Von Metternich zur Robotik: Wiens Wandel als Stadt der Kongresse
Der Kongress tanzt natürlich: Szene aus "Vienna Game", ab November auf Disney+ zu sehen.
Wir schreiben das Jahr 1814. Napoleon wurde auf die Insel Elba verbannt. In Wien, konkret im Palais des Außenministers Metternich am Ballhausplatz – das heutige Bundeskanzleramt – wird die Aufteilung Europas verhandelt.
Der Wiener Kongress sollte ein einmaliges Erlebnis werden, wie Historikern Katrin Unterreiner in ihrem neuen Buch „Liebe& Macht – hinter den Kulissen des Wiener Kongresses“ schreibt. Denn es kamen nicht nur aus nahezu allen Staaten und Fürstentümer zu dem Treffen, sondern erstmals auch Interessensgemeinschaften.
Die Gelegenheit, so viele Entscheidungsträger an einem Ort vorzufinden, ließen sich viele nicht entgehen. So kam es, dass auch gesellschaftspolitische Fragen wie jene des Sklavenhandels, die bürgerliche Gleichstellung der jüdischen Bevölkerung oder auch die Pressefreiheit diskutiert.
Stoff für Serie
Ein weiteres Novum: Frauen waren nicht nur liebreizender Aufputz, sondern fungierten als Lobbyistinnen und Beraterinnen. Einen großen Einfluss auf die Verhandlungen hatte auch das Menschelnde drumherum. Prägend, so Unterreiner waren unter anderem Liebe, Eifersucht, Kränkungen, Machtspiele und Intrigen. Also ein guter Stoff für eine Serie – „Vienna Game“, bei der Umsetzung hat Unterreiner wissenschaftlich beraten, wird ab November auf Disney+ zu sehen sein.
- Lesen: Das Sachbuch von Katrin Unterreiner (siehe unten) bietet spannende Einblicke hinter die Kulissen des Wiener Kongresses.
- Erleben:Im Schloss Halbturn im Burgenland gibt es bis November eine an das Buch angelehnte Ausstellung. Info: schlosshalbturn.com
- Anschauen: Die Historienserie „Vienna Game“ mit Marlene Tanczik, Daniel Donskoy und Heike Makatsch soll im November auf Disney+ erscheinen.
- Ausprobieren: Von 30. bis 31. Mai kann man ein „Legacy“-Projekt, das wegen eines Kongresses entstanden ist, besuchen – das Festival der Roboter am Karlsplatz.
Gesellschaftlicher Wert
Die wenigsten heutigen Kongresse werden die Weltenordnung im gleichen Ausmaß wie damals auf den Kopf stellen. Dennoch werden dort – mitunter bahnbrechende – Ideen geboren, die sich nachhaltig auf das Zusammenleben auswirken.
Das will man in Wien, immerhin eine der führenden Kongressmetropolen der Welt, einerseits sichtbarer machen, andererseits „den gesellschaftlichen Wert von Meetings erhöhen“, wie es beim Wien Tourismus heißt. Das Vienna Convention Bureau unterstützt Veranstalter darum dabei, die Ziele ihrer Meetings mit Projekten in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Inklusion, Kultur und Nachhaltigkeit zu verknüpfen – diese Projekte firmieren unter dem Namen „Legacy“, also Vermächtnis.
Ein Beispiel dafür ist etwa das Living Planet Symposium der ESA (European Space Agency). Die weltweit größte Konferenz zur Erdbeobachtung hat vergangenen Juni stattgefunden. Parallel dazu wurde für das breite Publikum das Festival „Space in the City“ am Karlsplatz veranstaltet – mit Kunst und Wissenschaft zum Angreifen.
Weltall-Festival am Karlsplatz
„Intellektueller Durchzug“
„Initiativen wie diese kommen den hier lebenden Menschen zugute und fördern die Akzeptanz des Tourismus in der Stadt“, sag Norbert Kettner, Direktor des Wien Tourismus. Auch andere Städte würden an solchen Programmen arbeiten, sagte Kettner in einem früheren KURIER-Interview, aber Wien zähle zu den Pionieren. Für ihn sei „der intellektuelle Durchzug“ fast noch wichtiger als die wirtschaftlichen Effekte, die Kongresse mit sich bringen. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Zwei Drittel der Wienerinnen und Wiener würden Meetings bereits als wichtigen Standortfaktor wahrnehmen.
Ein anderes „Legacy“-Beispiel ist der europäische Lungenkongress, der im September 2024 in der Messe Wien über die Bühne gegangen ist. Damals man zwischen 11 und 18 Uhr beim Eingang des Praters, vor dem Wiener Riesenrad bei der U2-Station Praterstern kostenlose Lungenfunktionstest von Expertinnen und Experten durchführen lassen.
Kunst und Roboter
Und auch heuer stehen wieder „Legacy“-Projekte am Plan. Die EGU (European Geosciences Union) hält ihre Kongresse jährlich in Wien statt. Anlässlich des 20-jährigen Wien-Jubiläums seien langfristige Aktivitäten bis 2030 geplant, unter anderem wird gemeinsam mit Wiener Künstlerinnen und Künstler auf einer Wand von Wiener Wohnen ein Graffito nahe dem Donauzentrum gestaltet.
Zwischen 30. und 31. Mai wird wegen des „International Congress on Robotics and Automation“ das „Festival der Roboter“ am Karlsplatz mit freiem Eintritt stattfinden. Die Wienerinnen und Wiener sollen dort die Möglichkeit haben, Innovationen und Trends der internationalen Robotikforschung sowie eine interaktive Robotikausstellung samt Mitmach-Kinderprogramm zu entdecken.
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