Wien: 39 Prozent der Pflichtschüler sind Muslime
An Wiens Pflichtschulen spiegelt sich der demografische Wandel: Der Anteil muslimischer Schüler steigt
Zusammenfassung
- Anteil muslimischer Schüler an Wiens öffentlichen Pflichtschulen liegt bei 42 Prozent, während 36 Prozent Christen und ein Viertel ohne Bekenntnis sind.
- Zuwanderung aus arabischsprachigen Ländern hat das Islamverständnis an Schulen verändert und zu traditionelleren Wertevorstellungen geführt.
- 44 Prozent der Schüler nehmen nicht am Religionsunterricht teil; FPÖ und ÖVP fordern Maßnahmen gegen Integrationsprobleme und politischen Islam.
In Wien ist der Anteil an Muslimen in den Wiener Pflichtschulen weiter gestiegen. Im laufenden Schuljahr haben laut Bildungsdirektion bereits knapp 39 Prozent der Kinder und Jugendlichen an Volks-, Mittel-, Sonder- und Polytechnischen Schulen ein islamisches Glaubensbekenntnis. 36 Prozent der Wiener Pflichtschüler sind Christen und rund ein Viertel ist ohne Glaubensbekenntnis, wie Standard und Presse am Mittwoch zuerst berichteten. FPÖ und ÖVP reagierten alarmiert.
Verschiebung zu arabischem Islam
Große Unterschiede bei der Zusammensetzung der Schülerschaft gibt es zwischen den öffentlichen Schulen und den privaten, letztere werden von rund einem Zehntel der Pflichtschüler besucht: Während über die öffentlichen Pflichtschulen hinweg 42 Prozent der Schüler Muslime sind, sind an den Privatschulen Katholiken mit 45 Prozent die mit Abstand größte Gruppe - jeweils vor den Schülern ohne Bekenntnis mit rund einem Viertel.
Im Schuljahr 2024/25 haben muslimische Schüler an den öffentlichen Pflichtschulen noch 41 Prozent ausgemacht, im Jahr davor knapp 40. Seit 2015/16 ist in Österreich - und damit auch an den Schulen - durch die Zuwanderung aus Ländern wie Syrien, Afghanistan und dem Irak vor allem der Anteil arabischsprachiger Muslime gestiegen, was auch das Islamverständnis verändert habe, wie Integrationsexperte Kenan Güngör in der Presse schilderte. Der arabische Islam sei im Vergleich zum türkischen "homogener, koranfixierter, dadurch rigider und "salafistischer"." Auch das an Wiens Schulen gelebte Islamverständnis gehe dadurch "mit deutlich traditionelleren Wertevorstellungen und Rollenbildern für Frauen einher".
44 Prozent nicht bei Religionsunterricht
Der schulische Religionsunterricht wird über alle Konfessionen hinweg von einem Gutteil der Kinder und Jugendlichen nicht besucht, zuletzt nahmen 44 Prozent nicht teil. Wiens Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) plädierte deshalb im "Standard" für Ethik als Fach in Mittelschulen und AHS-Unterstufen für alle, die keinen Religionsunterricht besuchen, wie Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) es zuletzt in seinem "Plan Zukunft" vorgeschlagen hat. In der Volksschule werden gemeinsames soziales Lernen und gemeinsame Werte laut Emmerling schon jetzt etwa im Sachunterricht oder durch Klassenräte vermittelt.
ÖVP und FPÖ fordern Maßnahmen
Mit Empörung hat der Wiener FPÖ-Klubobmann Maximilian Krauss auf die aktuellen Zahlen reagiert. Lehrkräfte an Wiens Schulen würden längst vor massiven Integrationsproblemen, Sprachdefiziten und sinkendem Leistungsniveau warnen. Besonders besorgt sei er über Berichte vom starken Einfluss islamistischer und patriarchaler Wertvorstellungen. Als Reaktion forderte er, "Familienförderung für Österreicher" zu stärken. Illegale Migration müsse gestoppt und Integration konsequent eingefordert werden. "Nur so kann Wien langfristig seine kulturelle Identität und soziale Stabilität bewahren."
ÖVP-Integrationssprecherin Caroline Hungerländer sprach in einer Aussendung von "Wiens Schulen als Spiegel gescheiterter Integrationspolitik". Durch die von Güngör beschriebene Radikalisierung des Islamverständnisses würden Chancen und Freiheiten der Kinder "durch politischen Islam bedroht". Die rot-pinke Stadtregierung habe kein Konzept und keinen Willen, gegenzusteuern. Einmal mehr forderte sie u.a. eine Monitoringstelle für politischen Islam und mehr Prävention und Deradikalisierung an Schulen.