Chronik | Wien
04.01.2013

Bald schauen die Damen aufs Männerklo

Ab kommender Woche hängt der Spionspiegel des Dots auf dem Damen-WC.

Marzipan-Sushi. Für solche kreativen Häppchen könnte das Dots, ein japanisches Restaurant auf der Wiener Mariahilfer Straße, bekannt sein. Doch in den vergangenen Wochen drehte sich alles um den Klo-Spiegel des In-Lokals.

Auf dem stillen Örtchen hängt ein Spionspiegel, der es Männern beim Verrichten ihres kleinen Geschäfts vor dem Pissoir erlaubt, Frauen zu beobachten. Nicht beim Geschäftlichen, sondern vor dem Waschbecken. Ganz ungewollt werden Männer zu Voyeuren, die Techniken des Händewaschens und Schminkens beobachten können. Und dies eine Zeitlang klammheimlich. Denn als der KURIER das erste Mal darüber berichtete, wussten die weiblichen Gäste gar nicht, dass sie männlichen Blicken ausgesetzt sind.

Die Wirtschaftskammer, Konsumentenschützer, Politiker und Politikerinnen waren empört. Der Lokalchef reagierte darauf, indem er eine Warntafel für die Frauen montierte. Kundinnen wandten sich aber an die Gleichbehandlungsanwaltschaft. Ein Verfahren läuft gerade. Das Lokal musste eine Stellungnahme abgeben – und die dürfte einigen männlichen Gästen nicht munden.

Denn nun dreht der Lokalbetreiber den Spieß tatsächlich um. Nikolaus Rast, der Anwalt des Gastronomen, möchte den Vorwurf der Diskriminierung nicht auf seinem Mandanten sitzen lassen: „Das ist eine künstlerische Intervention“, sagt er. Und, so heißt es schriftlich in seiner Antwort an die Gleichbehandlungsanwaltschaft: „Meine Mandatschaft plant in Umsetzung dieses Kunstprojektes ab Jänner 2013 den gegenständlichen Spiegel umzudrehen, sodass ,Gleichberechtigung‘ hergestellt ist.“

Das klingt wie ein Scherz, ist aber keiner. Denn für den Umbau gibt es Pläne: Die Pissoirs hängen voraussichtlicher ab kommender Woche so, dass Männer von hinten den weiblichen Blicken ausgesetzt sind. Rast sagt: „Mein Mandant liebt Kunst. Es wäre nie in seinem Sinn, die Rechte von Frauen herabzuwürdigen.“

Kein Verständnis

Ingrid Nikolay-Leitner, die Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft, sagt klar: „Den Spiegel umzudrehen, ist um nichts besser.“ Das würde keine Gleichberechtigung herstellen. Im Spiegel ortet sie einen klaren Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot. „Diese Rechtsansicht würden wir vertreten.“

Sanktionen hat der Wirt nicht zu erwarten. Diese kann nur ein Gericht verhängen. Die Anwaltschaft gibt eine Empfehlung ab. Demnach könnte das Problem leicht gelöst werden: Der Gastronom könnte den Spion­spiegel ersetzen. Andernfalls müsste er den Frauen – und später eben den Männern – eine Alter­native schaffen, auf die sie ausweichen können. Nikolay-Leitner: „Dann können Gäste selbst entscheiden, ob sie an dem Projekt teilnehmen wollen.“