Bio-Wein-Affäre: Minsterium prüft, Spar etikettiert auf "nicht-bio" um
Der sogenannte „Bio-Weinskandal“ auf dem städtischen Weingut Cobenzl dürfte noch lange nicht ausgestanden sein: Denn hieß es bisher, dass Konsumenten gar nicht betroffen seien und kein falsch etikettierter Bio-Wein in den Handel gelangt sei, könnte genau das sehr wohl passiert und es zu Verstößen gegen die EU-Bio-Verordnung gekommen sein. Der größte Cobenzl-Abnehmer – der Lebensmittelriese Spar – hat jedenfalls schon reagiert und jetzt alle Bio-Weine vom Cobenzl auf „konventionell“ umetikettiert.
„Wir haben beschlossen, die Bio-Kennzeichnung bei den Cobenzl-Weinen vorläufig wegzugeben, so lange, bis das Weingut seine interne Prüfung abgeschlossen hat und veröffentlicht wurde, was wirklich Sache ist“, erklärt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann zum KURIER. Nachsatz: „Wir tun das als reine Vorsichtsmaßnahme.“ Betroffen sei sowohl der stationäre Handel als auch der Weinwelt-Onlineshop.
Dabei geht es auch um die eigentlich unproblematischen Jahrgänge 2023 und 2025, denn nur 2024 war es laut Angaben des Weinguts zu einem Kunstdünger-Einsatz am Bisamberg gekommen. Danach wurden im Sommer 2024 insgesamt 30 Hektar Rebfläche (die Hälfte der Gesamtfläche) auf nicht-bio rückgestuft; wegen der dreijährigen Umstellungsphase sind somit erst wieder 2028 Cobenzl-Bio-Weine vom Bisamberg möglich.
Den 2024er-Jahrgang gibt es im Spar-Onlineshop derzeit überhaupt nicht mehr zu kaufen – auch nicht aus Grinzinger Bio-Lagen. Tatsächlich ist dieser Jahrgang in den Fokus des Gesundheitsministeriums geraten, das die Causa als Oberbehörde derzeit prüft. „Diese Prüfung ist noch nicht abgeschlossen, daher können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine abschließende rechtliche Bewertung abgeben“, heißt es aus dem Ministerium zum KURIER.
Alles dreht sich dabei um die versuchte „Rettung“ der erklecklichen Menge an Bio-Trauben des 2024-Jahrganges: Denn ein Weinbaubetrieb darf nur unter strengen Auflagen zugleich bio und nicht-bio produzieren, weil sonst die Gefahr von Kontaminierung zu groß wäre. Und daher braucht es laut Verordnung zwei unterschiedliche Betriebsnummern (für bio und nicht-bio), eine Trennung der Produktionseinheit und eine deutliche Unterscheidbarkeit der (Wein-)Sorten. Dieser Sachverhalt wird auch von beiden am Cobenzl involvierten Bio-Kontrollstellen (Lacon und ABG) grundsätzlich bestätigt.
Bio-Umstellung
Das Weingut Cobenzl – seit 1907 in Stadtbesitz – startete 2020 mit der Bio-Umstellung. 2023 gab es den ersten zertifizierten Bio-Wein.
Chemie-Einsatz
Wie der KURIER aufdeckte, kam es 2024 zu einem Chemie-Einsatz am Bisamberg. Wein von dort durfte dann nicht mehr bio sein.
Nur eine Betriebsnummer
Faktum ist: Das Weingut Cobenzl respektive der Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) hatte immer nur eine offizielle Betriebsnummer, wie sowohl Vize-49er-Chef Günther Annerl als auch das Ministerium bestätigen. „Ob und wie dabei die bio-rechtlich erforderliche Trennung von konventionell und biologisch bewirtschafteten Flächen eingehalten wurde, ist Teil der laufenden Überprüfung“, so das Ministerium. Bei Verstößen in Sachen „Betriebstrennung, Dokumentation oder Vermarktung“ seien „unter anderem Kennzeichnungsverbote, Rückstufungen oder Verwaltungsstrafverfahren“ möglich. Annerl verweist in dieser Frage „an die zuständige Behörde“.
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