Bei der Mahnwache kamen Freunde und Aeryns Mutter um an den mysteriösen Fall zu erinnern.

© /Birgit Seiser

Mysteriöses Verschwinden
10/30/2015

Vermisst, aber nie vergessen

Der mysteriöse Vermissten-Fall um ihren Sohn Aeryn beschäftigt Mutter Kathryn Gillern seit Jahren.

von Birgit Seiser

Acht Jahre der quälenden Ungewissheit. Acht Jahre, in denen das Fragezeichen hinter einem Namen immer größer wurde: Aeryn Gillern. Der damals 34-jährige Amerikaner verschwand 2007 spurlos aus der Herrensauna Kaiserbründl in der Wiener Innenstadt. Laut Polizei sei der dreifache Magister und UNIDO-Mitarbeiter nach einem emotionalen Zusammenbruch nur mit einem Handtuch bekleidet am frühen Abend durch die Straßen gerannt und in den Donaukanal gesprungen.

Bis heute gibt es für dieses Szenario aber weder Zeugen, noch handfeste Beweise, die diese Version belegen. Von emotionalen Problemen wissen Mutter und Freundeskreis nichts. Fakten, die es Kathryn Gillern schwer machen, die Suche nach ihrem Sohn oder zumindest nach der Wahrheit aufzugeben.

Private Suche

Kathryn Gillern ist zum Jahrestag des Verschwindens am 29. Oktober aus den USA angereist, um vor dem Kaiserbründl eine Mahnwache abzuhalten. Einige Freunde von Aeryn sind ebenfalls gekommen. Immer wieder werden sie von Passanten auf die Schilder mit Fotos angesprochen und erzählen Aeryns Geschichte.

Kathryn Gillern hat auch Clemens Liehr zur Mahnwache eingeladen. Der Wiener betreibt seit rund einem Jahr die Facebook-Seite "Österreich findet Euch" und hat 4000 Fans. Aeryns Foto sieht man auf der Seite. Eine Personenfahndung läuft außerdem über das Bundeskriminalamt. Über private Initiativen hat die Suche aber oft mehr Erfolg. "Die Polizei muss gut abwägen, ob sie das Foto eines Vermissten veröffentlicht, weil viele Faktoren eine Rolle spielen. Auf der privaten Seite kann ich viel schneller einen Vermissten-Fall in die Öffentlichkeit bringen und so auch viele Menschen erreichen", erklärt Liehr.

Die Idee zu der Seite hatte der ehrenamtliche Rot-Kreuz-Mitarbeiter als er und seine Kollegen nach einem Abgängigen suchten. Mittlerweile ist er auch mit dem BK vernetzt. "Es gab schon Erfolge, wo sich Menschen dann bei ihren Angehörigen gemeldet haben", sagt Liehr. Die ehemalige Polizistin Kathryn Gillern vertraut den Behörden wenig, hofft über private Initiativen die Wahrheit herauszufinden. Gillern glaubt, dass nach ihrem Sohn unzulänglich gesucht wurde – wegen seiner Homosexualität und der Tatsache, dass er kein Österreicher ist.

Die Chronologie zum Vermissten-Fall Aeryn Gillern

Der 34-jährige Aeryn Michael John Gillern wird am 29.10.2007 zum letzten Mal gesehen. Zwei Tage später schlagen seine Arbeitskollegen in der UNIDO Alarm, weil der immer zuverlässige Mitarbeiter nicht der UNO-City erscheint. Sofort werden seine Mutter in Amerika, sein Lebensgefährte und seine Freunde informiert. Mit einem Zweitschlüssel verschaffen sie sich Zugang zur Wohnung, doch Aeryn bleibt verschwunden.

Am 1. November reist Mutter Kathryn nach Wien. Die ehemalige Polizistin, die 20 Jahre im Dienst war, sucht auf eigene Faust nach ihrem Sohn. Sie hört zum ersten Mal die Version der Wiener Polizei, dass Aeryn von der Herrensauna weggerannt und anschließend in den Donaukanal gesprungen sein soll. Angeblich habe ein Fischer angegeben, den Körper eines glatzköpfigen Mannes vorbeischwimmen gesehen zu haben. Die Polizei gibt an, man habe danach mit Tauchern nach dem Körper gesucht. Doch wie sich später herausstellt, ging an dem Abend kein Notnruf bei der Polizei im 1. Bezirk ein, wo Aeryn bei der Urania angeblich Selbstmord verübte.

Kathryn Gillern bleibt noch mehrere Wochen in Wien und wird schließlich mit neuen Ermittlungsergebnissen konfontiert. Angeblich sei Aeryn HIV-positiv gewesen und habe deshalb Suizid begangen. Sein Lebensgefährte erklärt aber, dass Aeryn einige Tage vor seinem Verschwinden einen Test gemacht habe. Als die Mutter Aeryns persönliche Sachen zurückbekommt, findet sie das Testergebnis, ausgestellt am 29. Oktober (dem Tag des Verschwindens). Es belegt, dass Aeryn Gillern HIV-negativ ist.

Gegen die Theorie eines Suizids spricht außerdem, dass der damals 34-Jährige Pläne hatte und seinen Freunden gegenüber nie von gravierenden seelischen Problemen sprach. Er hatte sogar seiner Mutter nahegelegt, ihr Haus in New York zu verkaufen um zu ihm nach Wien zu ziehen. Die Pläne waren schon konkret.

Im Mai 2015 kommt wieder Schwung in den Fall. Er wird von der Cold Case-Abteilung des Bundeskriminalamts neu aufgerollt. Zehn Taucher der Spezialeinheit Cobra suchen zwei Tage lang im Bereich der Urania nach Skelettresten oder sonstigen Hinweisen. Die Aktion bleibt aber erfolglos, Aeryn Gillerns Verbleiben ein Rätsel.

www.aeryngillern.com

www.facebook.com/oesterreichfindeteuch

Einen Spielfilm über den Fall Aeryn Gillern finden Sie auf:

www.facebook.com/GONE.FILM/