Verheerender Arbeitsunfall mit vier Toten in Wien: Baupolizei hatte nichts zu beanstanden
Die Tür zu dem Gebäude, in dem am Dienstag einer der verheerendsten Arbeitsunfälle der vergangenen Jahre in Wien passiert ist, steht am Mittwochvormittag offen. Vor der Tür erinnern Kerzen und Blumen an das, was am Vortag hier am Alsergrund in der Porzellangasse passiert ist.
Gegen 14.30 Uhr waren mehrere Arbeiter bei einem Dachgeschossausbau beschäftigt, für den Verschalungen und ein Gerüst aufgestellt worden waren. Plötzlich stürzte bei gerade laufenden Betonierarbeiten die gesamte Konstruktion zusammen und begrub die Bauarbeiter unter den Trümmern und dem flüssigen Beton.
Das ist über die Opfer bekannt
Vier Arbeiter kamen dabei ums Leben. Bei den Bauarbeitern handelte es sich laut Angaben der Polizei um drei kosovarische und einen serbischen Staatsangehörigen im Alter von Anfang 30 bis Ende 40.
Nun leitet die Staatsanwaltschaft Wien ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannte Täter ein. Es geht um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung, der geprüft werden muss. "Die Ermittlungen werden dann zeigen, ob in diesem Fall eine Fahrlässigkeit von jemanden anzunehmen ist. Die Obduktion wurde bereits angeordnet", sagte Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, auf KURIER-Anfrage.
Der flüssige Beton erschwerte die Bergungsarbeiten der Feuerwehr.
Herausfordernder Einsatz
Der Einsatz selbst gestaltete sich für die Hilfskräfte von Berufsfeuerwehr, Rettung und Polizei als große Herausforderung. Insgesamt waren 120 Einsatzkräfte vor Ort. Zunächst konnte ein betroffener Bauarbeiter - ein 45-Jähriger - gerettet und von den Sanitätern versorgt werden.
Der Innenhof.
Da aber lange nicht klar war, wie viele weitere Bauarbeiter vermisst werden, gestaltete sich die Suche nach den Opfern als äußert schwierig, berichtete die Berufsfeuerwehr. Aufgrund der Situation wurde umgehend auf Alarmstufe 2 erhöht, Spezialgeräte und spezialisierte Einsatzkräfte wurden alarmiert. Vom Katastrophenhilfsdienst Wien wurden die Schallortungsgruppe und die Rettungshundestaffel entsendet, auch eine Drohne kam für rund eine halbe Stunde zur weiteren Abklärung zum Einsatz.
Gerüstteile mussten händisch entfernt werden
Die Einsatzkräfte mussten die Zugänge zum Innenhof öffnen und dafür Zäune und Türen entfernen. Händisch mussten Schalungs- und Gerüstteile sowie Eisenarmierungen aus dem Weg geräumt werden, auch mit Seilwinden und einem Kran wurde gearbeitet. Der Kranfahrer musste aufgrund der Bergungsarbeiten bis 17.30 Uhr in seinem Fahrzeug ausharren.
Ein Strauß gelber Tulpen wurde an einem Baugerüst in der Nähe des Unfallorts befestigt.
Erschwert wurde das Ganze, da die Teile von flüssigem Beton bedeckt waren - die ersten zwei Toten konnten schließlich geborgen werden. Die Bergung der weiteren Arbeiter gestaltete sich durch den langsam fester werdenden Beton dann entsprechend schwieriger. Danach wurde der gesamte Trümmerkegel nochmals von einem der Rettungshunde abgesucht, um sicherzustellen, dass keine weiteren Personen verschüttet waren, so die Feuerwehr. Der Einsatz dauerte bis in die frühen Abendstunden.
Keine Beanstandungen durch Baupolizei
An der Baustelle selbst gab es jedenfalls nichts zu bemängeln, hieß es von der Wiener Baupolizei (MA 37) gegenüber dem KURIER am Mittwoch. "Es wurden ein Dachgeschoss- und ein Balkonzubau bewilligt", betonte eine Sprecherin. Auch Kontrollen vor Ort hätten keinen Anlass für etwaige Beschwerden ergeben.
Kommentare