Chronik | Wien
18.06.2017

Wien will durch Ausbau zur Radmetropole werden

Die Wiener steigen immer öfter auf das Fahrrad. Das liegt auch daran, dass durch immer neue Radwege die Sicherheit erhöht wird. Martin Blum, Radexperte der Stadt erklärt was für 2017 geplant ist.

Mit dem Stadtgespräch am Montag (nähere Informationen siehe Kasten unten) geht die KURIER-Serie Sicher am Rad zu Ende. Die Beteiligung der Leser war hoch, viele eMails erreichten die Redaktion und machten damit Experten und Politik auf Probleme im Wiener Radverkehr aufmerksam.

Unter den vielen Einsendungen wurden vier Straßen, zu denen es besonders viele Beschwerden gibt, ausgewählt: Die Triester Straße, die Argentinier Straße, die Alserbachstraße sowie die Taborstraße wurden anschließend von der Radlobby und dem ARBÖ besichtigt. Die Verbesserungsvorschläge der Experten wurden später mit Martin Blum, Geschäftsführer und Rad-Experte der Mobilitätsagentur Wien besprochen. Und Blum sicherte Verbesserungen in den Verkehrskonzepten der jeweiligen Straßenzüge zu.

Abgesehen davon hat die Stadt aber derzeit auch andere Projekte in Sachen Fahrrad, die in nächster Zeit zur Optimierung des Verkehrsnetzes in Wien anstehen. Martin Blum erklärte dem KURIER die wichtigsten geplanten Baumaßnahmen für 2017.

KaisermühlenstraßeNoch diesen Sommer soll beispielsweise auf der Kaisermühlenstraße ein neuer Radweg entstehen. "Die Strecke ist eine sehr wichtige Verbindung von Transdanubien zur Donauinsel und zu den inneren Bezirken", sagt Blum. Die Bauarbeiten sollen in Kürze starten, sodass noch in diesem Sommer sicher auf der Kaisermühlenstraße geradelt werden kann.

AmeisbrückeIm Westen Wiens entsteht in Kürze eine Radverbindung Richtung Hietzing. Über die Ameisbrücke wird künftig ein Radweg zur Leyserstraße bis zur Goldschlaggasse, die Gegend mit dem Wientalradweg verbinden. Die Rad-Strecke wird über den Westbahnhof führen.

Lidlgasse Radfreundlicher wird auch die Lidlgasse in Hernals gestaltet. Bisher mussten sich dort Radfahrer und Fußgänger noch die Fahrbahn teilen – was ein hohen Sicherheitsrisiko darstellt. "Dort wird ebenfalls ein neuer Radweg entstehen. Geplant ist, das Projekt noch in diesem Jahr fertigzustellen", sagt Blum.

Sicherste Stadt

Unteranderem diese Projekte sorgen dafür, dass Wien als Stadt der Radfahrer immer beliebter und auch sicherer wird.

"Eine Greenpeace-Studie hat österreichische Städte miteinander verglichen, mit dem Ergebnis, dass Wien die sicherste Landeshauptstadt für Radfahrer ist", erklärt Martin Blum.

Diesen Fakten zollen die Wiener auch Tribut: Zwischen 2010 und 2016 gab es einen Zuwachs am Radfahranteil von knapp 50 Prozent. Insgesamt werden 7 Prozent der Wege in Wien mit dem Rad zurückgelegt. "Es ist zu erwarten, dass sich dieser Boom in den nächsten Jahren etwas abschwächt. Gerade deshalb ist es aber wichtig, Projekte zu fördern, die das Radfahren noch attraktiver machen", sagt Blum.

Insgesamt wird derzeit an zwölf Projekten gearbeitet, um das Radverkehrsnetz der Bundeshauptstadt auszubauen. Die prominenteste Baustelle befindet sich beim Getreidemarkt in Wien-Mariahilf. Dort wird künftig eine Radspur von der Mariahilfer Straße bis zur Lehargasse und von der Gauermanngasse bis zu Babenbergerstraße führen.

Ziel zehn Prozent

In den letzten zehn Jahren wurden knapp 300 Kilometer Radwege geschaffen. Derzeit stehen den Zweirad-Fans 1346 Kilometer allein in Wien zur Verfügung.

Ziel ist es, dass Wien einen Radfahranteil von zehn Prozent erreicht. Wann diese Marke erreicht werden soll, ist noch nicht abzusehen. Es werden noch ein paar Radwege mehr nötig sein.

Rund ums Rad in Wien

Allein im Jahr 2017 investiert die Wien vier Millionen Euro für die Verbesserung der Radverkehrsnetze. Die Wiener danken es der Stadt, indem sie sich auf den Sattel schwingen.

Zwischen 2014 und 2016 stieg der Zufriedenheitsanteil unter den Radfahrern. 79 Prozent gaben an, dass sich die Situation für sie verbessert hat. Ganze 68 Prozent würden Wien sogar schon jetzt als „Fahrradstadt“ bezeichnen. 63 Prozent fahren mehrmals in der Woche mit dem Rad. Bei den Unter-Dreißig-Jährigen sind es sogar 71 Prozent, die oft am Zweirad unterwegs sind.

Die dürfen von den insgesamt 1346 Radweg-Kilometern in Wien dann 261 Kilometer ganz legal gegen die Einbahn fahren. Parken können sie den Drahtesel an einem der 40.000 Abstellplätzen in der ganzen Stadt.

Ring als Rad-HotspotAm häufigsten wird übrigens der Radweg am Ring genutzt. 1.583.785 Radler wurden 2016 dort gezählt. Die Ringstraße ist damit eine der meistgenutzten Radwege in ganz Europa. Den größten Zuwachs unter den zehn Zählstationen hatte mit 17,9 Prozent der Radweg an der Linken Wienzeile, wo 2016 372.717 Radler gezählt wurden.

Wem unterwegs die Luft ausgeht, muss nicht schieben: 2014 wurde damit begonnen, die Stadt mit gratis Fahrradpumpen auszustatten. Derzeit gibt es bereits zwölf Stationen, wie zum Beispiel beim Praterstern, beim Westbahnhof oder am Karlsplatz.