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Vienna Pride: Wie die Regenbogenparade Österreich verändert hat

Seit der ersten Regenbogenparade ist zwar viel passiert, sagen Experten. Noch müsse sie aber für Sichtbarkeit und Solidarität sorgen.
28. VIENNA PRIDE - REGENBOGENPARADE

Wir schreiben das Jahr 1996. Das Totalverbot gleichgeschlechtlicher Beziehungen (das wurde damals noch gleich behandelt wie Sex mit Tieren) war zwar seit Anfang der 1970-er-Jahre aufgehoben, aber immer noch waren drei von vier zu deren Ersatz eingerichtete Verbote in Österreich gültig.

Nämlich die „Werbung für Unzucht mit Personen des gleichen Geschlechts“, die Gründung von Verbindungen zur Begünstigung gleichgeschlechtlicher Unzucht“ sowie die Altersbegrenzung von „gleichgeschlechtlicher Unzucht mit Personen unter 18 Jahren“. 30 bis 40 Personen wurden nach diesen Paragrafen im Jahr verurteilt.

Dennoch fanden sich über 20.000 Menschen ein, um am 29. Juni 1996 an der ersten Regenbogenparade, der Pride in Wien, teilzunehmen. „Es ist vielleicht auch dieser Parade geschuldet, dass wir im November dieses Jahres eine Sternstunde des Parlamentarismus erleben konnten“, erinnert sich Helmut Graupner, Rechtsanwalt und Vorkämpfer für die Rechte der LGBTIQ-Community, an diese Zeit zurück.

Wiener Regenbogenparade 2017

Die Pride war immer auch Sprachrohr aktueller Themen. Ein Rückblick auf die Parade im Jahr 2017.

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Farbenfroher Eindruck von der Regenbogenparade 2003. 

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Die Pride im Jahr 2005.

Denn da wurden – gegen den Widerstand der damals mit der SPÖ in einer Koalition befindlichen ÖVP – mithilfe der Haider-FPÖ zwei dieser Paragrafen aufgehoben. Einer davon, weil „zwei FPÖler bei der Abstimmung am Klo waren“ und sich Haider so gegen konservative Strömungen in der Partei durchgesetzt habe.

„Machtvolle Parade“

Geblieben ist damals „nur“ die Altersgrenze, diese wurde erst im Juni 2002 vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben. Der riesige Zuspruch zu dieser „machtvollen Parade“ habe laut Graupner dazu geführt, dass Aktivisten nicht mehr von der Politik im Kreis geschickt wurden: „Ab da hat die Politik das Thema ernst genommen.“

Diese Bedeutung rechnet auch Wolfgang Wilhelm, Leiter der Wiener Antidiskriminierungsstelle für LGBTIQ-Angelegenheiten (WASt) der ersten und jeder weiteren Pride zu. Das Ziel, raus aus dem Verstecken, sei für die Community erreicht worden. Und es habe heute noch gerade für junge Menschen „eine große emotionale Bedeutung“, erstmals an einer Pride teilzunehmen: „Hier erleben sie Gemeinschaft und Solidarität. Mit der Pride zeigt die Community ihre ganze Kraft.“

Hier erleben sie Gemeinschaft und Solidarität. Mit der Pride zeigt die Community ihre ganze Kraft.

von Wolfgang Wilhelm

Antidiskriminierungsstelle

Auch Wilhelm führt viele Errungenschaften auf das Zeigen dieser Kraft zurück. „Viele Menschen haben sich seither geoutet, es gibt queere Gruppen in Unternehmen wie der ÖBB und Raiffeisen, auch in den Schulen outen sich immer mehr junge Menschen“, verweist er auf eine gesellschaftliche Entwicklung, die in rechtlichen Verbesserungen wie eingetragenen Partnerschaften und der gleichgeschlechtlichen Ehe mündeten.

Akzeptanz in Europa stark gestiegen

Eine „unglaubliche Veränderung“ konstatiert auch Kristina Stoeckl, Professorin für Soziologie an der Luiss Rom und Mitglied der Jungen Akademie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften – etwa in der dadurch beschleunigten Abkehr von der Kriminalisierung homosexueller Menschen.

Sie verweist darüber hinaus auf Studien, nach denen die Akzeptanz queerer Themen in der Bevölkerung in Europa stark gestiegen sei – mit Ausnahme von Ländern, wie Russland, der Türkei oder generell in osteuropäischen Ländern.

Aber auch Übergriffe steigen an

Und sie legt eines der Ergebnisse ihrer Forschung dar: Rechtskonservativen Politikern und Aktivisten gegen LGBTIQ-Interessen gehe es de facto nicht um die Sache, sondern darum, über einen Punkt – aktuell etwa mit der Transgender-Debatte – Stimmung über eine „Moralpolitik“ zu machen.

Das ermuntert Menschen, ihre Homophobie auszuleben.

von Kristina Stoeckl

Soziologin

Das passiere übrigens auch unter dem Deckmantel der Religion aus der rechtskonservativen Richtung, sagt die Wissenschafterin: „Das ermuntert Menschen, ihre Homophobie auszuleben.“

Und Übergriffe auf homosexuelle Menschen sind immer passiert. Und sie passieren immer noch. Für großes Entsetzen haben die zahlreichen Gewalttaten selbst ernannter „Pädo-Hunter“ gesorgt, deren eigentliches Ziel homosexuelle und bisexuelle Männer waren.

Die Übergriffe steigen generell an, weiß WASt-Chef Wilhelm. Laut einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2025 waren 35 Prozent der Befragten von Übergriffen im öffentlichen Raum betroffen, 2015 waren es nur 25 Prozent. Aber es passiert sogar in der eigenen Wohnung, schildert Wilhelm den Fall eines 20-jährigen Asiaten, der wegen einer Regenbogenfahne in seiner Wiener Wohnung von zwei Installateuren, die er wegen eines Heizungsschadens gerufen hatte, herabgewürdigt und massiv bedroht wurde.

Fehlender Schutz vor Hass-Delikten und Diskriminierung

Das führt auch zu anderen im Jahr 2026 noch offenen Themen: Dem fehlenden ausreichenden Schutz vor Hass-Delikten und dem Diskriminierungsverbot. Letzteres gilt zwar im Berufsleben, aber nicht für Gewerbe und Dienstleistungen. Es ist legal, schwule und lesbische Paare in einem Lokal nicht zu bedienen, ihnen nicht die Haare zu schneiden, ihnen kein Hotelzimmer zu vermieten, sie nicht mit dem Taxi zu befördern.

Alleine das mache Veranstaltungen wie die Regenbogenparade immer noch nötig, sagt Graupner: „Wir würden unsere Beratungsstellen am Liebsten morgen zusperren. Aber so lange es Diskriminierung gibt, ist auch die Pride nötig.“ Diese findet heuer am 13. Juni in Wien statt.

Für die Forscherin Kristina Stoeckl ist in dem Zusammenhang klar: Antidiskriminierung und Gleichberechtigung der LGBTIQ-Community bedeute lediglich einen weiteren Schritt hin zur Gleichberechtigung aller Menschen: „Das muss die Politik noch viel klarer sagen, dass es dabei um alle Menschen geht.“

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