Der U-Bahnbau hat grünes Licht bekommen

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Öffentlicher Verkehr
03/03/2016

Verkehrsexperte Kummer: "U5 alleine ist nicht genug"

Erste Vorarbeiten zu neuer U-Bahn-Linie/ Kummer: "Es braucht weitere U-Bahnlinien".

von Anna-Maria Bauer

50 Meter in die Erde hinein. So tief hinunter müssen die Bohrmaschinen in den kommenden Wochen an 75 Stellen entlang der geplanten U5-Trasse und der U2-Erweiterungsstrecke. Damit soll die Beschaffenheit des Bodens eruiert und der Grundwasserpegel geklärt werden. Etwaiges Kriegsmaterial wird ebenfalls aufgespürt.

Die Prognose "Zwei Millionen Wiener bis 2030" stellt nicht nur den Wohnbau, sondern auch den öffentlichen Verkehr vor Herausforderungen. Vor einem Jahr verkündete die damalige Öffi-Stadträtin Renate Brauner (SPÖ) daher den Bau einer neuen U-Bahn-Linie. 2023 soll die vollautomatische U5 vom Karlsplatz bis zum Alten AKH in Betrieb genommen werden. Auch der neue Südabschnitt der U2 vom Rathaus bis zum Matzleinsdorfer Platz soll in dem Jahr fertig sein.

Auch wenn die richtigen Bauarbeiten für den U-Bahn-Ausbau erst in zwei Jahren beginnen, sind schon jetzt erste Vorarbeiten notwendig. Ab 7. März wird im Bereich der Magdalenenstraße und am Siebensternplatz daher von der MA 29 (Brückenbau und Grundbau) mit Probebohrungen begonnen, die bis Oktober abgeschlossen sein sollen. Diese Arbeiten finden großteils auf Parkflächen statt, in drei Fällen müssen die Arbeiter auf die Straße. Kostenpunkt : Zwei Mio. Euro.

Kapazitätsgrenzen

Laut Professor Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der WU Wien, ist dieser U-Bahn-Ausbau längst überfällig. Durch den Bevölkerungsanstieg und weil immer mehr Menschen von Pkw zu Bus, Bim oder Bahn wechseln, sei das Öffi-Netz bereits jetzt kurz davor, seine Kapazitätsgrenzen zu sprengen. "Bei manchen Linien ist das bereits der Fall. Denken Sie nur am frühen Abend an die U6, die Straßenbahnlinie 43 oder den 13 A. Immer öfter höre ich von Leuten, dass sie einen Zug oder einen Bus fahren lassen, weil er zu voll ist", sagt Kummer.

Reicht der U-Bahn-Ausbau aus, um hier Entlastung zu bringen? "Generell halte ich die U5 für eine sehr gute Idee. Die Situation in der U6 und im 43er wird sich dabei sicherlich verbessern."

Noch dazu wo die Intervalle bei der U5 aufgrund der Automatisierung auf 90 Sekunden verkürzt werden können. (Weniger als zweieinhalb Minuten sind derzeit nicht möglich.) "Aber", fährt Kummer fort: "Diese Maßnahme reicht nicht aus."

Netz ausweiten

Das öffentliche Verkehrsnetz auf zwei Millionen Menschen auszurichten, hält Kummer jedenfalls für zu kurz gegriffen. Man müsste eine Netzplanung für 2,5 Millionen machen. "Und dafür braucht es eigentlich noch ein oder zwei weitere U-Bahnlinien in der Stadt."

Änderungen schlägt der Universitätsprofessor bei der Jahreskarte vor, etwa einen kilometerbasierten Tarif. Der Fahrgast zahlt also je nachdem, wie weit er fährt. Denn: "So schön die 365-Euro-Karte ist, sie verleitet dazu, dass man die Öffis auch für kurze Strecken nutzt, bei denen es eigentlich gar nicht notwendig ist. Die könnte man besser zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen."

Vorschlag Nummer zwei soll die Kapazität zu Spitzenzeiten entlasten: "Eine vergünstigte Jahreskarte für jene, die nicht zu den Stoßzeiten unterwegs sind. Also zum Beispiel morgens erst ab 9 Uhr. "

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