Wiener Prestigeprojekt: Die Ringstraße wird umgestaltet – und so soll sie künftig aussehen
Neugestaltung der Ring-Straße Renderings.
Ungefähr um 1900 wurde das Radfahren auf der Wiener Ringstraße offiziell erlaubt. Einen eigenen Radweg gibt es seit Mitte der 1980er-Jahre. Der besteht bis heute – mit all seinen Umfahrungen, Querungen und Engstellen. Nun aber will die Stadt umbauen.
Was ist der Plan?
Im Zentrum der Umbauarbeiten steht die Entflechtung von Rad- und Fußgängerweg, wie Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) am Donnerstag verkündete. Das heißt: Es wird einen eigenen Fußgängerweg inmitten der Baumallee geben. Davon unabhängig soll ein durchgängiger Zwei-Richtungs-Radweg entstehen. Letzter soll gut erkennbar sein: Er wird in Sandfarbe erstrahlen. Um Überquerungen deutlicher darzustellen, wird es linsenartige Pflasterungen geben, die dem Radverkehr signalisieren sollen, dass hier mit Fußgängern zu rechnen ist.
Wie verändert sich die Aufteilung der Straße?
Es entsteht ein eigener Fußgängerweg und ein eigener Radweg. Um Platz für den neuen Radweg zu machen, werden einige Auto-Nebenfahrbahnen aufgelassen. Die Hauptfahrbahnen sowie die Bim-Strecken bleiben in der bisherigen Form bestehen. Außerdem wird nicht der gesamte Ring umgebaut, sondern „je nach Nutzungsstärke“ nur die Innen- oder Außenseite, heißt es vonseiten der Stadt. Sprich: Gearbeitet wird nur rechts oder links der Hauptfahrbahnen. Sima erklärte das mit dem Budget: „Wir sind froh, genug Geld für die Umgestaltung einer Seite aufzubringen.“
In welchen Etappen wird gebaut?
Erfolgen wird der Umbau der Ringstraße in vier Abschnitten (siehe Grafik). Den Anfang macht ab Herbst die 500 Meter lange Strecke zwischen den U-Bahn-Stationen Schottenring und Schottentor. In der zweiten Phase wird der Universitätsring sowie der Stubenring, Parkring und Schubertring umgestaltet. In der Dritten der Opernring, der Burgring und der Dr.-Karl-Renner-Ring. In der Vierten und letzten der Kärntner Ring. „Ja, wir haben uns das schwierigste Stück für den Schluss aufgehoben, weil es dort am engsten ist“, sagt Sima. Bei fast allen Abschnitten erflogen die Arbeiten auf der Innenseite des Rings. Nur beim Stubenring, Parkring und Schubertring wird der Radweg an der Außenseite entlangführen. Die Strecke zwischen Urania und Schottenring wird vorerst ausgespart. Das könnte ein Projekt für die nächste Legislaturperiode sein, sagt Sima.
Wann wird mit der ersten Bauetappe begonnen und was beinhaltet sie genau?
Mit der ersten Etappe soll noch diesen Herbst begonnen werden. Umgestaltet wird die Innenseite des Rings. Ein 4,5 Meter breiter Radweg wird gebaut, die Nebenfahrbahn wird dafür weichen. Nur in einzelnen Bereichen wird die Zufahrt bestehen bleiben. Die Allee unter den Bäumen wird künftig ausschließlich für Fußgänger reserviert sein. Außerdem sollen hier zusätzliche 900 Quadratmeter Grünflächen in Form von Sträucherbeeten und 12 neue Bäume gepflanzt werden.
KURIER
Warum wird der Radweg sandfarben?
Das hat nicht nur sicherheitstechnische Gründe, auch die Geschichte spielt eine Rolle: Die Farbe soll eine Anspielung auf die ursprünglich am Ring verlaufenden geschotterten Reit-Alleen sein, erklärt Harald R. Stühlinger, Leiter des Bereichs Kunstgeschichte der TU Wien, der an der Planung beteiligt war. Die Farbe wird nicht aufgesprüht, sondern dem Asphalt beigemischt. Dadurch werde sie länger halten.
Wird der Umbau den historischen Charakter der Ringstraße stören?
„Es liegt in der DNA dieser Straße, eine noble Straße zu sein“, sagt Stühlinger. Mit breiten Fahrbahnen, Nebenfahrbahnen, Trottoir – allesamt getrennt durch Grünstreifen. „Die nun geplante Neugestaltung greift diese innewohnende Idee auf, besinnt sich darauf und schafft eine notwendige Anpassung“, sagt Stühlinger: „Es wird zu keinen Veränderungen kommen, an die wir negativ zurückdenken werden.“
Wann soll das Projekt abgeschlossen?
Der erste Abschnitt soll im ersten Halbjahr 2027 fertiggestellt werden. Das Ziel für das Gesamtprojekt ist es, noch in dieser Legislaturperiode fertig zu werden. Eine leichte Verschiebung könnte aber möglich sein, so Sima.
Wie viel wird das Projekt kosten?
Gesamtkosten für das Projekt werden nicht genannt, das sei in diesem Stadium der Planung „unseriös“. Auch mit Zahlen für den ersten Abschnitt hält sich die Stadt noch zurück, derzeit laufe die Ausschreibung. Die Kosten werden sich aber wohl im mittleren einstelligen Millionenbereich bewegen, heißt es.
Was sagen Experten und die Opposition?
Die Mobilitätsorganisation VCÖ begrüßt die Neugestaltung des Ringradwegs, die aktuelle Situation sei „absolut unzufriedenstellend“. Die Grünen bezeichnen das Projekt als „Schritt in die richtige Richtung, allerdings nur halb.“ Grund dafür ist, dass nur eine Seite des Rings umgestaltet wird: „Es fehlt jede Vision, wie sich die Ringstraße insgesamt entwickeln soll“, heißt es.
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