Interreligiöser Kampf gegen Schmierereien auf Gotteshaus
Pfarrer Matthias Felber lud zur symbolischen Graffiti-Entfernung: Aufgrund der Kälte konnte nur eines übermalt werden.
Geschmiert wurde genau auf Augenhöhe. So, als wäre jemand mit der Spraydose einmal rund um die Pfarrkirche St. Johann Evangelist in Favoriten gegangen. Von vorne bis hinten, kaum ein freies Fleckerl ist übrig geblieben. Überall sind Schriftzüge und Krakeleien zu sehen. In Schwarz, rot, pink und blau. Geschehen ist das Ganze schon vor über einem Monat. Seitdem sitzt der Schock in der Kirchengemeinde – und darüber hinaus im gesamten Bezirk – tief. Dermaßen, dass diese Woche trotz widrigster Bedingungen und Minusgraden symbolisch ein Graffito entfernt wurde.
Vertreter unterschiedlichster Religionsgemeinschaften sowie aus dem Bezirk und sogar aus der MA 17 (Integration und Diversität) kamen zu dem Anlass zusammen. Aus Solidarität, heißt es mehrfach aus den Reihen. „Die Sprühaktion hat heftige emotionale Reaktionen ausgelöst“, sagt Matthias Felber, Pfarrer der sogenannten Keplerkirche und Dechant von Favoriten. „Aufgrund all dieser Solidaritätsbekundungen haben wir den nächsten Schritt gesetzt. Gemeinsam mit den Freunden aus anderen religiösen Gemeinschaften wollen wir zeigen, dass wir zusammenstehen und das ablehnen.“
Mitglieder unterschiedlicher Kirchengemeinden, der Bezirksvorstehung und der MA 17 kamen für den symbolischen Akt zusammen.
Mit der Entfernung von nur einem Graffito hat sich die Sache aber natürlich nicht erledigt. Dafür sind die Schmierereien zu groß und umfangreich. Mehr als der symbolische Akt ist derzeit aber nicht möglich. Es ist einfach zu kalt, sagt Malermeister Gerhard Roschinsky. „Die meisten Anti-Graffiti-Mittel wirken erst ab plus 5 Grad. Wir haben dieser Tage aber Minustemperaturen, die Mauern sind durchgefroren.“ Also heißt es: warten. Warten auf den Frühling. Warten auf die Wärme.
Ist ein Graffito da, folgen die nächsten
Eigentlich wäre man die Schmierereien aber gerne so schnell wie möglich losgeworden. „Wenn schon Graffiti da sind, werden die Leute immer mutiger und immer mehr Menschen hinterlassen dann ihre Markierung“, sagt Marcus Franz, der Bezirksvorsteher von Favoriten (SPÖ). „Wir haben auch andere Objekte im Bezirk, bei denen wir gesehen haben, dass es besser ist, wenn wir die Schmierereien rasch entfernen.“
Für die Reinigung der Kirche im Frühling haben sich jedenfalls schon viele helfende Hände angekündigt. Vor allem aus den Reihen des interreligiösen Dialogs, einer Initiative für die Zusammenarbeit von Vertretern unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften. „Wir können gar nicht so viele Pinsel und Arbeitsschürzen finden, wie Hilfsangebote da sind“, sagt Pfarrer Felber. Auch Geld sei gespendet worden.
Großer Schaden: Fassade, Statue und Stein-Sockel beschmiert
Nötig ist das, denn der Schaden ist groß. Neben den typischen Graffiti-Spraydosen wurden nämlich auch Lacke verwendet. Und zusätzlich zur Mauer wurden auch eine an der Fassade angebrachte Statue sowie der Stein-Sockel beschmiert. Beides besonders schwer zu reinigen.
Von wem die Graffiti stammen, weiß man derzeit noch nicht. Die Polizei ermittelt gegen unbekannte Täter. In der Kirchengemeinde allerdings vermutet man zwei unterschiedliche Tätergruppen, darunter eine mit syrischem Hintergrund. Darauf schließen lassen einige Schriftzeichen. Etwa 505, eine Postleitzahl in Syrien. Die Polizei bestätigt den Verdacht allerdings noch nicht.
Pfarrer berührt von Solidarität
Geschockt zeigte man sich auch vonseiten des Islamischen Zentrum der Bosniaken von Österreich. „Ich denke, dass wir als Muslime jetzt eine große Pflicht in der Gesellschaft haben, aufzuzeigen, was nicht Teil unserer Religion ist. Nur weil einige Menschen so etwas machen, werden wir alle abgestempelt“, sagt Imam Hadis Bosnjak. Für ihn war von Beginn an klar, dass man Unterstützung anbieten wolle. „Vor ein paar Jahren gab es auch Angriffe auf muslimische Einrichtungen im Bezirk. Auch damals haben wir alle ein gemeinsames Statement abgegeben.“ Pfarrer Felber zeigt sich von der Solidaritätswelle berührt: „Das heilt auch wieder etwas von dem, was angekratzt und verletzt wurde.“
Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass die Keplerkirche beschmiert wurde. Die Intensität aber sei neu. Dazu kommt, dass die Kirche heuer im Oktober ihr 150. Jubiläum feiert. Spätestens bis dahin soll sie wieder strahlen.
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