„Host kan Genierer?“ - Wiener Linien starten neue Öffi-Kampagne
Ein gigantisches Handy und eine überdimensionierte Leberkäsesemmel standen am Donnerstag auf dem Bahnsteig der U2-Station Stadion – und zogen die Blicke vieler Passanten auf sich.
Das ist auch das Ziel der neuen Bewusstseinskampagne der Wiener Linien. Lautes Telefonieren, Essen in Öffis oder das Abspielen von Videos sind zwar laut Hausordnung auch jetzt schon verboten, geahndet werden derartige Verstöße aber (noch) nicht.
„Wo täglich Millionen Menschen aufeinandertreffen, braucht es klare Spielregeln und gegenseitige Rücksichtnahme. Niemanden interessieren lautstarke Debatten über Beziehungsprobleme anderer Mitfahrender, genauso wenig wie die Einkaufsliste, das Abendmenü oder die Wochenendplanung“, betonte Öffi-Stadträtin Ulli Sima bei der Präsentation der Kampagne.
Plakate ab 9. März in Wien zu sehen
Auf den Plakaten der Kampagne sind Menschen mit übergroßen Handys, Hunden ohne Maulkorb, Leberkäsesemmeln oder Rucksäcken zu sehen, die andere Fahrgäste stören. „Für dich egal, für andere eine riesige Qual“, heißt der Slogan dazu. Ab 9. März sind die Plakate in Wien zu sehen.
Dazu sind Durchsagen geplant, die die Fahrgäste auf das unerwünschte Verhalten aufmerksam machen. Auch der Song „Ka Genierer“ – eine adaptierte Variante des Klassikers „I bin a Kniera“ von Georg Danzer – soll via Lautsprecher gespielt werden.
Anzeigetafel in einer Wiener U-Bahn-Station mit dem Kampagnen-Slogan „Host kan Genierer?!“ zur Förderung von Rücksichtnahme im öffentlichen Verkehr.
Bis zu 50 Euro Strafe
Alle, die sich nicht an die Regeln der Hausordnung halten, könnten künftig auch zur Kasse gebeten werden. „Wir wollen aber nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, sondern zunächst einmal ein Unrechtsbewusstsein schaffen“, sagte Sima. Man werde sich die Situation ein paar Monate anschauen und dann evaluieren. Bereits jetzt können Security der Wiener Linien bei Verstößen gegen die Hausordnung 50 Euro verhängen.
Umfrage bestätigt persönliche Erfahrungen
Den größten Teil an Strafen, die im Vorjahr ausgestellt wurden, betreffen Hund: „Es wurden vergangenes Jahr über 500 Mehrgebühren für das Mitführen von Hunden ohne Maulkorb ausgestellt. Ca. 100-mal wurde das Konsumieren von alkoholischen Getränken in Öffis verrechnet und knapp 30-mal das Musizieren in Fahrzeugen“, heißt es von den Wiener Verkehrsbetrieben.
Zumeist reiche ein Ermahnen der Fahrgäste aus, aber „wir können auch anders“, betonte Wiener Linien-Chefin Alexandra Reinagl bei der Pressekonferenz.
Auch eine groß angelegte Umfrage mit rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigte Handlungsbedarf auf, was das Verhalten der Fahrgäste betrifft. Demnach fühlen sich tatsächlich 85 Prozent von lautem Telefonieren am meisten gestört. 63 Prozent nervt lautes Musikhören, 41 Prozent mögen es nicht, wenn Erwachsene essen.
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