Chronik | Wien
04.12.2018

Wie geht's weiter? Pattstellung beim Hietzinger Parkpickerl

Stadt fordert Sofortlösung vom Bezirk, Bezirk wiederum sieht die Stadt in der Pflicht

„Wir sind enttäuscht“ sagt Alexandra Steiner von der Bürgerinitiative „ Hietzing FÜR ein Parkpickerl“ Montagnachmittag. „Wir haben schon gehofft, dass heute etwas herauskommt.“

Wie berichtet, hat sich die grüne Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou Montagvormittag mit den Parteien der Hietzinger Bezirksvertretung zum Parkpickerl-Gipfel getroffen. Die Gespräche seien zwar konstruktiv verlaufen, aber: „Nichts Neues im Westen“, vermeldete Bezirksvorsteherin Silke Kobald (ÖVP) nach der Zusammenkunft. Auch Vertreter von Bezirk-Neos und -FPÖ sehen vor allem Maria Vassilakou gefordert: Es brauche ein Gesamtkonzept für Wien.

Aus Vassilakous Büro heißt es daraufhin: „Ein neues System würde lange dauern. Die Hietzinger brauchen aber eine Sofortlösung, das kann derzeit nur der Bezirk beschließen.“ Und: „Für ein wienweites System braucht es Einigkeit unter den Parteien – die gibt es derzeit nicht, also würde auch kein System eine Mehrheit im Gemeinderat bekommen.“

Wie geht es nun weiter? Die Stadt wird dem Bezirk die Zahlen zur aktuellen Stellplatzauslastung weiterleiten. Dann soll weiter gesprochen werden.

Angst vor Stagnation

Die Vertreter der Pro-Parkpickerl-Initiative in Hietzing haben nun Sorge, dass sich bis zur nächsten Wahl in zwei Jahren nichts ändern wird. „Dabei ist die Situation vor allem in Alt-Hietzing jetzt schon schlimm“, sagt Steiner. Die Initiative hat in den vergangenen Wochen 1130 Unterschriften gesammelt. Dazu kommt ein Offener Brief von 36 Geschäftstreibenden.

Angesprochen auf diese Initiative verweist Bezirksvorsteherin Kobald auf das Ergebnis der zweiten Parkpickerl-Befragung im Frühjahr 2017. Dabei hatte sich die Mehrheit der Bewohner – „in allen Grätzeln, auch in Alt-Hietzing“ – gegen eine Parkraumbewirtschaftung ausgesprochen. „Wir können dieses Ergebnis nicht einfach ignorieren. Seitdem hat sich schließlich nichts Gravierendes verändert.“

Verändern wird sich demnächst aber wieder einiges: Zum einen tritt am 1. Juli das Parkpickerl in Döbling in Kraft. Auch die Ausweitung des Simmeringer Pickerls könnte im Sommer Realität werden. Kobald glaubt nicht, dass diese Änderungen in Hietzing spürbar sein wird. Doch für die Pendler stehen dann nur noch vier Bezirke zum Parken zur Verfügung: Hietzing, Floridsdorf, Donaustadt und Liesing.

Ulrich Leth vom Institut für Verkehrswissenschaft von der Technischen Universität Wien rechnet deshalb schon damit, dass Hietzing der nächste Bezirk sein wird, der ein Parkpickerl einführt. „Ich gehe davon aus, dass der Parkdruck steigen wird und dass eine Befragung im kommenden Jahr anders ausgehen würde als beim letzten Mal. Der Verdrängungseffekt ist bis jetzt noch immer eingetreten.“