. Ihre Amtszeit als Akademie-Chefin begann laut Vereinsregisterauszug am 14. Jänner 2026. Als Kassier fungiert der Neos-Landesgeschäftsführer Philipp Kern.

Förderung in Höhe von 300.000 Euro

Wie aber passt das zu den politischen Forderungen der Neos? An der Positionierung habe sich nichts geändert, sagt Arapovic, die der KURIER am Freitag telefonisch bei einem Treffen der Fraktion der europäischen Liberalen (ALDE) in der Wiener Hofburg erreicht. „Wir sind gegen eine Akademieförderung“, sagt Arapović. „Aber da es die Akademien nun mal gibt, haben wir uns dazu entschlossen, auch eine zu gründen.“

Die entscheidende Frage: Werden die Neos auch die Förderungen kassieren, gegen die sie sich so vehement aussprechen? „Ja“, sagt Arapović. „Solange es sie gibt, werden wir sie in Anspruch nehmen.“ Sie rechne mit einer Summe von rund 300.000 Euro.

Auszug des Vereinsregisters.

Auszug des Vereinsregisters.

Gegründet habe man die Neos-Akademie, weil man in der eigenen Partei steigende Nachfrage nach Fortbildung registriert habe: „Wir wollen in unsere vielen Mitglieder, Funktionäre und Talente investieren“, sagt Arapović. Geheim sei die Akademie natürlich nicht, betont man. Man habe sie bisher noch nicht beworben, weil sie sich „im Aufbau“ befinde. Intern sei die Akademie freilich bestens bekannt, Arapović sei von den Gremien auch offiziell zur Präsidentin bestimmt worden.

Kamingespräche mit Wiederkehr

Der große „Kick off“ ist für Herbst geplant – und zwar mit dem „Neos Wien College“, das sich an Jungpolitiker richtet. Das Programm gibt es bereits seit einigen Jahren, wurde bisher aber immer von der Partei veranstaltet. In diesem Jahr „übersiedelt“ es in die neu gegründete Akademie.

Das College versteht sich als „Aus- und Weiterbildungsprogramm zur Förderung von herausragenden politischen Talenten“, heißt es auf der Homepage. Es ist kostenlos, habe aber einen Gegenwert von rund 3.500 Euro.

Auf dem Programm stehen unter anderem ein „Kamingespräch“ mit Landesparteichef und Minister Christoph Wiederkehr, ein Kommunikations-Workshop und ein Vernetzungstreffen am Christkindlmarkt. Auch Einblicke in die „Meilensteine“ der Neos-Geschichte mit Parteichefin Beate Meinl-Reisinger soll es geben. Und Themenabende: Wissen zu Bildung und Integration vermittelt etwa Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling, Wirtschaft lehrt Neos-Gemeinderat Markus Ornig.

Angesiedelt ist die Akademie an der Adresse der Landes- und Bundespartei. Auch die Parteiakademie der Bundes-Neos, das „Neos Lab“ unter der Führung des EU-Abgeordneten Helmut Brandstätter, ist dort untergebracht.

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