Juwelier schoss zwei Mal auf Räuber

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Foto: apa Juwelier in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus

Der Schmuckhändler war zuvor im Gesicht getroffen worden. Er feuerte auf der Straße zurück.

Ishan Eser ist aufgewühlt und den Tränen nahe, als er wenige Meter von seinem Schmuckgeschäft entfernt ein Interview vor einer TV-Kamera gibt. Er schildert, wie er gestern um 10.22 Uhr in seinem Geschäft auf der äußeren Mariahilfer Straße von einem Jugendlichen ausgeraubt wurde.

Juwelierraub 1150 Wien Foto: KURIER/Jeff Mangione Wehrhafter Juwelier: Ishan Eser Eser hat sich gewehrt. In vielen Medien wird er heute ein kleiner Held sein, der den Täter nach einer Rauferei in die Flucht schlug. Seinen Heldenstatus verdankt er einem Grenzgang, der ihn sein Leben hätte kosten können. Und er wirft die Frage auf, wo Notwehr beginnt, und wo sie aufhört.

Der junge Täter gab sich als Kunde aus. Ohne Maskierung, mit einer Tasche in der Hand. Er musterte Goldringe, bevor er aus seiner Tasche einen Hammer und eine Gaspistole zog. „Schau, du wirst gefilmt“, konterte der 42-Jährige und zeigte auf die Kamera im Eck. „Ist mir scheißegal“, antwortete der Bewaffnete. Der Juwelier schindete Zeit, trödelte bei jeder Bewegung, und nahm dem Räuber die Waffe ab. Kurz darauf lagen sich die beiden in den Haaren. Ob sich der Schuss währenddessen oder zuvor gelöst hat, blieb unklar. Er habe den stechenden Schmerz des Gasgemisches in den Augen gespürt, berichtete Eser.

Verfolgungsjagd

Danach wurde es abenteuerlich: Der Geschäftsmann verfolgte den Täter auf der Einkaufsstraße und feuerte zwei Mal auf den Flüchtenden, der ohne Beute in der Haidmanngasse verschwand. Vorweg: Da es sich um eine Gaspistole handelte, konnte niemand ernsthaft verletzt werden. Für Anwalt Werner Tomanek war es auf jeden Fall ein Grenzgang: „Ich würde das nicht empfehlen.“ Eine Notwehr-Situation setze eine „gegenwärtige, unmittelbar drohende Gefahr“ voraus. „Beim Nachlaufen war der Angriff vorbei.“ Tomanek kennt viele Fälle, in denen wehrhafte Überfallopfer „juristischen Ärger“ bekommen hatten.

Im Vorjahr wurden in Wien 28 Schmuckgeschäfte ausgeraubt. Zu Handgreiflichkeiten kam es fast immer. Wenn ein Täter bewaffnet ist, rät Tomanek: „Hergeben – und aus.“ Der Schaden sei versichert. Selbst ein bewaffnetes Opfer sollte einen kühlen Kopf bewahren. „Den Helden zu spielen, kann auch ins Auge gehen.“

Der Täter ist laut Zeugen „noch keine 18“ Jahre alt gewesen. Hinweise an  01/31310-33800.

(KURIER) Erstellt am
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