Freiwillige säuberten Kirche in Favoriten von Graffiti

Die Pfarrkirche St. Johann Evangelist wurde im Dezember großflächig beschmiert. Nun wurde sie gereinigt. Wie lange wird das halten?
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Es gibt nicht genug Arbeit für alle Freiwilligen. Nur knapp eine Stunde hat das gemeinschaftliche Weißeln der Pfarrkirche St. Johann Evangelist in Favoriten (auch Keplerkirche genannt) dank all der helfenden Hände gedauert – zuzüglich Vor- und Nacharbeiten durch Profis. Jetzt erstrahlt die Kirche wieder in sauberem Weiß. Von den Schmierereien ist nur noch an wenigen Stellen etwas zu sehen. Vor einigen Tagen sah das noch ganz anders aus. Großflächig leuchteten Graffiti von den Wänden, Schriftzüge und Krakeleien in verschiedenen Farben.

Ereignet hat sich der Vandalenakt im vergangenen Dezember. Seitdem ermittelt die Polizei. Die Kirchengemeinde vermutet, dass es sich bei den Tätern um Personen mit syrischem Hintergrund handeln könnte. Darauf schließen lassen einige Schriftzeichen. Etwa 505, eine Postleitzahl in Syrien. Bestätigt hat sich dieser Verdacht bisher aber nicht.

Malen im Feriencamp

Die Betroffenheit über die Schmierereien war in der Gemeinde – und darüber hinaus im Bezirk und in anderen Glaubensgemeinschaften – groß. Der Zusammenhalt ebenso. Schon im Jänner wurde beschlossen, die Kirche gemeinsam zu übermalen – diese Woche wurde das Vorhaben umgesetzt.

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Die Kirche wurde im Dezember großflächig beschmiert.

Zahlreiche Freiwillige aus den Reihen des interreligiösen Dialogs, einer Initiative für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften, kamen aus diesem Anlass zusammen und griffen zu den Pinseln und Malrollern. So war etwa der Imam des Islamischen Zentrums der Bosniaken anwesend, die Glaubensgemeinschaft Bahá'í brachte gleich mehrere Jugendgruppen aus ganz Österreich mit, die gerade in Wien auf Feriencamp waren.

Aus Jux wird viel Arbeit

Beaufsichtigt wurden die Freiwilligen von Malermeister Gerhard Roschinsky. Er selbst war 28 Jahre in der Erwachsenenbildung tätig, wie er erzählt. In dieser gemeinschaftlichen Aktion sieht er eine Chance: „Die Jugendlichen lernen, dass sie mit einem Jux und einer Schmiererei anderen viel Arbeit machen.“ Und weiter: „Vielleicht sprechen sie ihre Freunde dann auch darauf an und halten sie ab, wenn die auf blöde Ideen kommen“, sagt Roschinsky. Bezahlt wurden die Materialien fürs Übermalen der Kirche mit Spenden. Insgesamt 2.300 Euro sind dafür zusammengekommen.

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Bezirksvorsteher Marcus Franz griff auch zur Rolle, angewiesen von Malermeister Gerhard Roschinsky.

Damit solche Schmierereien in Zukunft seltener vorkommen, wünscht sich die Favoritener Bezirksvertretung eine Videoüberwachung, sagt Bezirksvorsteher Marcus Franz (SPÖ). Gespräche diesbezüglich würden mit der zuständigen Magistratsabteilung laufen. „Eine Kameraüberwachung würde auch die hier im Überwachungsbus stationierten Polizisten entlasten“, sagt Franz, der sich selbst an der Malaktion beteiligte (siehe Bild).

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Die Kirche erstrahlt nun wieder.

Bis Kameras installiert werden, wird es aber noch dauern. Schmierereien können also wieder passieren. „Wir sind bereit“, sagt Franz dazu. Dem pflichtet Matthias Felber, der Pfarrer der Keplerkirche, bei: Farbe sei noch da. „Wir haben mit der gemeinschaftlichen Aktion einen neuen Lösungsansatz gefunden und der ist nicht der Schlechteste.“ Außerdem, so glaubt Felber aus Erfahrung, werde es einige Zeit dauern, bis die Kirche wieder beschmiert wird. Auf den ganz weißen Wänden würde sich vorerst niemand trauen.

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Masoud Almohammad verbrachte seinen Urlaub damit, die Keplerkirche zu streichen.

Masoud Almohammad ist da etwas anderer Meinung: „Ich habe Jugendliche gehört, die vorbeigegangen sind und auf Arabisch gesagt haben, dass sie uns jetzt machen lassen und sie die Kirche dann wieder beschmieren werden.“ Und weiter: „Sie haben nicht gewusst, dass ich sie verstehe“, sagt Almohammad.

„Sie sind feige“

Er selbst ist Kurde aus Syrien, beherrscht die Sprache und arbeitet als Dolmetscher. Auf seinem Weg in die Arbeit habe er die Schmierereien jeden Tag gesehen – und gelesen. Manche der Schriftzüge hätten mehrere Bedeutungen, sagt Almohammad. „Free Sisi“ etwa könne man auch rückwärts lesen.

So stehen lassen, wollte Almohammad das nicht, weshalb er sich bei Pfarrer Felber als Freiwilliger gemeldet habe. „Ich finde furchtbar, was da gestanden ist. Ich finde die Ideologie und die Mentalität furchtbar.“ Seinen Urlaub hat er diese Woche deshalb mit dem Weißeln der Kirche verbracht. „Meine Urlaubspläne waren unwichtiger“, sagt er.

Und er werde wiederkommen, wenn den Worten der vorbeispazierenden Jugendlichen auch Taten folgen sollten: „Wir werden die Graffiti wieder übermalen. Wir sind viele und gemeinsam sind wir stärker. Sie sind feige.“

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