Spitalskonzept 2040: Ärztekammer zeigt sich reformbereit
Die Wiener Ärztekammer hat am Dienstag mit ihrem "Wiener Spitalskonzept 2040" Reformbereitschaft signalisiert. Darin spricht sie sich für mehr Tagesmedizin, Zusammenarbeit der Träger, Digitalisierung und eine zentrale Koordination für alle Rettungszufahrten aus. Man wolle nicht mehr länger als Blockierer dastehen, betonte Vizepräsident Eduardo Maldonado-González in einer Pressekonferenz. Zum aktuellen Führungsstreit in der Kammer wollte er sich nicht äußern.
Mit ihrem 34-seitigen Papier wollen die Ärztevertreter praxisnahe Reformideen und Lösungsansätze für eine zeitgemäße Spitalslandschaft gesammelt haben, die die Versorgung der Patienten mit Spitzenmedizin nachhaltig garantiere - und sich auch für die Ärztinnen und Ärzte positiv auswirke. Der Fokus liegt unter anderem auf Tagesmedizin, also Leistungen, die bisher stationär erbracht wurden und künftig ohne medizinisch notwendige Nächtigung durchgeführt werden können.
Dafür brauche es den Übergang vom bettenbasierten zum leistungsorientierten Denken. Ein tagesmedizinischer Therapieplatz ersetze 1,3 bis 1,5 stationäre Betten, was ein jährliches Effizienzpotenzial von 2,4 Mrd. Euro österreichweit bringe, führte Maldonado-González aus. Dieses Geld müsse im Gesundheitssystem bleiben und könnte etwa in eine Erhöhung der Grundgehälter der Ärztinnen und Ärzte einfließen, wie dem Kammer-Vizepräsidenten vorschwebt.
Versorgungsmodelle neu gedacht
Etablieren will die Kammer auch neue Versorgungsmodelle. Benjamin Glaser, Finanzreferent der Kurie angestellte Ärzte, sprach von ambulanten Strukturen, die aus den Trägergesellschaften der Spitäler ausgelagert werden, nach dem Vorbild der Erstversorgungsambulanzen. Lisa Leutgeb, stellvertretende Kurienobfrau, plädierte für einen trägerübergreifenden Ausbildungsverbund, Dieter Kölle, ebenfalls Kurienvize, für eine zentrale Steuerungsstelle der Rettungszufahrten.
Nicht äußern wollten sich die Kammerfunktionärinnen und -funktionäre zum wieder aufgeflammten Führungsstreit, in dem der frühere Kammerpräsident Thomas Szekeres durch einen Neuwahlantrag in der Vollversammlung zum vorzeitigen Sturz des aktuellen Präsidenten Johannes Steinhart ansetzt. Man präsentiere das Konzept in Zusammenarbeit verschiedener Fraktionen, meinte Maldonado-González lediglich. Dies zeige, dass man gut zusammenarbeiten könne.
Hacker sieht gute Basis
Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) bezeichnete die Vorschläge als "sehr interessant". Diese seien eine gute Basis für die weitere gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der Ärzteschaft, befand er in einer der APA übermittelten Stellungnahme. "Die Ärztevertretung und die Wiener Gesundheitspolitik stimmen überein, dass die Ambulantisierung der Wiener Gesundheitsversorgung und damit der Ausbau der regionalen Gesundheitszentren wie auch der tagesklinischen Versorgung in den Wiener Spitälern die Zukunft und die tragenden Säulen in der medizinischen Gesundheitsstruktur darstellen wird", hielt er fest.
Diese übereinstimmende inhaltliche Grundlage sei einer der Gründe für das hohe Vertrauen der Wienerinnen und Wiener in die Gesundheitsversorgung. Er freue sich auf die weiterführenden Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Kammer, versicherte Hacker.
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