Chronik | Wien
05.12.2011

Verwirrter überfiel Parlament in Wien

Ein Asylwerber löste einen WEGA-Einsatz aus. Er verlangte nach dem Bundespräsidenten und bedrohte eine Beamtin zwanzig Minuten lang.

Ein Asylwerber aus dem Iran wurde am Samstag gegen 13.30 Uhr im Parlament verhaftet. Der offenbar geistig verwirrte 36-Jährige hatte im Besucherzentrum zwei Steine gegen ein Pult geschleudert, lief einer Sicherheitsbeamtin nach, bedrohte eine zweite mit einem Buttermesser und versetzte Besuchern sowie Mitarbeitern einen gehörigen Schock.

Ersten Schilderungen zufolge soll der Mann Bundespräsident Heinz Fischer verlangt haben. Ob er bewusst das Parlament anstatt der Hofburg aufgesucht hatte, ist nicht bekannt. Mangels eines "Vorsprachetermins" soll der Mann im Besucherzentrum aus Zorn zwei mitgebrachte Steine gegen das Pult geworfen und versucht haben, durch die Schleuse ins Innere des Gebäudes zu gelangen. "Es war mit dem Mann keine schlüssige Kommunikation möglich", schildert Alexis Wintoniak, Parlamentsvizedirektor, dem KURIER.

WEGA-Einsatz

Das Sicherheitspersonal löste Alarm aus und lotste den Verwirrten, der bereits ein Buttermesser in der Hand hielt, in einen ihrer Räume, wo er laut Wintoniak eine Beamtin für rund zwanzig Minuten "in seine Gewalt brachte". Die alarmierten Einsatzkräfte der WEGA gingen anfangs von einer Geiselnahme aus, revidierten ihren Einsatzbefehl auf eine "gefährliche Drohung", erklärt Polizei-Sprecher Roman Hahslinger.

Die Beamten der Sondereinheit setzten den Verwirrten mit einem so genannten Doppelknaller, der den 36-Jährigen blendete, außer Gefecht. Die beiden Frauen wurde nicht verletzt, der Mann leicht. Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung Wien ermittelt nun.

Derzeit wird davon ausgegangen, dass der Täter geistig verwirrt ist. "Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keinen Hinweis auf einen politischen Hintergrund", erklärt Wintoniak. Für den Nachmittag wurden alle Parlamentsführungen abgesagt.