Gewalt an Frauen: Männerdemo ging den „Walk of Shame“
Der gebückte Gang „mit eingezogenem Schwanz“ oder „Walk of Shame“ machte auf Männergewalt gegen Frauen aufmerksam.
Die Scham muss die Seite wechseln: Der Appell von Gisèle Pelicot, die jahrelang von ihrem Ehemann betäubt und Dutzenden fremden Männern vergewaltigt wurde, ist zur globalen Forderung gegen Gewalt an Frauen geworden. Männer, die sich demonstrativ schämten, gingen am Freitag bei der Männerdemo über die Wiener Kärntnerstraße.
Auf allen vieren, fast wie ein Tier und tief in Richtung Boden gebeugt. Die Performance „mit eingezogenem Schwanz“ oder „Walk of Shame“ stammt von Theatermacher Stefan Ebner. Ein paar Männer taten es ihm gleich, andere schritten mit geradem Rücken und Schildern mit der Aufschrift „Nie wieder Femizid“ hinterher.
Laut den Autonomen Österreichischen Frauenhäusern (AÖF) gab es in Österreich bis Jahresende 2025 16 Frauenmorde, in diesem Jahr sind es bereits 15 Femizide sowie 45 Fälle von schwerer Gewalt. Die Täter sind vor allem (Ex-)Ehemänner und (Ex-)Partner, manchmal Väter, Brüder oder Bekannte.
Wo Gewalt beginnt: Erzieht eure Söhne
„Da läuft etwas gewaltig schief. Man muss sich dagegen engagieren und das geht uns Männer an. Wir müssen etwas machen“, sagt Cornelius Obonya, einer der bekanntesten Schauspieler und Regisseure Österreichs. Er ist prominenter Unterstützer des Vereins „StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt“, der auch die Demonstration organisiert hat.
Für Obonya beginnt Gewalt gegen Frauen bereits bei der Kindererziehung, im Speziellen von Söhnen: „Es ist wichtig, ihnen beizubringen, dass männliche Kraft und Stärke nichts, aber auch gar nichts mit Gewalt zu tun hat. Wenn das schief geht, verroht auch die Sprache.“ Gemeint sind damit auch sexistische und frauenfeindliche „Witzeleien“, gegen die es Stellung zu beziehen gelte.
Laut Daten der Statistik Austria ist jede dritte Frau ab dem 15. Lebensjahr von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen. Um die Gewalt zu beenden, braucht es laut Maria Rösslhumer, Vorsitzende des Vereins „StoP“, „vor allem Männer, die Vorbilder sind, hinschauen, etwas sagen und tun. Männergewalt ist eine Schande für die Gesellschaft und sie tötet Frauen.“
Für seine Töchter
Aktiv geworden ist Clemens Liehr, der wie auch einige andere der Teilnehmer bereits bei der deutlich größeren Männerdemo im März vor dem Parlament dabei war. Gekommen ist der 48-Jährige vor allem wegen seiner drei Töchter. „Durch sie ist mir bewusst geworden, welches Ausmaß Gewalt an Frauen hat. Ich sehe im Alltag, wie viele alte Klischees noch heute bestehen. Vieles ist immer noch so wie in meiner Kindheit. Das macht mich wütend. Es gibt keine politische Front gegen Männergewalt, die Parteien sind inaktiv“, kritisiert der Vater.
Gekommen ist auch Johannes Rauch, ehemaliger Sozialminister, der einst die bundesweite Ausweitung von „StoP“ unterstützte: „Weil es nicht nur Aufgabe einer Frauenministerin ist, aktiv zu werden, sondern der ganzen Bundesregierung“, erklärte Rauch. Und: „Es reicht nicht, nach dem nächsten Femizid aufgeregt einen runden Tisch oder eine Krisensitzung zu veranstalten. Es braucht Geld und einen langjährigen Plan.“
- Männernotruf: 0800 246 247
- Krisenhelpline Männerinfo: 0800 400 777
- Polizei-Notruf: 133
- Verein Neustart, Beratungsstelle für Gewaltprävention
- Österreichischen Gewaltschutzzentren: 0800 700-217
- Frauenhaus-Notruf: 057 722
- Frauen-Helpline: frauenhelpline.at und telefonisch unter 0800 222 555
- Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF): online unter aoef.at
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