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Chronik Wien
12/02/2021

Vom Geheimdienst ans Corona-Rednerpult

Hermann Mitterer ist im Brotberuf Oberst beim Bundesheer. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit der „Corona-Diktatur“. Doch er ist kein Einzelfall.

von Antonio Šećerović

Hermann Mitterer arbeitet beim Heeresnachrichtenamt (HNA). Bei dem Auslandsnachrichtendienst hat er Zugriff auf geheime und sensible Informationen, die maßgeblich zur Sicherheit des Landes und der Bevölkerung beitragen.

Doch Mitterer ist auch anders engagiert: Übernächstes Wochenende soll er in die Rolle des Redners bei einer Corona-Demo schlüpfen. Bei der Kundgebung „Nein zur Corona-Diktatur“ in Wien und Linz will er sich an die Maßnahmengegner wenden.

„Aufklärung“ für Beamte

Auf einem Ankündigungsplakat wird Mitterer als Initiator der Gruppe „Beamte für Aufklärung“ vorgestellt. Im Raum steht auch der Vorwurf, dass er einen Brief mitverfasst haben soll, in dem Stimmung gegen die Impfung gemacht wird.

Schon damals hat sich das Verteidigungsministerium davon distanziert. Und auch die Teilnahme bei der Corona-Demo stößt beim Bundesheer auf Befremden. „Die disziplinarische Abteilung prüft derzeit den Fall“, bestätigt Sprecher Michael Bauer. Das Innenministerium wollte den Fall nicht kommentieren.

„Ich werde bei der Demo natürlich nicht als Funktionär des Bundesheeres, sondern als Privatperson sprechen“, sagt Mitterer zum KURIER. „Dass ich Offizier bin, ist eben mein Beruf, so wie jemand Mechaniker ist“.

Das Disziplinarverfahren gegen ihn sieht er als „ganz normale Vorgangsweise“, die „allen Beteiligten Handlungssicherheit“ gibt. Ob er überhaupt bei der Demo teilnimmt, sei aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes ohnehin fraglich.

Pandemie-Bücher

Doch seine Meinung verbreitet er auch auf einem anderen Weg: Gestern, Donnerstag, erschien sein Buch „Mit einer Schein-Pandemie in die Knechtschaft!“. Darin spricht er von einer „paradoxen“ und „angeblichen“ Pandemie. Der Autor ortet auch eine „massive polit-mediale Propaganda“ die „Angst verbreitet“.

Er ist nicht der einzige Beamte des Bundesheers, der offen mit der Szene sympathisiert. Schon Anfang des Jahres gab es gegen Monika Donner, Juristin im Verteidigungsministerium, ein Disziplinarverfahren. Mitte Oktober wurde sie schließlich gekündigt. Zuvor hatte sie als Bundesheer-Offizierin Videos mit Verschwörungstheorien veröffentlicht. Außerdem ist auch sie Dauergast und Rednerin bei Corona-Demos. Zudem verfasste sie das Buch „Corona-Diktatur: Wissen, Widerstand, Freiheit“.

In Erscheinung trat zuletzt auch die FPÖ-nahe Bundesheer-Gewerkschaft, die zur Teilnahme an der jüngsten Großdemo aufrief. Und da wiederum war Mitterer mit von der Partie, bestätigt Gewerkschafter Manfred Haidinger und meint: „Wir lassen uns nicht in bestimmte politische Lager manövrieren“.

Laserattacke

Apropos Demos: Auch für die nächsten beiden Samstage sind bereits Demos angekündigt. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Zwischenfällen. Erst vor zwei Wochen war in Wien der Pilot eines Polizeihubschraubers geblendet worden. „Wir haben den Demozug aus der Luft mit zwei Hubschraubern und zwei Drohnen beobachtet. Der Täter konnte mittlerweile ausgeforscht werden“, bestätigt der Sprecher der Flugpolizei, Helmut Greiner dem KURIER.

Dem Mann droht nun eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Die Frage bleibt: Geraten Hubschrauber verstärkt in das Visier von Attacken? Gerade in Zeiten, in denen sich in der Corona-Leugner-Szene hartnäckig Verschwörungstheorien wie diese halten: Hubschrauber würden eine Art „Impfstoff-Sprühnebel“ auf Impfgegner absetzen.

Von der Austro-Control gibt es dazu eine klare Antwort: „Die Größenordnung der von uns erfassten Laserblendungen bleibt konstant niedrig“, sagt Sprecher Markus Pohanka. 30 bis 40 würden jährlich verzeichnet werden. Im vergangenen Jahr, mit coronabedingt weniger Flugverkehr, waren es 21. „Wir sprechen von einer vorsätzlichen Gefährdung der Sicherheit der Luftfahrt“, sagt Pohanka.

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