Chronik | Wien | Vorrangkinder
02.09.2018

Schulbeginn: Straßenverkehr als wichtigstes Fach

Die Wiener Polizei sorgt zwei Wochen lang dafür, dass die Kinder wohlbehalten in die Schule kommen

Ab Montag heißt es für die Schüler in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland wieder: Schulbank drücken. Damit am Weg dorthin nichts schief geht, ruft der KURIER zusammen mit der Wiener Polizei, der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) zum bereits neunten Mal die Aktion „Vorrang für Kinder“ ins Leben. Polizisten in der Bundeshauptstadt werden riskante Kreuzungen und Straßen sichern.

Wie gefährlich der Weg zur Schule sein kann, zeigen die Zahlen des vergangenen Jahres. 2017 gab es österreichweit 498 Schulwegunfälle, bei denen 509 Kinder verletzt wurden. In Wien ist es durchschnittlich jede Woche zu mindestens einem Verkehrsunfall gekommen.

Um die Schüler so gut wie möglich auf den Straßenverkehr vorzubereiten, nimmt der Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit, Othmar Thann, die Erziehungsberechtigten in die Pflicht: „Die Eltern sollten auf jeden Fall das Vorbild im Straßenverkehr sein. Wir wollen den Tipp mitgeben, die Kinder nicht zu überfordern und nicht wie kleine Erwachsene zu behandeln. Am besten sollte man schon am Sonntag den Schulweg abgehen. Die größte Gefahrenquelle ist eindeutig die Geschwindigkeit der Autofahrer. Deshalb setzen wir uns auch für Tempo 30 auf Schulwegen ein.“ Thann ermahnt die Lenker dazu, in der Nähe von Schulen bewusst langsam und aufmerksam zu fahren. Laut dem Experten scheitere es meistens an Banalitäten, die dann zu Verkehrsunfällen führen würden. Besonders wichtig sei, die Schüler nicht immer mit dem Auto vor die Schule zu bringen, sondern ihren Schulweg regelmäßig zu üben.

Polizei als Aufpasser

Am Donnerstag durften bereits einige Kinder vor der Volksschule Börsegasse mit einem ganz speziellen Gast den Schulweg proben. Kein geringer als Wiens Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl schaute den Kleinen nämlich über die Schulter. „Unsere Aktion bezieht sich darauf, dass sie ordentlich eingeschult und fit für den Straßenverkehr sein sollen. Und sich dementsprechend auch die Eltern vorbildlich verhalten und einfach mithelfen, auf die Kleinen aufzupassen“, erklärt er.

In Zeiten von Smartphone und Co. seien laut Pürstl die elektronischen Geräte mittlerweile auch ein großes Thema geworden. „Es haben Erwachsene Handys, es haben Kinder Handys – und die haben im Straßenverkehr nichts verloren. Nicht nur bei Autofahrern, auch bei Fußgängern. Wenn man sich selbst an der Nase nimmt, dann ist schon viel geholfen“, betont Pürstl.

Stundenplan plus Tipps

Wer mit Kindern den Schulweg übt, sollte einen wichtigen Tipp der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt beherzigen: Weil Kinder aufgrund ihrer Körpergröße einen anderen Blickwinkel haben, können sie ihr peripheres Sehen noch nicht zur Gänze ausnutzen. Deshalb sollte man am besten auf Augenhöhe der Kleinen den Weg analysieren und die Situationen erklären. Denn nur so kann man tatsächlich die Sicht der Schüler verstehen. Außerdem sollte man sich vom Kind führen und erklären lassen, bei welchen Situationen besondere Aufmerksamkeit gefordert ist. So ist ersichtlich, ob die Erklärungen auch wirklich angekommen sind. Weiters sollte nicht automatisch der schnellste Weg zur Schule ausgesucht werden, denn der ist nicht immer der sicherste.

Im Zuge der Aktion werden insgesamt 200 Hotspots gesichert und 65 von Schülerlotsen besetzt sein. Um den Kindern auch etwas Lehrreiches für die nächsten Wochen mitzugeben, verteilt der KURIER in den kommenden zwei Wochen Stundenpläne. Auf diesen sind wichtige Verhaltensregeln und Tipps notiert. Wer keinen ergattern konnte, kann ihn auch online herunterladen.