Michael Ludwigs SPÖ legt um fast 3 Prozentpunkte zu: "In Wien zeigt sich die Stärke der SPÖ."

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Chronik Wien
05/26/2019

EU-Wahl: ÖVP siegt auch in Wien, aber SPÖ hält ihre Hochburg

Die ÖVP überholt die Grünen und landet hinter der SPÖ auf dem zweiten Platz. Die Roten legen entgegen dem Bundestrend zu.

von Christoph Schwarz

In Wien stemmt sich die Sozialdemokratie gegen den Bundestrend – zumindest ein bisschen: Während die SPÖ bundesweit leicht verlor, legte sie hier auf 30,6 Prozent zu. Das ist ein Plus von 2,9 Prozentpunkten im Vergleich zur EU-Wahl 2014.

Freilich: Hinter ihren Ergebnissen der Nationalratswahl (34,5 Prozent) oder gar der Wien-Wahl (39,6 Prozent) blieb die SPÖ deutlich zurück. Daran konnten auch die Ibiza-Affäre und der aufgebauschte Streit mit dem türkis-blauen Bund nichts ändern.

Großer Sieger ist auch in Wien die ÖVP: Sie kommt auf 21,1 Prozent. Das sind 4,6 Prozentpunkte mehr als bei der EU-Wahl 2014. Die Türkisen schließen damit sogar zu ihrem besten Ergebnis auf, dass sie in Wien bei einer EU-Wahl je hatten;  im Jahr 1995 waren es 21,9 Prozent.

ÖVP: "Ein Vertrauensbeweis"

ÖVP-Wien-Chef und EU-Minister Gernot Blümel sah im Ergebnis einen „Vertrauensbeweis“ für den Kanzler. Die ÖVP kann die Grünen überholen, die auf 20 Prozent kamen. Bei der vergangen EU-Wahl landeten sie  mit 20,9 Prozent in Wien noch auf dem zweiten Platz. Für Grünen-Frontfrau Birgit Hebein ist das aktuelle Ergebnis ein Grund zur Freude: „Wir Grüne sind zurück.“ Sie will nun „den Schwung mitnehmen“ für die kommenden Wahlen.

Die FPÖ  erringt in Wien 15,5 Prozent der Wählerstimmen; im Jahr 2014 waren es 18,2 Prozent. Deutlichere Unterschiede zeigen sich im Vergleich zur Wien-Wahl: Da stimmten 30,8 Prozent der Wähler für die FPÖ. Generalsekretär Michael Stumpf zeigte sich am Wahlabend erfreut: Nach „diesem beispiellosen politischen Mordversuch“ – gemeint ist  das Ibiza-Video – sei das Ergebnis „respektabel“.

Die Neos, die beim urbanen Publikum tendenziell gut ankommen, schaffen 10 Prozent –  das ist rund 1 Prozentpunkt mehr  als im Jahr  2014. Der Wiener Neos-Chef Christoph Wiederkehr freute sich am Abend über „einen hervorragenden und sehr mutigen Wahlkampf“, der „belohnt“ wurde. Im Vergleich zur Nationalratswahl  habe man „deutlich zugelegt“, sagte Wiederkehr.

Nicht im vorläufigen Endergebnis enthalten sind die Stimmen der 161.557 Wahlkarten-Wähler. An der Reihung  der Parteien werden diese Stimmen jedoch nichts mehr ändern.

Konstant sind die Parteipräferenzen nach Bezirken: Die SPÖ ist in 13 der 23 Bezirken die stimmenstärkste Partei – und zwar in jenen zehn Bezirken, in denen sie auch bei der vergangenen EU-Wahl voran lag, sowie zusätzlich in Margareten. Margareten wanderte damit von den Grünen an die Sozialdemokratie.

Die Grünen liegen damit noch in jenen sieben Bezirken voran, in denen sie auch 2014 gewinnen konnten. Die ÖVP erringt (erneut) in ihren drei traditionellen Hochburgen den ersten Platz: in der Inneren Stadt, in Hietzing und in Döbling.

Die FPÖ und Neos sind in keinem Bezirk die stimmenstärkste Partei. Ihre drei besten Bezirksergebnisse fahren die Neos übrigens in jenen drei Bezirken ein, in denen die ÖVP voran liegt. Am stärksten sind die Pinken in der Inneren Stadt mit 14,3 Prozent der Stimmen.

Die FPÖ schneidet am besten in Simmering ab, wo sie derzeit auch den Bezirksvorsteher stellt. Sie erlangt hier 25,3 Prozent der Stimmen.

Höhere Beteiligung

Wie auch in den anderen acht Bundesländern ist die Wahlbeteiligung klar gestiegen, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau. 47 Prozent der Wiener haben ihre Stimme abgegeben. Das sind knapp 545.000 Menschen – und 3,8 Prozent mehr als im Jahr 2014. Bundesweit lag die Wahlbeteiligung aktuell bei 58,6 Prozent.