Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Mann (44) attackiert in Wien Kind und zeigt in U1 Hitlergruß: Prozess

Ein 44-Jähriger beschimpfte Kinder und Jugendliche, war gewalttätig und skandierte Hitlergruß - jetzt muss er sich in einem Geschworenenprozess am Wiener Landesgericht verantworten.
Vienna Regional Court to decide on Austrian businessman Rene Benko's pre-trial detention

Am Wiener Landesgericht ist am Montag gegen einen 44-jährigen Mann verhandelt worden, der im vergangenen Sommer aus rassistischen Beweggründen wiederholt auf Personen losging, nachdem er sie zunächst als "Scheiß Ausländer" und mit noch weit derberen Ausdrücken beschimpft hatte.

Das jüngste Opfer des Angeklagten war ein zehn Jahre alter Bub, dem er einen Fußtritt verpasste, als er dem Kind im Innenhof seiner Wohnhausanlage in Wien-Donaustadt begegnete.

Angeklagter beschimpfte Kind und verpasste ihm Fußtritt

Der Bub spielte am 31. August 2025 alleine mit einem Fußball, als der Angeklagte an ihm vorbeiging, ihn beschimpfte und gewalttätig wurde - "völlig grundlos", wie die Staatsanwältin betonte. Der Bub, der am linken Unterschenkel leicht verletzt wurde, rief nach seinem Vater. Als dieser den Angreifer zur Rede stellte, kam es zu weiteren Beleidigungen, die sich nun gegen den Vater richteten.

Nur wenige Stunden zuvor hatte der 44-Jährige in einer U-Bahn-Station der Linie U1 für Aufsehen gesorgt, indem er eine Familie mit zwei kleinen Kindern mit ausländerfeindlichen Sprüchen bedachte. Als ein Fahrgast eingriff und den Mann zur Mäßigung aufforderte, versetzte dieser ihm einen Faustschlag ins Gesicht. Dann hob er plötzlich seine rechte Hand zum Hitlergruß, wobei er von einem weiteren Fahrgast mit dem Smartphone gefilmt wurde.

Anklage wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung

Deswegen musste sich der Angeklagte nun nicht nur wegen Körperverletzung, Beleidigung und gefährlicher Drohung vor Gericht verantworten. Die Anklage legte ihm auch nationalsozialistische Wiederbetätigung im Sinne des NS-Verbotsgesetzes zur Last. Eine Reihe von U-Bahn-Benutzerinnen und -Benutzern hätten den Hitlergruß wahrgenommen, der Angeklagte habe sein Verhalten selbst dann nicht eingestellt, als er mitbekam, dass er gefilmt wurde, sagte die Staatsanwältin.

Drei Vorfälle an einem Tag

Ein dritter Vorfall, der sich am selben Tag ereignet hatte, betraf vier Jugendliche, die vom Angeklagten als Nicht-Österreicher gelesen wurden und denen er gegen 19.30 Uhr vor seiner Wohnung über den Weg lief.

Nach neuerlichen Beschimpfungen zertrümmerte er eine halb volle Bierflasche und drohte den Burschen mit dem Tod, indem er die abgebrochene Flasche in ihre Richtung hielt und "Kommt’s her! Ich stech euch alle ab!" rief. Die Jugendlichen alarmierten die Polizei, der Mann wurde vorläufig festgenommen.

Im Zuge der Erhebungen stellte sich dann heraus, dass der Mann bereits am 12. August 2025 an einer Straßenbahnhaltestelle mit ausländerfeindlichen Parolen für einen Polizeieinsatz gesorgt hatte. Einem Mann, der ihn zur Räson bringen wollte, schlug er laut Anklage dessen Mobiltelefon aus der Hand und drohte ihm mit dem Umbringen.

Depressionen und Alkoholkonsum

"Die Vorwürfe sind richtig", bemerkte der Verteidiger. Sein Mandant übernehme "die volle Verantwortung für seine Taten". Das "wahre Problem" seien dessen Depressionen und ein übermäßiger Alkoholkonsum.

Kommentare