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Chronik Wien
06/28/2021

Wiener Baby schwer misshandelt: Ermittlungsverfahren eingestellt

Trotz umfangreicher Erhebungen nicht feststellbar, wer dem drei Monate alten Buben die Verletzungen beibrachte.

In einem besonders schweren Fall von Kindesmisshandlung - ein drei Monate altes Baby war im Dezember 2019 mit lebensgef√§hrlichen Hirnverletzungen in ein Wiener Spital gebracht worden - hat die Staatsanwaltschaft Wien die Ermittlungen eingestellt. Das gab Beh√∂rdensprecherin Carmen Kainz am Montag auf APA-Anfrage bekannt. Gegen den Vater des Buben war wegen versuchten Mordes ermittelt worden, gegen die Mutter wegen Qu√§lens bzw. Vernachl√§ssigung eines Unm√ľndigen.

Trotz umfangreicher Erhebungen habe sich nicht nachweisen lassen, wie dem Kind die Verletzungen beigebracht wurden und wer daf√ľr verantwortlich war, erl√§uterte Kainz. Sowohl der Vater als auch die Mutter, die sich w√§hrend der Schwangerschaft von dem Mann getrennt hatte, h√§tten in Abrede gestellt, mit Gewalt gegen das Baby vorgegangen zu sein.

Trotz penibler Ermittlungen - es wurden zwei medizinische Gutachten eingeholt und mehrere Zeugen befragt, darunter eine Kinder√§rztin und eine Physiotherapeutin, die das Baby behandelt hatte, - sei eine m√∂gliche T√§terschaft mit der f√ľr ein Strafverfahren erforderlichen Sicherheit am Ende "nicht zuordenbar" gewesen, sagte Kainz.

Bleibende Schäden nicht ausgeschlossen

Laut gerichtsmedizinischen Gutachten wurden dem Baby Kopf- und Sch√§delverletzungen zugef√ľgt, die typisch f√ľr ein Sch√ľtteltrauma sind. Sie waren zumindest eine Woche alt, als der Bub am 5. Dezember 2019 ins Spital gebracht wurde. Dort musste das Kind notoperiert werden. Erst kurz vor Weihnachten konnte der zu diesem Zeitpunkt knapp vier Monate alte S√§ugling aus dem k√ľnstlichen Tiefschlaf geholt werden. Nach dem Jahreswechsel konnte das Kind dann aus dem Spital entlassen werden. "Zur Frage, ob es Dauerfolgen geben wird, war eine Einsch√§tzung zum Zeitpunkt der Gutachtenerstattung nicht m√∂glich", meinte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft nun im Gespr√§ch mit der APA zur Frage nach bleibenden Sch√§den.

Die Eltern des Buben hatten sich w√§hrend der Schwangerschaft zerstritten und lebten getrennt. Die Mutter soll ihrem Ex nach der Geburt zun√§chst nicht erlaubt haben, seinen Sohn zu sehen. Erst Ende Oktober 2019 lie√ü sie dies zu. Ab diesem Zeitpunkt soll der Sohn einer bei der Wiener Polizei t√§tigen Vertragsbediensteten sein Kind dann jeden Abend bei seiner fr√ľheren Partnerin besucht haben. Dabei sei nie etwas vorgefallen, der Mann sei abgesehen von einem Abend, an dem das Baby durchgehend friedlich geschlafen habe, auch nie mit dem Kind allein in einem Raum gewesen, hatte sein - mittlerweile verstorbener - Anwalt Ende 2019 der APA berichtet.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Der Vater wurde von der Mutter des Kindes jedoch belastet, er wanderte in U-Haft, wobei die Staatsanwaltschaft ihm sogar bedingten T√∂tungsvorsatz unterstellte. Der Unbescholtene bezichtigte wiederum die Mutter und versicherte, diese m√ľsse seinen Sohn schwer verletzt haben.

Anfang Februar 2020 gab dann das Wiener Oberlandesgericht (OLG) einer Haftbeschwerde des Mannes Folge. Entgegen der Annahme des Landesgerichts f√ľr Strafsachen war aus Sicht des OLG kein dringender Tatverdacht gegeben. Unter Verweis auf das gerichtsmedizinische Gutachten zu den Verletzungen des Kleinkinds kam das OLG zum Schluss, dass "ein Indiz f√ľr die T√§terschaft" des Vaters vorliegt, aber "die M√∂glichkeit einer T√§terschaft der Mutter" nicht ausgeschlossen werden k√∂nne. Der Vater wurde nach zweimonatiger U-Haft auf freien Fu√ü gesetzt.

Ob mit dem vor kurzem ergangenen Einstellungsbeschluss der Staatsanwaltschaft die strafrechtlichen Untersuchungen endg√ľltig vom Tisch sind, ist nicht gesichert. Die Opfervertretung hat nach Informationen der APA eine Einstellungsbegr√ľndung angefordert, theoretisch kann beim Landesgericht f√ľr Strafsachen ein auf weitere Ermittlungen gerichteter Fortf√ľhrungsantrag eingebracht werden.

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