Wien will Touristen schröpfen: Warum sich die Taxe für Tagesgäste verzögert

Die im Vorjahr angekündigte Pönale für Wiener Tagestouristen wird wohl erst 2027 umgesetzt. Zugleich gibt es einen weiteren Rekord zu bejubeln.
Touristen blicken auf Gloriette.

Wien wird von Touristen gestürmt – zu Land, zu Wasser und in der Luft. Der Rekordwert von mehr als 20 Millionen Nächtigungen 2025 spülte auch viele Devisen in die Bundeshauptstadt, womit die klassischen Hotelgäste in Wien gerne gesehen sind. Nicht so gerne gesehen sind indes jene, die nur tageweise via Schiff oder Bus kommen – und wenig bis nichts zur Wertschöpfung beitragen. Diese Besuchergruppe zumindest etwas zu schröpfen, um auch die Touristenströme besser lenken zu können, ist eines der Ziele der rot-pinken Stadtregierung seit der Wien-Wahl vor einem Jahr.

Doch der Weg dorthin ist steiniger als gedacht: Denn laut KURIER-Informationen ist eine Tagestouristen-Taxe, die sich auch monetär auszahlt, gar nicht so leicht umzusetzen – und daher verzögert sie sich. Laut Verhandlern der eingerichteten Arbeitsgruppe wird es daher vor 2027 nichts damit. Die Schiff-Touristen im Sommer und die Bustouristen im Advent würden damit heuer wieder nicht betroffen sein; ganz zu schweigen von jenen, die Mitte Mai Song-Contest-Flair schnuppern wollen.

Rekord bei Kreuzfahrern

Die Ausgangslage wurde bereits vergangenen Oktober im KURIER skizziert: Nach der Corona-Delle wird Wien von Passagieren auf Donau-Kreuzfahrtschiffen wieder regelrecht gestürmt. So kann die zuständige Wiener Donauraum-Gesellschaft für 2025 einen neuen Rekordwert vermelden: Mit exakt 413.001 Passagieren landeten um fast 35.000 mehr Menschen am Handelskai als im Jahr davor. Die Dynamik offenbart sich aber erst im Langzeitvergleich: Binnen 20 Jahren kam es zu einem Anstieg um fast 220 Prozent (2004: 130.000 Passagiere).

Hier hat die für den Tourismus zuständige Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) bereits vor einem Jahr ihren Kurs vorgegeben: Sie möchte Schiff- und Bustouristen künftig auf bestehenden Schienen stärker zur Kasse bitten – über „Anlege- und Parkgebühren“.

Bei den Kreuzfahrtschiffen wäre das an sich eine leichte Übung, denn die Reedereien müssen im Schifffahrtszentrum bei der Reichsbrücke Anlegegebühren berappen. Der Tagestarif für 2026 beträgt 1.569,76 € netto – und ist damit heuer nur im üblichen Ausmaß (rund vier Prozent mehr) valorisiert worden. Eine deutlichere Erhöhung durch die Stadt Wien (respektive die Wien Holding) wurde offenbar bewusst nicht vorgenommen.

Vielleicht auch wegen der absoluten Beträge: Denn rechnet man die Einnahmen hoch, lässt sich auf der Donau gewiss nicht das große Geld zur nachhaltigen Budgetsanierung holen: Bei 2.700 anlegenden Schiffen pro Jahr und durchschnittlich zwei Tagen Aufenthalt kommt man auf nicht einmal 8,5 Millionen Euro jährlichen Umsatz. Umgerechnet sind dies rund 20 Euro pro Passagier und Wien-Aufenthalt.

Selbst wenn man diese Summe verdoppeln würde – was durchaus heikel sein könnte – wäre dies für den 20-Milliarden-Etat bloß „ein Tropfen auf den heißen Stein“, heißt es aus rot-pinken Verhandlerkreisen. Immerhin sei nunmehr „auf Schiene“, dass man es bei den Schiffstouristen genau über diese Anlegegebühren regeln möchte: „Offen ist noch, was hier sinnvoll und verträglich ist.“

Venedig-Modell „tot“

Beim Rest werde es dann aber „kompliziert“, wie es heißt: Das kurz durch die Medienlandschaft gegeisterte „Modell Venedig“ mit Tageseintritt „wollten wir nie, weil es auch dort nicht funktioniert“. Nachsatz: „Der logische Schritt ist daher, es über eine Busgebühr zu regeln.“ Doch auch hier laufe man Gefahr, dass man womöglich eine Technik etabliere, „die mehr kostet, als es dann an Einnahmen bringt“. Daher sehe man sich aktuell in ganz Europa um etwaige Vorzeigemodelle um.

Fazit aus Verhandlerkreisen: „Es ist eine durchaus komplizierte Materie, daher wird es hier vor dem Herbst sicher keine Einigung geben.“ Nachsatz: „Da es letztlich nicht um große Beträge geht, ist die Priorität aber auch nicht die allerhöchste.“

Offiziell geben sich die beiden Regierungsparteien zugeknöpft: „Die Gespräche laufen“, verlautet es aus dem Novak-Büro. Ähnlich Neos-Tourismussprecher Markus Ornig, der von „mehreren möglichen Varianten“ spricht: „Der Fokus liegt dabei auf Tagestouristen, die nur wenige Stunden in Wien verbringen, ohne die lokale Wirtschaft anzukurbeln – die steht nämlich im Zentrum aller Überlegungen.“

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