Ein typischer Lkw-Unfall beim Abbiegen

© APA/BERUFSRETTUNG WIEN/UNBEKANNT

Sechs Tote
05/31/2016

Wien: Sicherheitsgipfel nach Unfallserie

14-Jährige in Lebensgefahr. Das größte Problem ist der "tote Winkel".

von Dominik Schreiber

Für die Wiener Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) ist die Schmerzgrenze nun endgültig erreicht. Fünf Tote durch Lkw, ein weiteres Opfer von einem Bus getötet. Unter den Getöteten ist auch ein zehnjähriges Mädchen, das in Simmering überrollt wurde. Dazu schwebt derzeit ein 14-jähriges Mädchen in Lebensgefahr, das am Montag in der Donaustadt von einem Schülertransporter erfasst wurde. Der Blutzoll heuer ist enorm.

Automobilclubs

Am 10. Juni lädt Vassilakou deshalb zu einem Sicherheitsgipfel ins Wiener Rathaus. Experten der Automobilclubs, aus dem universitären Bereich und von der Polizei diskutieren über Möglichkeiten, die Zahl der Unfälle mit Schwerfahrzeugen zu reduzieren.

Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr gab es in Wien elf Verkehrstote, vier davon waren von Lkw verursacht. Die Halbjahresbilanz könnte damit diesen Wert bereits übertreffen.

"Die Opfer sind praktisch immer Fußgänger", sagt ein Vassilakou-Sprecher zum KURIER. Deshalb sei in diesem Bereich dringend Handlungsbedarf gegeben.

Das größte Problem im Stadtverkehr ist der große "tote Winkel" der Schwerfahrzeuge. Der Wiener Unfallforscher Ernst Pfleger hat bereits in den Neunzigerjahren umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass man von der Lkw-Fahrerposition aus ein komplettes Auto und sogar eine ganze Schulklasse übersehen kann. Deshalb passieren die meisten Unfälle auch beim Abbiegen von Schwerfahrzeugen.

"Alte" Ideen

Gegenmaßnahmen gibt es bereits. Der KURIER berichtete sogar schon vor 19 Jahren über die Debatte, größere Rückspiegel vorzuschreiben. Es blieb bei der Debatte. Seither wurden sicherheitsrelevante Vorschriften kaum geändert, obwohl die Technik immer besser wurde. So sind bereits seit bald einem Jahrzehnt elektronische Assistenzsysteme erhältlich, die solche Abbiege-Unfälle verhindern könnten – vorgeschrieben sind sie aber nicht, deshalb gibt es sie oft nur als Extra gegen Aufpreis. Schuld daran ist auch das mangelnde Interesse der letzten Verkehrsminister an solchen Themen, die keine Boulevard-Schlagzeilen liefern konnten.

"Man möchte selbstfahrende Autos auf die Straße bringen und ist gleichzeitig nicht Willens, Lkw mit lebensrettenden Assistenzsystemen standardmäßig auszurüsten. Das ist einfach unverständlich", sagt ein Sprecher des Verkehrsclubs VCÖ.

Ein Thema könnte aber auch die Nutzung von Smartphones sein. Unklar ist, ob diese auch bei den heurigen Unfällen eine Rolle gespielt haben. Hier gäbe es vielleicht Spielraum für die Stadt, um Maßnahmen zu ergreifen. Denn eine Änderung der Straßenverkehrsordnung oder Kraftfahrgesetzes ist unmöglich.

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