Das Flachlandtapir fängt sich im Winter wie viele Menschen manchmal einen Schnupfen ein

© /Norbert Potensky

Tiergarten
11/02/2014

Wenn der Winterpelz Saison hat

Der Schönbrunner Zoo macht den Wintercheck und heizt den Tieren ordentlich ein.

von Birgit Seiser

Die Hauben sind wieder auf den Köpfen, und diese Woche mussten sogar schon Eiskratzer so manches Auto vom Frost befreien. Der Winter steht unweigerlich vor der Tür. Die Bewohner des Tiergartens Schönbrunn haben zwar weder für Haube noch für Eiskratzer eine Verwendung, auf die kalte Jahreszeit vorbereiten müssen sie sich aber trotzdem. 700 verschiedene Tierarten leben im Traditionszoo mitten in Wien. Erstaunlicherweise sind es aber nur fünf von ihnen, die sich in den Wintermonaten rar machen. "Einige Vogelarten und Schildkröten müssen in ein andere Gehege übersiedelt werden. Die Präriehunde halten Winterruhe und sind dann nur selten zu sehen", erklärt Zoologin Simone Haderthauer.

Für alle anderen Tiere ist die kalte Jahreszeit aber weitaus weniger hart, als man vielleicht vermuten könnte. Obwohl Löwe, Elefant und Co. aus wärmeren Klimazonen kommen, scheinen sie den Winter in Österreich zu genießen.

Zeit zum Kuscheln

Sollten die Pfoten doch einmal frieren, helfen in die Gehege integrierte Bereiche mit Fußbodenheizung und Wärmelampen. Einen besonderen Trick um sich warm zu halten, haben die Zebramangusten: Die kleinen Raubtiere kuscheln sich unter der Wärmelampe eng aneinander und sorgen so für entzückte Blicke der Zoobesucher.

Andere "Kaliber" sind die Elefanten, die zwar nicht kuscheln, dafür aber den kulinarischen Reiz von Schnee entdeckt haben. "Die Elefanten kommen auch bei Schneelage regelmäßig ins Freigehege. Ihnen macht das nichts aus. Wir müssen nur aufpassen, dass sie den Schnee nicht essen", erzählt die Zoologin. Denn das Verspeisen der weißen Pracht führt auch bei Tieren zu einem Problem, das wir Menschen gut kennen – einer Verkühlung.

Vor allem bei den Flachlandtapiren läuft dann hin und wieder das Rüssel-Näschen. "Die zwei sind etwas unvernünftig und baden auch, wenn es wirklich kalt ist. Da müssen wir aufpassen, dass sie sich nicht erkälten", sagt Haderthauer. Überhaupt umsorgen die Tierpfleger ihre Schützlinge mit viel Liebe und gehen individuell auf die Vorlieben jeder Art ein.

Zimmerservice

Gar nicht genug Liebe kann es anscheinend für die Nashörner geben. Deshalb hat sich der Zoo bei der Pflege der imposanten Tiere, etwas Besonders einfallen lassen: "In ihrem Gehege hängt eine Kuhglocke. Wenn sie mit ihrem Horn daran stoßen, kommt ein Pfleger zu ihnen", erklärt die Zoologin. Obwohl die Nashörner den kalten Winter aus ihrer Heimat Indien nicht kennen, kommen sie gut mit der Witterung zurecht.

Der Zoo-Alltag ändert sich im Winter also nicht drastisch. Einziges Problem für viele Tiere ist, dass ihr Hauptnahrungsmittel – Blätter – nicht an allen Bäumen sprießt. "Wenn die Bäume im Frühsommer besonders saftige Blätter haben, frieren wir diese einfach ein", erklärt Haderthauer. Wie Tiefkühl-Pizza für Menschen, gibt es für die Orang-Utans dann eben Tiefkühl-Lindenblätter.

2,2 Millionen Besucher jährlich

Von den Habsburgern 1752 gegründet, ist der Tiergarten in Wien-Hietzing der älteste noch bestehende Zoo der Welt. Verschiedene Themenhäuser wurden über die Jahre erneuert und so immer mehr Tiere in Schönbrunn beheimatet. Über 8000 Tiere leben derzeit in Schönbrunn, die über 700 verschiedene Arten angehören. Der zirka 17 Hektar große Zoo lockt jährlich mehr als zwei Millionen Besucher an und wurde im Jahr 2012 zum dritten Mal in Folge zum besten Zoo Europas gekürt. Seit dem Jahr 1996 ist der Tiergarten als Teil der Gesamtanlage Schloss Schönbrunn sogar UNESCO- Weltkulturerbe. Rund 100.000 Menschen lassen es sich 39 Euro kosten, um immer in den Zoo gehen zu können: Sie haben sich Jahreskarten zugelegt.

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