ARCHIV - Eine Prostituierte wartet am 20.12.2006 in einem Bordell in der Innenstadt von Frankfurt am Main auf Kunden. Bordelle sind überall in Hessen zu finden, ob in der Stadt oder auf dem Land. Ein Verein für Frauenrechte warnt: In ländlichen Regionen finden die Prostituierten selten Unterstützung. Foto: Boris Roessler/dpa (zu dpa-Gespräch «Verein: Wenig Hilfe für Prostituierte auf dem Land» vom 23.10.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++

© dpa/Boris Roessler

Prostitution
07/01/2013

Viel Sex, wenig Geld: Polizei sagt Flatrate-Bordellen den Kampf an

Wiener Exekutive will „Dumping-Bordelle“ im Keim ersticken und die Betreiber wegen Zuhälterei anzeigen.

von Nihad Amara

So viel Sex wie du willst“ – um „99 Euro“. Mit diesem Slogan wirbt Peter Laskaris für seinen „Flatrate-Sexclub“, den er am Mittwoch in Wien-Meidling eröffnen will. Dort bietet er Freiern für einen Pauschalbetrag an, unbegrenzt viel Sex mit mehreren Prostituierten haben zu können, und setzt damit auf ein umstrittenes Geschäftsmodell.

Flatrate-Bordelle – dabei geht es um viel Sex für wenig Geld. Mit Flatrates warben bisher Mobilfunker oder Gastronomen für ihre „All you can eat“-Buffets. Vor Jahren kam die Idee im Rotlicht an. Zuerst in Deutschland, dann in der Schweiz, jetzt in Wien.

Im Wiener Rathaus und bei der Exekutive ist man milde gesagt „not amused“ und nachdrücklich bemüht, der Geschäftspraxis einen Riegel vorzuschieben. „Für die Frauen ist das ein massives Problem“, heißt es im Büro der zuständigen Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ). Aus Deutschland habe man „keine guten Erfahrungen“.

Dort reißt die Kritik, die Billig-Bordelle seien menschenverachtend und frauenfeindlich, nicht ab. Eine juristische Handhabe dagegen gibt es aber nicht.

In Wien sorgte die Behörde vor. Nicht zuletzt deshalb, weil bereits zwei weitere Lokal-Betreiber ähnliche Vorhaben ankündigten. Auf Anfrage heißt es im Prostitutionsreferat der Wiener Polizei, dass es eine klare Rechtsmeinung gebe. Die lautet: In der gängigen Ausführung seien solche Lokale illegal. Referatsleiter Wolfgang Langer präzisiert: „Wir betrachten das als Zuhälterei und würden den Lokal-Betreiber auch anzeigen, gegebenenfalls das Lokal polizeilich schließen.“

Beim „Flatrate-Modell“ hebt nämlich der Betreiber und nicht die Prostituierte das Entgelt ein. Da er sich damit an der sexuellen Dienstleistung bereichert, fungiert er (möglicherweise) als Zuhälter. Eine solche Anzeige könnte wiederum eine Lokalschließung zur Folge haben.

Peter Laskaris hat mit Gegenwind gerechnet. „Ich kenne all die Argumente.“ Er sagt ganz unaufgeregt: „Bei mir kriegen die Frauen 300 Euro täglich, fast 9000 Euro im Monat.“ Sie seien die „unternehmerische Verantwortung“ los, es gebe „keinen Konkurrenzdruck“. Das Vorhaben sei mit der Polizei vorab besprochen worden. Bereits vor der Eröffnung hätten sich 15 Frauen gemeldet. „Es gibt keinen Zwang. Jede kann sich den Freier aussuchen.“

Skeptisch, aber abwartend reagiert man beim Verein LEFÖ, der sich auch um Sexarbeiterinnen kümmert. „Unter den Prostituierten gibt es unterschiedliche Meinungen dazu“, erklärt Sprecherin Renate Blum. Entscheidend sei die Umsetzung. „Bekommen die Frauen nichts vom Profit und werden sie ausgebeutet, dann ist das ganz klar abzulehnen.“

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