Für faire Preise: Bauern ziehen mit Traktor-Demo durch Wien
Ein Traktoren-Konvoi zog laut hupend vom Landwirtschaftsministerium bis zum Parlament.
Österreichs Bäuerinnen und Bauern sind "wütend", "maximal enttäuscht" und viele fürchten um ihre Existenz. Um sich Gehör zu verschaffen, riefen das Bündnis "Zukunft Landwirtschaft" sowie mehrere Initiativen am Mittwoch zum Protest auf. Und etliche Landwirte und Landwirtinnen folgten dem Aufruf.
Ab 13 Uhr rollten geschätzt 50 bis 60 Traktoren nach Wien und tuckerten mit einem lauten Hupkonzert in einem langen Konvoi vom Landwirtschaftsministerium bis zum Parlament.
Demonstriert wurde für faire Preise und verpflichtende Herkunftskennzeichnungen bei Lebensmitteln, vor allem aufgrund von Importen, die das Mercosur-Handelsabkommen mit Staaten Südamerikas möglich machen soll. Mitgebracht haben die Teilnehmer Mistgabeln, Transparente, Trompeten, Kuhglocken und eine riesige, aus Holz geschnitzte Schachfigur. Darunter steht "Auf Bauer - wehr dich!"
Einer der Teilnehmer ist der 27-jährige Bio-Heumilchbauer Stefan R. aus der Steiermark, der auch Fleisch vermarktet. Das EU-Mercosur-Abkommen würde Produkte auf den Markt bringen, die unter viel schlechteren Bedingungen erzeugt werden, als heimische Betriebe sie einhalten müssen. "Da kommt man sich verarscht vor", sagt er. Was er auch fürchtet: Dass das ausländische Fleisch den Preis drückt, mit dem er konkurrieren muss, aber gleichzeitig viel strengere Auflagen erfüllen muss.
Maximal stolz, aber auch maximal enttäuscht
Unzufrieden sind die Landwirte und Landwirtinnen auch mit der Landwirtschaftskammer und dem ÖVP-Bauernbund, von dem man sich nicht gut und nicht stark genug vertreten fühlt. "Maximal enttäuscht" sind die Gemüsebauern Martin R. und Reinhart B. aus dem niederösterreichischen Marchfeld. Was sie heute zur Demonstration bewegt hat: "Es gab immer schlechte Jahre, aber jetzt haben wir keine Perspektive mehr."
Auch sie kritisieren, dass mit Mercosur bei heimischen und ausländischen Produkten mit zweierlei Maß gemessen werde. Unfair finden sie auch die Preise für ihre Erzeugnisse - für sich selbst aber auch für Konsumenten. "Der Konsument zahlt viel Geld, aber wir Bauern sehen nichts davon. Wir verdienen an einem Kilo Zwiebeln vielleicht 10 Cent und diese Diskrepanz ist das Schlimme."
Gemüsebauern aus dem Marchfeld: Martin R. und Reinhart B.
Zu schaffen machen der Branche auch gestiegene Kosten für Dünger und Treibstoff, getrieben durch den Iran-Krieg. Was sie auch berichten: "Die Betriebe schreiben nur mehr ein Minus. Wir machen unseren Beruf gerne und sind maximal stolz, sind in der Krise aber die Bauernopfer."
Totschnig will Energiekostenausgleich für Agrardiesel
Als "völlig berechtigt" bezeichnet Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) die Forderungen der Landwirtschaft per Aussendung. Als Ausgleich für die Wettbewerbsnachteile der heimischen Produzenten befürworte er einen Energiekostenausgleich für Agrardiesel.
Was die Herkunftskennzeichnungen betrifft, verweist Totschnig auf die EU: "Wir warten seit Längerem auf einen konkreten Vorschlag der Europäischen Kommission für eine EU-weite Herkunftskennzeichnung. Die Kommission ist hier schon zu lange säumig und muss endlich einen Vorschlag auf den Tisch legen.“
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