Sparpaket, Führungsdiskussionen: Wie Wien derzeit wählen würde
Dass Wien anders ist, ist ein geflügeltes Wort. Die Wienerinnen und Wiener haben aber auch ein anderes Wahlverhalten als die Bewohner anderer Bundesländer. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag der SPÖ Wien, die dem KURIER vorliegt.
Befragt wurden 1.000 Wählerinnen und Wähler im Zeitraum vom 5. bis zum 16. Februar – etwaige Irritationen über die Führungsdiskussion in der Bundes-SPÖ flossen also mit ein.
Wäre am Sonntag Wien-Wahl, hätten die Roten unter Bürgermeister Michael Ludwig nach wie vor einen komfortablen Vorsprung. Trotz Sparpakets würde die SPÖ nur rund 1,4 Prozentpunkte einbüßen. Die meisten Zugewinne könnte allerdings die FPÖ verbuchen. Die Grünen würden leicht dazugewinnen, die Neos ihr Ergebnis halten und die ÖVP weiter Stimmen verlieren. Nur noch 8 Prozent würden sich für Türkis entscheiden.
So würde die Gemeinderatswahl ausgehen, wenn am Sonntag in Wien gewählt werden würde.
Besonders spannend wird es, wenn man einen Blick darauf wirft, wie die Wienerinnen und Wiener bei einer Nationalratswahl wählen würden – das ist eklatant anders als das bundesweite Ergebnis von 2024. Würden nur die Bundeshauptstädter wählen, wäre die SPÖ mit 27 Prozent auf dem ersten Platz. Der im Vergleich zum Bundesergebnis hohe Wert ist wohl den Beliebtheitswerten der Ludwig-SPÖ zu verdanken. Und gleichzeitig ist das Ergebnis wohl mit ein Grund, warum Ludwig dem Parteivorsitzenden – es wurde dezidiert „unter Parteichef Andreas Babler“ abgefragt – die Stange hält.
Allerdings ist der Vorsprung nur hauchdünn, die FPÖ mit Parteichef Herbert Kickl kommt mit 26 Prozent gleich dahinter. Der dritte Platz geht an die Grünen mit 17 Prozent.
Ein Vergleich der Umfrage unter Wienerinnen und Wienern und den bundesweiten Nationalratsergebnissen 2024.
Bei der ÖVP muss das Ergebnis für Kopfzerbrechen sorgen, sie teilen sich bei den Wienern mit den Neos den vierten Platz – mit 12 Prozent. Bundesweit erreichten die Türkisen 2024 insgesamt 26,3 Prozent – im urbanen Raum gibt es also Aufholbedarf. Die Grünen haben das gegenteilige Problem und schneiden in Wien deutlich besser ab als in den Bundesländern. Die KPÖ würde derzeit bei beiden Wahlen bei 4 Prozent liegen.
Fiktive Direktwahl
Wie erklärt sich, dass die Wiener im Bund anders wählen würden als im Gemeinderat? Das ergibt sich, weil jeweils rund ein Viertel jener, die im Bund ÖVP, Neos, und Grün wählen, bei einer Gemeinderatswahl in Wien ihre Stimme der Ludwig-SPÖ geben würden. Hingegen würden nahezu alle Wähler die bei einer Nationalratswahl ihr Kreuz bei den Roten machen, das auch bei der Wien-Wahl tun.
Bei einer fiktiven Direktwahl würden 49 Prozent Michael Ludwig wählen.
Dementsprechend gut würde Ludwig bei einer – natürlich fiktiven – Direktwahl abschneiden. 49 Prozent würden sich für ihn entscheiden. Dahinter kämen Dominik Nepp (FPÖ) mit 23 Prozent, Judith Pühringer von den Grünen mit 13 Prozent. ÖVP-Chef Markus Figl läge mit 8 Prozent vor Neos-Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling, die 5 Prozent der Stimmen erhalten würde.
Bildung und Geschlecht
Lohnend ist ein Blick auf das Wahlverhalten von Frauen und Männern, wo sich durchaus überraschende Ergebnisse zeigen. Demnach hat die FPÖ nämlich keinen sogenannten Gender-Gap mehr und ist somit keine typische Männer-Partei mehr, wie es bei früheren Wahlen oder Umfragen noch der Fall war. Jeweils 25 Prozent der Frauen und der Männer würden Blau wählen.
Anders verhält es sich bei den Grünen. 18 Prozent der Frauen würden Grün wählen, aber nur 12 Prozent der Männer. Bei der SPÖ gibt es nur leichte Unterschiede, 39 Prozent der Frauen würden sich für die Roten entscheiden und 37 Prozent der Männer.
Der Bildungsgrad spielt bei FPÖ-Wählern dafür sehr wohl eine Rolle: 35 Prozent der Personen ohne Matura würden Blau wählen, aber nur 10 Prozent der Personen mit Matura. Bei den Grünen verhält es sich genau umgekehrt. Bei Personen mit Matura wurden sich 23 Prozent für Grün entscheiden, aber nur 9 Prozent derjenigen, die keine Matura haben. Die Neos sind bei Menschen mit Matura ebenfalls besser angeschrieben: 13 Prozent würden Pink wählen, aber nur 6 Prozent der potenziellen Neos-Wähler haben keine Matura.
Bei der SPÖ gibt es gar keinen Unterschied. Ob mit oder ohne Matura: Jeweils 38 Prozent würden Rot wählen.
Absolute bei Jungen
In der SPÖ wertet man die geringen Unterschiede sowohl beim Geschlecht als auch bei der Bildung als Zeichen, dass man „die einzig echte Volkspartei in Wien“ sei. Auch das Ergebnis der realen vergangenen Gemeinderatswahl stützt diese These. Da konnte sich die SPÖ in allen Bezirken an die Spitze setzen, obwohl es große soziodemografische Unterschiede gibt. Anders verhält es sich bei der Bezirksvertretungswahl, wo auch Grüne und ÖVP in einzelnen Bezirken auf Platz 1 landeten.
Ein interessanter Fakt zum Abschluss: Wenn nur unter 30-Jährige wählen dürften, hatte die SPÖ mit 51 Prozent die Absolute.
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